Letzte Woche erhielten wir zwei interessante Nachrichten. In der einen empfahl uns einer unserer Freunde aus London, Dr. Atul Shah, mit der New Yorker Künstlerin Ann McCoy Kontakt aufzunehmen, die gerade in Berlin in der Galerie Zero, Köpenicker Str. 4, 10997 Berlin (Kreuzberg, nähe U-Bahn Schlesisches Tor) noch bis 25.01.2008 ihr Projekt „Pfaueninsel“ zeigt.
Die andere war von Ann McCoy selbst. Wir verabredeten uns zu einem Interview mit ihr in der Galerie Zero, wo wir auch Anna Krenz trafen, die zusammen mit Jacek Slaski das ‚zero projekt’ betreibt.
Ann Mc Coy
Ann Mc Coy
Anna Krenz
Ann McCoys Vorfahren waren irische Katholiken. Sie hat lange nach ihrer spirituellen Heimat gesucht und sie schließlich im Jainismus gefunden. Mahaviras Lehre von Ahimsa (leben ohne Ausübung, Billigung oder Unterstützung von Gewalt in all ihren Formen) war der Grund dafür. Die Jain Philosophie des Anekantvada (Anerkennung der multiplen Aspekte der Wahrheit) hat ihr nach eigenen Aussagen den Geist geöffnet. Ganz praktisch hat ihr das geholfen im Umgang mit ihren New Yorker Studenten, die von Spiritualität nichts wissen wollen: „In New York zählt nur Wallstreet“. Auf der Grundlage der Anekant Philosophie konnte sie einen Kommunikationsprozess mit ihnen beginnen, der es beiden Seiten ermöglichte, sich zu tolerienren und zu respektieren. „Friedliche Koexistenz im Kleinen,“ meinte sie schmunzelnd.
Nach Auffassung von Ann McCoy fürchten sich die meisten Menschen davor, sich mit den Vorgängen in ihrem Inneren zu befassen, weil sie sich nicht kennen und ihre dunkle Seite auch nicht kennen lernen wollen. Das Erkennen der eigenen dunklen Seite und die in der jinistischen Tradition bekannten Methoden zur Transformation negativer psychischer Tendenzen haben sie besonders interessiert. Sie beschäftigt sich schon lange mit Alchemie und ihrer psychologischen Bedeutung bei beispielsweise C.G. Jung
. Anklänge daran findet man in ihren Werken.
Auf einer ihrer in der Berliner Ausstellung gezeigten Zeichnungen hat sie diese Aspekte vereint. Hier verbindet sie eine Darstellung von Mahavira vor seiner Geburt mit seinem Gleichnis von der Bedeutung eines Tautropfens für eine Blume, das er zur Verdeutlichung feinstofflicher Lebensvorgänge gewählt hat.
Der Vogel als einziges Tier, das fliegen kann, symbolisiert das Göttliche in ihren Zeichnungen, die Göttin Aphrodite sowohl den universalen, als auch den erotischen Aspekt der Liebe, sowie das Bemühen um positive zwischenmenschliche Beziehungen.
Aphrodite als Symbol universaler und erotischer Liebe
Zur amerikanischen Realpolitik hat sie eine kritische Einstellung und meint, dass in Amerika noch eine Vorkriegsmentalität vorherrscht, während in Europa ein Nachkriegsbewusstsein entstanden ist. 2003 wurde sie vom Majdanek Museum zu einer Ausstellung in Lublin, Polen eingeladen. Sie findet es sehr wichtig, nein zur Gewalt zu sagen, wo und in welcher Form sie auch auftritt. Gewalt ist wie ein Bumerang, der zu einem zurückkehrt.
Künstler haben ihrer Auffassung nach die Aufgabe, Lösungen für Probleme aufzuzeigen und nicht die Probleme selbst, weil sie das Licht bringen sollten, mit dem das Dunkle erhellt wird. Auch wenn sie an dieser Aufgabe scheiten, ist es dennoch sehr wichtig, dass sie es überhaupt versuchen.
Die Ehrfurcht vor dem Leben in allen seinen Formen ist für Ann McCoy das Wichtigste.
Die Unterhaltung mit Ann McCoy in englischer Sprache: