Bericht über das II. Internationale Preksha Meditations Camp in Surat [Gujarat/Indien]
Carla Geerdes
23.12.2003
120 Delegierte aus zehn Ländern – Indien, Großbritannien, USA, Russland, Moldawien, Tadschikistan, Ukraine, Nepal, Malaysia, Deutschland - kamen im Oktober 2003 für neun Tage zusammen, um entweder die Methode der Preksha Meditation zu erlernen oder ihre Meditationspraxis zu intensivieren und mit Hintergrundinformationen anzureichern. Aus unterschiedlichen Weltgegenden gelangten sie nach Surat im indischen Bundesstaat Gujarat mit dem festen Entschluss, neun Tage ihres Lebens mit der Evaluation ihres Selbst zu verbringen und die Wahrheit durch den Blick nach innen zu finden.
Wie im Programm angekündigt, wurde von allen Teilnehmern die strikte Einhaltung des vorgegebenen Tagesablaufs erwartet. Der Tag begann um 5.15h in der Frühe mit der ersten Meditationssitzung (Wecken ca. 4.30h), dann Guru-Darshan bei Acharya Mahaprajna (gesprochen: Mahapragya), anschließend Yoga-Asanas mit Pranayama und gegen 8.00h Frühstück.
Die audio-visuellen Lektionen von Muni Mahendra Kumar, Professor für Preksha Meditation, fanden um 9.00h statt. Seine persönliche Anwesenheit wirkte sehr aufbauend. Wenn die Konzentration nachzulassen drohte, konnte man sich nach Augenkontakt mit ihm wieder besser konzentrieren. Die theoretischen Lektionen wurden anschließend gleich angewandt. Von 10.00h bis 11.00h unter Anleitung Samani Shardapragyas setzten wir eine Kontemplation (Anupreksha) in die Praxis um. Muni Kishan Lal, ebenfalls Professor für Preksha Meditation, gab uns von 11.00h bis 12.00h durch Kayotsarg Gelegenheit zur Entspannung mit Gewahrsein des Selbst.
Nach der Mittagspause um 14.00h fand eine weitere Meditationssitzung statt. Diese wurde von Kumar Shraman (‚Kleiner Heiliger’) durchgeführt, einem 22jährigen Mönch, der bereits mit neun Jahren in den Orden aufgenommen wurde. Eine ihrer Wanderungen als Asketen inspirierte Muni Jay Kumar und ihn zu der Idee, ein internationales Meditationscamps durchzuführen. Es zeigte sich, dass die Idee perfekt war.
Auf die Nachmittagsmeditation folgte der spirituelle Vortrag Acharya Mahaprajnas von 15.00h bis 15.45h.
Nach der Teepause präsentierte Dr. G. L. Jain aus Udaipur, der auch die Begrüßungsrede und den Einführungsvortrag gehalten hatte, eine Anatomielektion. Im Anschluss daran gab es eine Pause von ca. 90 Minuten für das Abendessen.
Danach fanden sich gegen 18.30h fast alle Teilnehmer zum ‚Gehen mit Achtsamkeit’ ein, um die kurze Entfernung zwischen Unterkunfts- und Veranstaltungsort gemeinsam zu Fuß zurückzulegen. Das ‚Gehen mit Achtsamkeit’ ist eine Konzentrationsübung, bei der sich die Aufmerksamkeit ausschließlich auf den Vorgang des Gehens und den Weg richtet. Es wird darauf geachtet, keine kleinen Insekten oder Pflanzen zu zertreten.
Nach dem abendlichen Guru-Darshan im Terapanth Bhawan (Terapanth-Zentrum) rezitierte Saman Ashwinpragya ‚Heilige Wünsche’ aus der Jaina Tradition. Saman Ashwinpragya trug sie rhythmisch singend vor, und die Gruppe wiederholte sie. Im ersten Teil enthalten sie spirituelle Zielsetzungen wie ‚Möge ich Frieden erlangen’ oder ‚Möge ich unerschütterlich werden’. Anschließend werden die Wünsche als realisiert wahrgenommen, erlebt und ausgedrückt: ‚Geradlinigkeit ist entwickelt, Sanftheit ist entwickelt’ oder ‚Es gibt keine Schmerzen, keine Dunkelheit der Unwissenheit für mich’.
Die Abendmeditation fand unter Anleitung YuvacharyaMahashramans statt. In der einstündigen Abschlusssitzung konnte man Fragen an Prof. Muni Mahendra Kumar stellen. Um 21.00h brachen alle zur Rückkehr in die Unterkunft auf. Zum Abschluss des Tages sollte ein Bogen ausgefüllt werden, auf dem die Kategorien ‚Leben in der Gegenwart’, ‚Handeln - nicht reagieren’, ‚Freundschaft mit allen’, ‚Nur Nötiges sprechen’ sowie ‚Nicht zuviel essen’ auf einer Skala von 10 (völlig eingehalten) bis 0 (überhaupt nicht eingehalten) angekreuzt werden konnten.
Den Vormittag des ersten Tages füllten Anmeldung, Unterbringung der Teilnehmer sowie die Einführungszeremonie in Anwesenheit Acharya Mahaprajnas aus. Während dieser Zeremonie gab der Acharya den Teilnehmern des Camps seinen Segen.
Nach dem Mittagessen und der Begrüßung hielt Dr. G. L. Jain aus Udaipur seinen Einführungsvortrag.
Eingangs wurde die Haltung des Kopfes, des Rückens, der Arme und Hände sowie der Beine beschrieben. Es kann im Liegen, Sitzen oder Stehen meditiert werden, die gewählte Haltung sollte während der Dauer der Meditation beibehalten werden. Für den Anfänger wird die Haltung im Sitzen mit gekreuzten Beinen empfohlen. Die höchste Konzentration wird im Stehen erreicht, weil die Energieströme so ungehindert fließen können.
Preksha Meditation führt zu Veränderungen auf allen Ebenen der Persönlichkeit. Die Wahrnehmung des Selbst wird als wichtige Voraussetzung zur Erreichung spiritueller Ziele angestrebt. Preksha bedeutet wörtlich ‚schauen’ und ‚wahrnehmen’. Schauen und Wahrnehmen sind ebenso wie Denken und Reflektieren Bestandteile der mentalen Prozesse. Während der Meditation fokussieren wir unsere Aufmerksamkeit auf den Prozess der Wahrnehmung, während wir uns im Allgemeinen auf das Denken konzentrieren.
Wie können wir uns auf die Wahrnehmung konzentrieren und unser Selbst wahrnehmen? Der einleitende Aphorismus der Preksha Meditation ‚Sampikae Apaga Mappa Enam’ (Prakrit) – Das Selbst mit dem Selbst sehen, das Selbst mit dem Selbst erkennen, das Selbst mit dem Selbst wahrnehmen – bezieht sich auf sieben Ebenen. Dort können wir das Selbst erfahren und wahrnehmen:
In der Preksha Meditation wird jede dieser Ebenen auf das eigene Selbst konzentriert, das auf allen Ebenen präsent ist.
Mit der Konzentration auf die Wahrnehmung reinigen wir das Selbst von den karmischen Kontaminierungen, welche durch Zuneigung oder Abneigung entstehen. Wir bringen es in eine ausgeglichene Situation und ermöglichen ihm die Existenz in seiner reinen Form. Das Selbst kann sich aus den Verstrickungen des Karma befreien und ist in der Lage, sich selbst wahrzunehmen.
In der Preksha Meditation lernen wir auch, unsere gesamte Lebensenergie für die Realisierung unserer Lebensziele von innen heraus zu nutzen und uns von äußeren Einflüssen zu emanzipieren. Dadurch entwickeln wir eine ausgeglichene Persönlichkeit, und unsere Lebensqualität nimmt allmählich zu.
Nach dem Einführungsvortrag stellte sich jeder Teilnehmer mit einigen Worten Seiner Heiligkeit Acharya Mahaprajna vor.
Acharya Mahaprajna hatte nach dieser in Vergessenheit geratenen Meditation der Jaina in den Agamas, den Lehren Lord Mahaviras, gesucht und sie auch wiedergefunden. Vor ungefähr fünfzig Jahren übertrug der Acharya, zu dieser Zeit noch Muni Nathmal, die in vielen Schriften verstreuten Elemente des Meditationsverfahrens aus dem Prakrit in modernes Hindi und fasste sie zusammen.
Später unterstützte ihn ein Team engagierter Mönche und Nonnen. Ehe er die Resultate dieser Arbeit der Öffentlichkeit präsentierte, praktizierte er über zwei Dekaden erst einmal selbst die herausgearbeiteten Verfahren und legte seine Ergebnisse Wissenschaftlern vor. Aus dieser Zusammenarbeit erwuchs allmählich die wissenschaftliche Basis der Preksha Meditation.
Seit fast dreißig Jahren wird das Meditationsverfahren mit den neuesten Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung beleuchtet und dem mentalen Verständnis zugänglich gemacht.
In Indien kamen die Resultate dieser Arbeit bereits vielen tausend Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft zugute. Dort werden regelmäßig Meditationscamps veranstaltet, eine Übersetzung ins Englische erfolgte auf Anregung des Acharyas. Das erste internationale Preksha Meditationscamp fand 2002 in Ahmedabad, Gujarat, statt, das dritte ist im Oktober 2004 in Siriyari, Rajasthan, geplant.
Anschließend fand die erste Meditationssitzung ‚Wahrnehmung des Körpers’ mit Yuvacharya Mahashraman statt. Mit der Schilderung meiner eigenen Erfahrungen während dieser Sitzung möchte ich einen Eindruck von den spirituellen Inspirationen während des Camps vermitteln:
Mein bewegungsloser Körper hatte keine Bedeutung mehr, eine vielfarbige Wolke umhüllte mich. Ich folgte den Vibrationen der Stimme, die mich tief in mein Inneres führte. Dort konnte ich wahrnehmen, wie die Lebensenergie meinen Körper durchpulste. Als ich den Sharan-Sutra (Zufluchtsaphorismus)
Arhante Sarenam Pauerjami
Ich nehme Zuflucht zu den Allwissenden
Siddhe Sarenam Pauerjami
Ich nehme Zuflucht zu den befreiten Seelen, die Erlösung
Sahu Sarenam Pauerjami
Ich nehme Zuflucht zu den Heiligen
Kevali Panatam Sarenam Pauerjami
Ich nehme Zuflucht zu den Verkündigungen der Allwissenden
vernahm, vibrierte jede einzelne Zelle meines Körpers vor Energie. Ich hörte und fühlte das Rauschen des Blutes in meinen Adern und empfand Freude und Glück.
Nach dieser Sitzung begab sich jeder in den ‚Schlaf mit Gewahrsein’ (Yog Nidra), aus dem ich gegen 04.30h erwachte, die richtige Zeit für die morgendliche Meditation um 05.15h.
Die Erlebnisse des Vorabends wirkten noch in mir nach, besonders in meinem Körper. Er fühlte sich an wie nach einem Fieberanfall, doch ohne geschwächt zu sein. Energiewirbel durchpulsten ihn fortwährend, so etwas hatte ich nie zuvor erlebt.
Dieses Erlebnis interpretierte ich als geistig-seelischen Reinigungsprozess. Von den Heiligen gehen konzentrierte Schwingungen subtiler Energien aus, die in der Meditation übernommen und verinnerlicht werden können. Diese Schwingungen verstärkten sich noch durch das ungewohnte Erlebnis, in einer Gruppe von 120 Menschen zu meditieren. Das gesamte Energieniveau wurde beträchtlich erhöht, was bei mir die geschilderten Wirkungen hatte.
In den morgendlichen Vorlesungen von Professor Muni Mahendra Kumar wurde die Theorie der Preksha Meditation dargelegt sowie der philosophische Hintergrund verschiedener Aspekte beschrieben. Der erste Vortrag befasste sich mit dem Aspekt ‚Kayotsarg’.
Kayotsarg ist die erste Phase der Preksha Meditation und bedeutet wörtlich ‚den Körper verlassen’. Ein verlassener Körper bewegt sich nicht mehr. Ein so bewegungslos gewordener Körper ist im Allgemeinen ein toter Körper, das Verlassen des Körpers ist also eine Simulation des Todes. Warum das?
In Kayotsarg geht es darum, das Selbst vom Körper getrennt zu erleben, damit das Selbst oder die Seele wahrgenommen werden kann. Die Wahrnehmung der Seele ist für die spirituelle Entwicklung im Hinblick auf die Auflösung des Karma notwendig.
Karma ist an mentale und physische Aktivitäten gebunden, die Geist und Körper in subtile Schwingungen versetzen. Diese subtilen Vibrationen ziehen Karmapartikel an, die der Seele wie winzige Staubkörnchen anhaften. Auch in der Wissenschaft sind diese Erschütterungen bekannt, sie werden dort mit einer Überaktivität des Nervensystems erklärt.
Den ganzen Tag über führen wir mentale, psychische und emotionale Handlungen aus, diese permanente Beanspruchung generiert allmählich Spannungen. Kayotsarg unterstützt den Geist dabei, sich zu entspannen. Angefangen mit dem rechten großen Zeh bis zum höchsten Punkt des Schädels wird der Körper durch Autosuggestion schrittweise entspannt.
Während der Bewegungslosigkeit des Körpers werden die physikalischen und mentalen Aktivitäten auf ein Minimum reduziert, die Atmung verlangsamt sich, der Blutzuckerspiegel sinkt, die metabolischen Aktivitäten und die des Gehirns werden reduziert, seine elektrischen Impulse werden in Alphawellen produziert. Unsere operationale Effektivität erhöht sich ebenso wie unsere Fähigkeit, Hitze, Kälte und Schmerzen zu ertragen. Die Fähigkeit zur Konzentration wächst, was unter anderem Klarsichtigkeit bis zur Wahrnehmung der Aura ermöglicht. Weisheit hinsichtlich der Unterscheidung von richtig oder falsch in Theorie und Praxis kann sich entwickeln.
Im vollen Bewusstsein der Segnungen des Kayotsarg war nun jeder bereit für die Anupreksha mit Samani Shardapragya. Mit ihrer wundervollen Stimme motivierte sie jeden für die Arbeit der charakterlichen Verfeinerung in Form von Wiederholung des von ihr Vorgesprochenen: ‚Ich werde zunehmend duldsamer’ und ‚Ich werde zunehmend ausgeglichener’. Im Anschluss daran löste eine Kayotsarg-Sitzung mit Muni Kishan Lal unsere Spannungen, welche vielleicht durch die neue Umgebung, den neuen Lebensrhythmus mit frühem Aufstehen und Konzentration unserer gesamten Persönlichkeit auf die Meditation entstanden waren.
Der Meditationssitzung am frühen Nachmittag folgte der spirituelle Vortrag Seiner Heiligkeit Acharya Mahaprajnas über ‚Kontinuität des Wandels’.
Die Welt der Objekte verändert sich ständig, Freud und Leid sind mit diesem Wechsel eng gekoppelt. Verbindung mit Positivem freut uns, Trennung davon nicht. Verbindung mit Negativem macht uns unglücklich, Trennung davon freut uns.
Auch Gedanken unterliegen ebenso wie Handlungen der Kontinuität des Wandels. Im Allgemeinen werden Gedanken nicht verwirklicht, doch das Bewusstsein formende Gedanken schaffen dieselbe Realität in unserem Inneren wie eine Handlung. Dieser Prozess wird in der Kontemplation bewusst herbeigeführt. In der Anupreksha konzentrieren wir uns darauf, einen Gedanken in eine das Bewusstsein formende Realität zu transformieren. Das ist möglich, weil ein Bewusstseinseindruck – anders als Gedanken – nicht von anderen entliehen werden kann.
Wer kontrolliert unseren Geist? Spirituell gesehen, unser Karmakörper, dessen subtile Vibrationen unsere Gedanken und Handlungen generieren.
Wenn wir uns aus diesen Mechanismen befreien wollen, müssen wir auf die Komponenten des Gehirns einwirken. Anatomie ist ein wichtiges Werkzeug in der Preksha Meditation, verschafft sie uns doch das Wissen, wie wir die Veränderung bewirken können.
Dies wirkte wie eine brillante Überleitung zum folgenden Anatomievortrag von Dr. G. L. Jain aus Udaipur. Er brachte uns das Wunder der Natur nahe, das als Körper des Menschen bekannt ist. Von den Grundlagen der Zellen bis zu den kooperierenden Systemen (z.B. Atmung, Blutkreislauf, Nervensystem, Verdauung) fassten seine Präsentationen das Wesentliche zusammen und vermittelten einen Überblick der Abläufe. Durch regelmäßiges Meditieren kann man allmählich diese subtilen Prozesse wahrnehmen, die sich üblicherweise ohne unsere Beachtung ereignen.
Während des Camps verliefen fast alle Tage in dieser gleichen Abfolge, mit Ausnahme des ersten, letzten und des 15. Oktober, dem Geburtstag des indischen Präsidenten Dr. Abdul Kamal.
Der Präsident Indiens verbrachte einige Stunden an seinem Geburtstag mit Seiner Heiligkeit Acharya Mahapragya. Die ‚Erklärung von Surat’(Declaration of Surat) wurde ihm dort übergeben, deren fünf Schlüsselelemente von allen anwesenden religiösen Führern unterschrieben worden waren. Als Wissenschaftler und Politiker einerseits und Religionsführer andererseits hatten der Premierminister und der Acharya den Vorsitz über diese in Surat stattfindende Konferenz von dreizehn religiösen Oberhäuptern und Gelehrten, die das sogenannte ‚Garland Projekt’ für die ‚Einheit im Geist’ der ‚aufgeklärten Bürger’ Indiens verwirklichen wollten.
Die Delegierten des internationalen Preksha Meditationscamps nahmen zusammen mit Tausenden herbeigeströmter Pilger an der feierlichen Übergabe teil.
Am letzten Tag war das Camp nach dem Mittagessen beendet.
Der nächste Aspekt in Professor Muni Mahendra Kumars Vorträgen war die ‚Innere Reise’, die zweite Phase der Preksha Meditation.
Die Methode der ‚inneren Reise’ ist einfach zu erlernen. Die Aufmerksamkeit wird zuerst in einer die Wirbelsäule hinunter verlaufenden Bewegung auf das Zentrum der Energie im Steißbein konzentriert. Als nächstes bewegt sich der Geist entlang der Wirbelsäule aufwärts zum Zentrum der Weisheit, dem höchsten Punkt des Schädels. Diese Bewegungen werden mit dem Atem synchronisiert; beim Einatmen fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf das Zentrum der Energie, beim Ausatmen auf das Zentrum der Weisheit. Nach einiger Zeit können wir tatsächlich das Pulsieren der Lebensenergie in den beiden Zentren und die subtilen Vibrationen in den Nervenbahnen der Wirbelsäule wahrnehmen.
Die Konzentrationsfähigkeit wird durch diese Phase der Preksha Meditation erhöht, die aufwärts gerichteten Ströme der Lebensenergie erfahren eine Verstärkung. Daraus erwächst eine Offenheit des Geistes, die sich nicht mehr an den Polen ‚Zuneigung - gefällt mir’ oder ‚Abneigung – mag ich nicht’ orientiert. Diese ausgeglichene Haltung vermindert karmische Bindungen und verändert unsere Einstellungen, so dass Hindernisse auf dem Weg zum spirituellen Fortschritt überwunden werden können. Unsere Reaktionen in Form von negativen Affekten und Impulsen werden in bewusstes Handeln transformiert.
Die dritte Phase der Preksha Meditation war der nächste Aspekt, den Professor Muni Mahendra Kumar in das Zentrum unserer Aufmerksamkeit rückte. Es ist die Wahrnehmung des Körpers oder der psychischen Zentren oder der psychischen Farben, gefolgt von Anupreksha.
Die Wahrnehmung des Körpers konzentriert unsere Aufmerksamkeit auf verschiedene Körperregionen von den Zehen aufwärts. Mit dem Körper zusammen nehmen wir die Seele wahr, denn der Körper ist eine der sieben Ebenen, auf denen die Seele wahrgenommen werden kann. In der Konzentration auf den Körper bemerken wir auch die für alle Aktivitäten notwendige Lebensenergie. In dieser Phase geht es darum, alle Vorgänge ohne Zuneigung oder Abneigung einfach nur zur Kenntnis zu nehmen. Mit wachsender Konzentration bemerken wir auch die subtilen Vibrationen, welche der kontinuierliche Fluss des Prana erzeugt.
Fünf verschiedene Arten von Prana wirken auf fünf verschiedene Regionen unseres Körpers ein:
Rectum
-
Steißbein
Nabel
-
Magen
Herz
-
Kopf
Nase
-
Gesicht
Haut
-
Körper
Ein ausgeglichenes Wohlgefühl entsteht, wenn alle harmonisch zusammenarbeiten. Dieser Prozess wird durch die Wahrnehmung des Körpers unterstützt. Die verschiedenen Systeme im Körper wie Knochen, Muskeln, Verdauung, Blutkreislauf, Atmung, das endokrine und reproduktive System sowie Ausscheidungs- und Nervensystem optimieren sich und koordinieren ihre Funktionen.
Nicht nur die subtilen Schwingungen des Prana können wahrgenommen werden, sondern auch die feinsten Schwingungen der Organe bei ihrer Arbeit. Diese Fähigkeit zur Wahrnehmung der subtilsten inneren Prozesse ist anfangs noch nicht sehr ausgeprägt, entwickelt sich aber mit fortdauernder Meditationspraxis.
Die Wahrnehmung des Körpers unterstützt die Wahrnehmung von Körper und Seele als separaten Einheiten. Dies befreit die Seele von ihren karmischen Bindungen. Wenn wir uns auf bestimmte Stellen des Körpers konzentrieren, fühlen wir Qualen und Schmerzen. In dieser Situation ist es sehr wichtig, auf die Empfindungen des Körpers nicht zu reagieren. Bleibt die Reaktion aus, sind wir nicht mit dem Erleben der Körperempfindungen beschäftigt. Geist und Seele sind frei von ihren karmischen Bindungen und nehmen Gleichmut als die ursprüngliche Natur des Selbst wahr.
Über den grobstofflichen Körper können wir den feinstofflichen bio-elektrischen Körper erreichen und über diesen den subtilen karmischen Körper. Es ist sehr schwierig, mit diesen sehr feinstofflichen Körpern zu kommunizieren, aber mit steigender Konzentration möglich.
Der Karmakörper verwehrt uns die Erkenntnis der Wahrheit und verhindert spirituellen Fortschritt. Seine Transformation und Auflösung sind für die Befreiung der Seele unerlässlich. Die Aufgabe des Karmakörpers ist es, die Seele daran zu hindern, ihre wahre Natur zu erkennen und die falsche Annahme ‚Ich bin der Körper’ aufrecht zu erhalten und sie somit tiefer und tiefer in das Karma der materiellen Welt einzubinden. Wenn wir uns am Ende der Meditationssitzung mit den Worten ‚Vande Sachcham’ (Prakrit: Ich verbeuge mich vor der Wahrheit’) verneigen, drücken wir damit die Tatsache aus ‚Ich bin die Seele, ich bin nicht der Körper’.
Die Wahrnehmung der psychischen Zentren konzentriert den Geist auf die psychische Ebene. Fokussieren der Aufmerksamkeit auf die Psyche befreit die Seele von Anhaftungen. Die psychischen Zentren bestehen aus subatomaren psychischen Partikeln, die mit dem endokrinen System in Verbindung stehen. Das endokrine System beeinflusst über Hormone, Schilddrüse, Zirbeldrüse und Hirnanhangdrüse alle unsere Handlungen und Reaktionen. Es beherrscht nicht nur die animalischen Impulse und Affekte des Menschen, sondern produziert andererseits die Hormone, die uns in die Lage versetzen, sie zu transformieren.
Das Wahrnehmen der subtilen Vibrationen der Energie in den psychischen Zentren leitet dauerhafte Veränderungen ein, denn durch sie erreichen und beeinflussen wir unser Unterbewusstsein. Intellektuelle Entschlossenheit allein befähigt uns weder dazu, diejenigen zu sein, die wir sein möchten und sollten, noch nimmt sie Einfluss auf die von den endokrinen Hormonen generierten emotionalen Impulse. Der Eingang zum emotionalen System liegt im limbischen System. Es ist mit unserem Stammhirn verbunden, zu dem das Bewusstsein keinen Zugang hat. Die Handhabung der psychischen Zentren hilft uns bei der Umsetzung unserer spirituellen Ziele in Handlung.
In dieser Phase werden die negativen Impulse beeinflusst, indem der Strom der aufwärts gerichteten Energieströme verstärkt wird. Es gibt viele psychische Zentren im Körper, für die Preksha Meditation sind dreizehn von Bedeutung. Die folgende Übersicht zeigt ihre Lage im Körper und ihre Beziehung zum endokrinen System:
Zentrum der Energie
Ende der Wirbelsäule
Keimdrüsen
Zentrum der Gesundheit
Handbreit über dem Steißbein
Keimdrüsen
Zentrum der BioElektrizität
Nabelhöhe
Nebennieren
Zentrum der Seligkeit
Nahe dem Herzen
Thymus
Zentrum der Reinheit
Kehle
Schilddrüse
Zentrum der Enthaltsamkeit
Zungenspitze
Geschmackssinn
Zentrum der Lebensenergie
Nasenspitze
Geruchssinn
Zentrum des Sehens
Augen
Sehsinn
Zentrum der Wachsamkeit
Ohren
Hörsinn
Zentrum der Intuition
Mitte der Augenbrauen
Hirnanhangdrüse
Zentrum der Erleuchtung
Mitte der Stirn
Zirbeldrüse
Zentrum des Friedens
Ende der Stirn, Haaransatz
Hypothalamus
Zentrum der Weisheit
Höchster Schädelpunkt
Cerebraler Kortex
Es ist sehr wichtig, sich in aufsteigender Reihenfolge auf die psychischen Zentren zu konzentrieren, das Betonen der vitalen Energien in absteigender Reihenfolge könnte erhöhte Nervosität und Reizbarkeit zur Folge haben.
Bei der Wahrnehmung der psychischen Farben ist das Bewusstsein auf die subtilste psychische Ebene konzentriert. Körper, Psyche und Selbst oder Seele sind von unterschiedlicher Subtilität, das subtilste ist am schwersten wahrzunehmen und erfordert fortgeschrittene Verfeinerung der Wahrnehmung. Der grobstoffliche Körper besteht aus physikalischer Materie, die Psyche aus subatomaren psychischen Partikeln und das Selbst oder die Seele aus reiner Bewusstseinsenergie. So wie die Psyche über das endokrine System mit dem Körper kommuniziert, produziert die Kommunikation zwischen dem Selbst und der Psyche die psychischen Farben.
Die psychischen Farben unterscheiden sich von den physikalischen. Die physikalischen Farben sind sichtbare elektromagnetische Vibrationen außerhalb des Körpers, während die psychischen Farben unsichtbare winzigste Farbpartikel / Wellen sind, die von den subtilsten Schwingungen im Körper generiert werden. Sie stimulieren das Aufsteigen der Emotionen beziehungsweise beeinflussen ihren Strom.
Die Strahlen der psychischen Farben können auch außen gesehen werden und werden als Aura bezeichnet. Gemäß unseren Emotionen ist die Aura heller oder dunkler.
Für die Methode der Anupreksha sollte die Konzentrationsfähigkeit bereits voll entwickelt sein. Anders als in der Preksha Meditation wird der Geist hier auf ein bestimmtes Thema konzentriert.
Häufig geschieht es, dass wir mit unseren Gefühlen kämpfen, obwohl wir mit den Tatsachen des Lebens vertraut sind. Wir wissen, dass jeder von uns sterblich ist, dennoch trauern wir tief und lange nach dem Verlust einer geliebten Person. Manchmal scheinen wir über solche Verluste nie hinwegzukommen. Die Anupreksha ‚Ich bin allein’ beispielsweise befasst sich mit der Tatsache, dass jeder allein auf diese Welt kommt und sie auch allein wieder verlässt, alle familiären und freundschaftlichen Bindungen sind zeitlich begrenzt.
Anupreksha kann auch als Suchttherapie angewandt werden, sollte aber täglich nicht weniger als dreißig Minuten und mindestens drei Monate lang praktiziert werden. Die Methode ist einfach, aber wirkungsvoll: Der angestrebte Wert wird visualisiert, in Worte gefasst und in sechs verschiedenen, aber sehr ähnlichen Variationen formuliert. Für die Realisation muss er neunmal laut und im Geiste gesprochen werden. Das Unterbewusstsein wird durch die Anwendung von Autosuggestion erreicht.
In der spirituellen Tradition heißt diese Methode Bhawana. Sie lenkt unsere Instinkte und Impulse auf ein formuliertes Ziel, das durch ständige Wiederholung verinnerlicht und übernommen wird.
Die Aktivitäten waren vorzüglich organisiert, so wurde der Morgen mit einer Anupreksha-Sitzung unter der Leitung von Samani Shardapragya fortgeführt. Der durch die Vorträge geöffnete Geist wurde nun durch die Kontemplation der Duldsamkeit oder der Furchtlosigkeit oder der Freundschaft mit der Veränderung mentaler Einstellungen beschäftigt.
Zweifelsohne trugen diese Kontemplationen zusammen mit den von Muni Kishan Lal geleiteten Kayotsarg-Sitzungen zu dem Gefühl bei, dass wir alle der großen Preksha Familie angehören, ohne dabei die Tatsache zu ignorieren, dass wir alle individuelle Persönlichkeiten mit individuellen Erfahrungen sind. Wir erlebten täglich die Einheit in der Vielfalt.
Während einer Sitzung mit Muni Kishan Lal wurden wir dazu ermutigt, an unserer eigenen Trauerfeier teilzunehmen. Während einer anderen konnten wir unseren Körper verlassen.
Im Nachhinein habe ich mich entschieden, hier einen Eindruck meiner eigenen Erfahrung zu vermitteln:
Sehr entspannt lauschte ich den Worten des Muni. Er rezitierte einige Mantras, und als nächstes erinnere ich mich an einen Eindruck, der von etwas ausging, das hinter meiner rechten Schulter lag. Als ich mich umdrehte, sah ich die Erde immer kleiner werden. Mir wurde klar, dass ich gerade mit hoher Geschwindigkeit wegflog. Ich war hochzufrieden mit dieser Art Reise, hatte ich mir doch schon seit langem gewünscht, sie unternehmen zu können.
Vor mir erblickte ich den Mond. Ich war mir der Tatsache immer noch bewusst, dass mein Körper in der Meditationshalle lag. Dann fielen mir blitzartig alle Beschreibungen von Reisen zu anderen Welten ein, die ich in den Büchern von Hermann Hesse, Rudolf Steiner und Franz Werfel gelesen hatte. Das brachte mir meinen Astralkörper zu Bewußtsein. Ich fühlte, dass ich mich in ihm befand und riskierte einen Blick auf die Silberschnur, die ihn mit der Erde verbindet. Während ich über den Mond flog, wurde mir klar, dass dies meine erste Reise im Astralkörper war. Der Gedanke an eine Passage in Hesses ‚Glasperlenspiel’, in der es heißt, dass die Silberschnur des Astralkörpers nicht weiter als hinter den Mond reicht, löste ein wenig Unruhe in mir aus. Doch die Stimme des Munis beruhigte mich, dennoch zog ich es vor umzukehren. Die richtige Entscheidung, denn die Sitzung war zu Ende.
Die spirituellen Vorträge Acharya Mahaprajnas am Nachmittag inspirierten zu einem tieferen Verständnis der Realität. Hier wird auf eine Auswahl von dreien näher eingegangen. Einer trug die Überschrift ‚Schutz suchen’:
Häufig im Leben entwickeln wir Konzepte und streben nach dem Ultimativen. Sind wir in Schwierigkeiten, erwarten wir Hilfe von anderen, Freunden oder Verwandten. Im täglichen Leben wird sie uns auch oft gewährt, doch ist das auf Dauer keine Lösung der eigenen Probleme. Dazu gelangt man nur durch Entschlossenheit, sie ist ein Tor zur inneren Kraft. Durch Preksha Meditation können wir in uns die Harmonie herstellen, die wir zur Entwicklung und zum Einsatz unserer inneren Kräfte benötigen.
Jeder von uns verfügt über positive und negative Tendenzen. Wir sollten beide wahrnehmen und ausbalancieren. Über die Wahrnehmung des Atems gehen wir einen Schritt auf diesem Weg.
Einatmen über die linke Nasenhöhle wirkt kühlend auf das Körpersystem und aktiviert die rechte Hirnhälfte. Das parasympathische Nervensystem ist mit der linken Nasenhöhle verbunden, seine Aktivierung betont Minderwertigkeitsgefühle. Atmen wir über die rechte Nasenhöhle ein, wird das Körpersystem erwärmt und die linke Hirnhälfte aktiviert. Das sympathische Nervensystem ist mit dem rechten Nasenloch verbunden, seine Aktivierung betont Überlegenheitsgefühle. Harmonisiert werden beide durch Abwechseln der Seiten und die Wechselatmung. Tagsüber wird mit der linken Nasenhöhle begonnen, abends mit der rechten.
Um die Wahrheit erfassen zu können, müssen wir die Tatsache anerkennen, dass wir in zwei Welten leben. In der Welt des Körpers und in der Welt der Seele oder des Bewusstseins. Es gibt keinen Schutz in der Außenwelt, der einzige Schutz im Leben besteht aus dem ausgeglichenen Selbst.
Ein anderer Vortrag behandelte das Thema ‚Individuum und Gesellschaft’:
Es ist schwierig, die Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft zu beschreiben. Die Sozialwissenschaften haben sich seit langem damit befasst. Allerdings bekamen sie Probleme damit, das Individuum zu definieren, denn sie haben die unterschiedlichen Konzepte des Selbst und des Ego nicht berücksichtigt. Das Ego kann das Individuum definieren, aber das Individuum nicht das Selbst. In der spirituellen Wissenschaft betrachten wir das Selbst als Quelle des Individuums.
In den Sozialwissenschaften sind zwei Fragen von Bedeutung: Worauf bezieht sich das Individuum und wie beziehen sich die anderen auf das Individuum.
Jemand, der in der Meditation stundenlang Kontakt zu seinem Selbst aufnimmt, wird von manchen vielleicht für verrückt erklärt. Das zeigt, dass andere nicht dazu in der Lage sind, das eigene Selbst zu evaluieren. Emotionen und Geist gehören zum Individuum. Nur durch Meditation kann das individuelle Bewusstsein entwickelt werden. Freude und Schmerz sind ebenfalls individuell. Andere können beobachten, ob man sich freut oder leidet, aber sie können die Empfindungen nicht teilen.
Das Individuum kann nicht nur als Teil der sozialen Maschinerie gesehen werden, es sollte auch als unabhängiges, die Gesellschaft konstituierendes und beeinflussendes Wesen erachtet werden. Jeder Einzelne kann das soziale Niveau anheben und die soziale Kultur gestalten. Die Meditation unterstützt das Individuum in seiner Verfeinerung, man sieht nur das Selbst und nicht die anderen. Im sozialen Leben ist es von ebenso großer Bedeutung, die anderen zu sehen.
Das Individuum kommuniziert über die Sinnesorgane und Sinneswahrnehmungen mit der Gesellschaft. Möchte man sich selbst erkennen können, besteht der erste Schritt in der Kontrolle der Sinnesorgane. Das Selbst kann nur mit dem Selbst wahrgenommen werden und nicht mit den Sinnesorganen. In der Meditation schließen wir sanft die Augen und filtern alle Sinneswahrnehmungen. Sind die Sinnesorgane aktiv, sind wir soziale Personen, kontrollieren wir sie, sind wir spirituelle Personen.
Wenn wir soziale Personen sind, warum meditieren wir? Jeder kann die Antwort auf diese Frage in seinen eigenen Erfahrungen finden, wie der folgende Vorfall zeigt:
Der Präsident einer großen Firma hatte keine Zeit für menschliche Begegnungen. Als er im Ruhestand war, hatte er viel Zeit, nur kam ihn niemand mehr besuchen.
Derartige Erfahrungen machen viele Menschen traurig und unglücklich. Wer die ultimative Wahrheit kennt, ist nicht mehr traurig. Er schließt die Augen und weiß, dass jedes Individuum allein ist. Gefühle des Unglücklichseins werden auf der Grundlage sozialer Beziehungen ausgelöst. Wer zwischen der ultimativen Realität des Individuums und der relativen der Gesellschaft unterscheiden kann, ist nicht länger unglücklich. In sozialen Beziehungen ist alles möglich, und alles kann geschehen. Deshalb müssen wir sorgfältig zwischen der konzeptionellen Wahrheit der Welt und der ultimativen Wahrheit des Individuums differenzieren.
Ein anderer spiritueller Vortrag handelte von der Freundschaft im spirituellen Leben:
Im sozialen Leben halten wir den für einen Freund, der uns bei der Erreichung unserer egoistischen Ziele unterstützt und denjenigen für einen Feind, der das nicht tut. Ein Feind, der uns unterstützt, wird zum Freund. Ein Freund, der das nicht tut, zum Feind. Im spirituellen Leben haben wir weder Freunde noch Feinde. Freundschaft im spirituellen Leben ist weit von Egoismus entfernt, denn wir empfinden Freundschaft für alle Lebewesen.
Im sozialen Leben sind fünfzig von hundert Menschen unsere Freunde und die anderen fünfzig unsere Feinde. Im spirituellen Leben sind neunundneunzig von hundert Lebewesen unsere Freunde und in Bezug auf das verbleibende Wesen mangelt es uns an spiritueller Praxis, niemand ist unser Feind.
Der Aspekt der Freundschaft bedeutet im sozialen Leben, gut zu anderen zu sein. Im spirituellen Leben ändert sich die Bedeutung von Freundschaft, freundschaftliche Gefühle tragen zu unserem eigenen Wohlbefinden bei. Gefühle der Feindschaft schaden uns, wer schlecht über eine andere Person spricht, verletzt und schadet sich selbst, nicht die andere Person.
Dennoch ist es sehr schwer zu verstehen, dass man in der Lage ist, sich selbst zu schaden. Spirituelle Freundschaft ist keine Zusammenkunft mit anderen, sondern eine Absicherung der eigenen Seele. Es ist das edle Konzept, sich nicht selbst zu schaden. Wir schaden uns, wenn wir reagieren und andere als Auslöser dafür verantwortlich machen, anstatt selbständig zu handeln. In der Preksha Meditation gehen wir nach innen und lernen, wie man anstelle von Reaktionen zu Handlungen gelangt.
Hirnforscher haben herausgefunden, dass äußere Einflüsse keinen direkten, sondern einen indirekten Einfluss auf unser Verhalten ausüben. Sie erreichen uns über den Hypothalamus, der unverzüglich auf sie reagiert. Um unser Leben zu ändern, müssen wir schneller werden als unsere reaktiven Impulse und unser Gehirn mit dem Bewusstsein kontrollieren. Meditation über die psychischen Zentren ist eine leicht erlernbare Methode, wie wir anstelle von automatischen Reaktionen bewusste Handlungen ausführen können.
Yuvacharya Mahashraman hielt einen spirituellen Vortrag mit dem Thema ‚Spirituelle Ziele’:
Das höchste spirituelle Ziel ist es, Weisheit zu entwickeln. Damit wir unsere spirituellen Ziele erreichen können, müssen wir frei von Anhaftung, Zorn und Furcht werden.
Im sozialen Leben hängen wir an vielen Objekten und fühlen uns von Geld und Gut angezogen. Brennt unser Haus, regen wir uns sehr auf und sind traurig, brennt das des Nachbarn, nehmen wir das gleichmütiger hin. Anhaftung kann im sozialen Leben nicht vermieden, sollte aber beherrscht werden.
Jeder weiß, wie schädlich es ist, sich zu ärgern. Wenn sich Hindernisse der Erfüllung unserer Wünsche in den Weg zu stellen scheinen, steigt Ärger in uns auf. Wir sollten diese Schwäche mit aller Kraft überwinden. In den Schriften wird Friedfertigkeit als Mittel dagegen empfohlen. Die Kontemplation einer friedfertigen Person hilft uns dabei, selbst Friedfertigkeit zu entwickeln. In der Preksha Meditation streben wir die Transformation des Ärgers an. Ärger entsteht, wenn wir alles direkt nehmen. Wir sollten uns angewöhnen, das die Situation beherrschende übergeordnete Prinzip herauszufinden. Von dieser Ebene aus sollten wir die aktuelle Situation betrachten und uns selbst darin wahrnehmen.
Furchtlose sterben nur einmal, Furchtsame in jedem Moment. Nur furchtlose Menschen können Gewaltlosigkeit (Ahimsa) und Aufrichtigkeit praktizieren. Furcht gründet sich auf Angst vor Strafe. Viele Situationen im Leben können uns Furcht einflößen. Wir sollten sie nicht vermeiden, sondern uns ihnen aussetzen, damit wir uns an die Tatsache gewöhnen, dass die Furcht zum Leben gehört. Die Anupreksha der Furchtlosigkeit hilft uns, diese zu entwickeln, auch die Rezitation von Mantras hilft bei ihrer Überwindung.
Diese Auswahl von Referaten, Meditationssitzungen und spirituellen Vorträgen ist ein Resümee über den Ablauf des II. Internationalen Preksha Meditationscamps. Neun außergewöhnliche Tage lang waren alle Teilnehmer damit beschäftigt, das komplexe Wissen in ihr Leben zu integrieren. Es war eine Zusammenkunft von Menschen, die sich um Läuterung bemühen, um ihrem Leben einen Sinn zu geben. Ich war sehr froh, ihnen begegnet zu sein.
Am Ende des Camps fühlte sich jeder als Mitglied der großen, über die ganze Welt verstreuten Preksha Familie. Die Entfernung zwischen uns bestand nur aus Kilometern.
Das Organisationskomitee in Surat bestand aus Ehrenamtlichen und hat ganze Arbeit geleistet. Die Alltagspflichten ruhten oder wurden delegiert, damit alle Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Camp geregelt werden konnten. Management, Unterkunft, Verpflegung und Transport waren einfach perfekt, alles wurde mit einem Lächeln und herzlicher Freundlichkeit ausgeführt. Das Gefühl, als Individuum einer an inneren Werten orientierten Gemeinschaft anzugehören, verbindet uns miteinander und wirkt noch lange nach.
Hier wurden Menschen, egal woher sie kamen, als Freunde willkommen geheißen.
Alle Teilnehmer genossen die legendäre Gastfreundschaft und die unvergessliche Erfahrung des Wunders, ‚das Indien ist’. Dankeschön.
Carla Geerdes wurde schon als begeisterte Lehrerin geboren, erwarb nach Durchlaufen von Schule und Universität in jungen Jahren die staatliche Lizenz und übte ihren Beruf 20 Jahre lang engagiert und erfolgreich an einer Berliner Grundschule aus. Als stellvertretende Schulleiterin an die Grenzen des Systems gelangt, fand ihr Schuldienst ein entschiedenes Ende. Neuorientierung und Selbstfindung folgten und damit auch die umfassende Suche nach entsprechendem Ausdruck auf dem Weg der Notwendigkeiten. In der Folge gründete sie zusammen mit ihrem Ehemann Christian, einem Pionier in permanenter Wandlung und Entwicklung, das Onlinemagazin 'HereNow4U' als Ausdruck gemeinsamen Findens. Ihrer inneren Einstellung und Lebensführung entsprechend, haben beide den Weg zum Jainismus gefunden.