Bis vor drei Wochen dachten wir, die einzigen westlichen Jains in Berlin zu sein. Aber dann gab es ein technisches Problem mit einem Laptop, der zur Reparatur gebracht werden musste. Da es immer wieder heftig regnete an diesem Tag, fanden wir es besser, für den Transport die Laptop-Tasche zu nehmen. Was aber fand sich darin? Ein Büchlein, dort sechs Monate lang sorgfältig aufbewahrt, aber in Vergessenheit geraten! Beim Durchblättern zog die Adresse einer bis dahin noch Unbekannten in Berlin die Aufmerksamkeit auf sich.
Shree Chitrabhanu hatte sie Herausgeberin Karuna Jain gegeben, als sie sich anlässlich der Eröffnung des Jain Tempels (Pratishta Mahotsav, Link zum englischen Glossar) in Herts nördlich von London trafen. Es war die Adresse von Chitrabhanus Schülerin Trupti Traudel Pandya, die wie wir Jain ist.
Am ersten Tag der Eröffnungsfeierlichkeiten, als Herausgeberin Karuna Jain zusammen mit den Samanis von Jain Vishva Bharati London in Herts war, begegnete sie auch Shree Chitrabhanu zum erstenmal. Er lief mit den Samanis in einer Reihe, als Karuna zu ihnen stieß. Sie war etwas zurückgeblieben, weil sie noch fotografiert und Bekannte getroffen hatte, als sie sich in den Zug zur Öffnung der blumengeschmückten Säulen an der Ostseite des Tempels einreihte. Der Weg zu den Säulen war nicht weit, aber bedeutungsvoll.
Von links nach rechts: Samanis Pratibha & Punya Pragya und Shree Chitrabhanu
Chitrabhanu begrüßte Karuna sehr freundlich, und es kam sofort ein lebhaftes Gespräch in Gang, ohne dass Karuna wusste, dass Chitrabhanu von der Londoner Oshwal Gesellschaft (Link ins englische Glossar) eingeladen worden war, die spirituellen Zeremonien zur Tempeleröffnung im Geiste Mahaviras vorzunehmen. Die Samanis waren zu weit entfernt, um sie einander vorzustellen, zudem war ein Rollstuhlfahrer war an ihrer Seite.
Shree Chitrabhanu und Herausgeberin Karuna Jain
Also unterhielten sich Chitrabhanu und Karuna über Meditation und Riten, wobei Chitrabhanu die Auffassung vertrat, dass Meditation von allen Möglichkeiten, sich der Realität des inneren Selbst zu nähern, die erfolgversprechendste sei. Karuna als jemand, der regelmäßig Preksha Meditation praktiziert, fand ihre Erfahrung bestätigt. Zudem könnten alle durch Meditation am leichtesten den Kontakt zu ihrem inneren Selbst aufnehmen und die von Mahavira verkündete Wahrheit in sich finden, fuhr Chitrabhanu fort, besonders für ausschließlich nach außen orientierte Menschen aus dem Westen sei dieser Weg als Brücke zwischen der inneren und äußeren Realität gangbar, ohne dass sie sich unterwegs wieder verlören.
Shree Chitrabhanu beim Öffnen des blumengeschmückten Durchgangs an der Ostseite des Tempels
Nachdem Chitrabhanu erfahren hatte, dass Karuna und ihr Ehemann dem Jain Dharma folgen, wollte er wissen, wie viele Mitglieder die Berliner Jainagemeinde habe. Da es in dem Sinne keine Berliner Jainagemeinde gibt, antwortete sie, dass sie sich der JVB London Familie zugehörig fühle, von der sie immer sehr herzlich aufgenommen wurde. Die Samanis hatten sie sogar eingeladen, unter einem Dach mit ihnen zu wohnen. Chitrabhanu meinte, dass es sicherlich eine Bereicherung sei, wenn wir in Berlin Mahavir Jayanti feiern könnten und gab Karuna die Adresse von Trupti Traudel, die sie besonders achtsam in der Tasche ihres Laptops verwahrte, und so kam es, dass die Adresse in einer Seitentasche dem Blick so lange verborgen geblieben war...
Shree Chitrabhanu und Samanis Pratibha & Punya Pragya
Die Fortsetzung der Geschichte ist in HereNow4U veröffentlicht. Wie das? Zwischen uns herrschte sofort ein so gutes Einverständnis und gute Kommunikation, dass Trupti Traudel uns ihre Übersetzung von Chitrabhanus ‚The Philosophy Of Matter And Soul' (Die Philosophie von der Seele und der Materie) zur Veröffentlichung in HereNow4U gab. HereNow4U präsentiert hiermit die erste Übersetzung eines Buches von Chitrabhanu ins Deutsche. Jai Jinendra!
Shree Chitrabhanu vor den Eingangstüren des Tempels