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Jainismus

Jainismus

GEWALTLOSIGKEIT
das Grundgesetz im Jainismus


 

5.2 Strukturveränderung durch Migration

Gabriele Rosalie Helmer

19.01.2011

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5.2 Strukturveränderung durch Migration

Eine weitere Besonderheit, die sich im Laufe der Forschung herauskristallisierte, betrifft im Grunde alle Jaina-Diasporas und wurde bisher in akademischen Kreisen nicht thematisiert. Im fremdkulturellen Umfeld kommt es zu einer Strukturveränderung der Jaina-Gemeinschaft (Sangha). Wie bereits in Kapitel zwei unter Punkt 2.2.10 erwähnt, besteht eine Sangha der Jaina aus vier Grundelementen: den Laien (Männer und Frauen) und den Ordinierten (Mönche und Nonnen).238 Wie in keiner anderen Religion haben Laien und Ordinierte eine antagonistische Funktion. Das Gelübde der Asketen 239, die Gewaltlosigkeit, verlangt neben einer vegetarischen Diät minimalen Besitz und auch die Heimatlosigkeit. Sie befinden sich deshalb, die Regenzeit ausgenommen, auf Wanderschaft. Unterkunft und Verpflegung kommen von der Laien-Gemeinschaft.240 Im Gegenzug symbolisieren die Asketen das höchste Ideal im Jainismus. Sie haben die Funktion der Lehrer für die Laien-Gemeinschaft. Von dieser wechselseitigen Beziehung lebt eine Jaina-Gemeinschaft.

Ein weiteres spezifisches Merkmal des Jainismus liegt darin, dass die Nonnen, verglichen mit anderen südasiatischen Traditionen wie dem Buddhismus und Hinduismus, überwiegen und schon immer in der Mehrzahl waren.241 Andrea Luithle beschreibt die weibliche Religiosität in Indien am Beispiel der Jaina-Asketinnen. Der Jainismus ist die einzige Religion in Südasien, die eine institutionalisierte weibliche Askese hervorgebracht hat, in der die Asketinnen keineswegs eine Randerscheinung darstellen, sondern vielmehr gegenüber den männlichen Asketen die Mehrheit bilden.242 Eine wechselseitige Beziehung von Laien und Asketen ist bisher in keiner Jaina-Diaspora möglich, da sich außerhalb Indiens noch keine Jaina-Asketen-Kultur entwickelt hat.


238

Shanta, N., 1997.

239

Mit Asketen bezeichne ich Nonnen und Mönche.

240

Vgl. Luithle, Andrea, 2000, 47–49; Shanta, N., 1997: 529–539.

241

Vallely, Anne, 2002; Dundas, Paul, ²2002; Luithle, Andrea, 2000.

242

Vgl. Luithle, Andrea, 2000.

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