Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur - 12
25.02.2007
Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur
Das Sanktuarium
Der Weg des Touristen endet an dieser Stelle, aber er kann von hier aus durch das gudha-mandapa hindurch auf das Allerheiligste und die helle Statue des ersten. Tirthankaras schauen. Der Eingang zur Cella wird durch zwei stehende Parshva-Statuen und Reliefs von Mönchen und Nonnen flankiert. Das Bildnis des Adinatha oder Rishabhanatha wirkt bewusst unmenschlich; Tirthankaras werden gern in Alabaster geformt oder zumindest in hellem Stein, um die Geistigkeit eines Körpers anzudeuten, der von allen irdischen Schlacken gereinigt wurde und nicht mehr von dieser Welt ist. Die Augen starren in eine jenseitige, transzendente Sphäre. Selbst der Duft und der Atem weisen keine Ähnlichkeit zum Menschen mehr auf.
Damit wird das garbha-griha zum Paradies , zum steingewordenen Predigtort auf Erden. Im Gegensatz zum Hindu-Tempel, der als Heimstatt des Gottes angesehen wird, kann der Gläubige zwar den Tirthankara nicht mehr anrufen, aber er kann in ihm das erblicken, was er selbst werden möchte; durch die Verehrung des Erlösten wird auch seine Seele etwas mehr von der Schwere der Materie befreit.
Der Umgang
Auf einer erhöhten Plattform sind 52 devakulikas (Nebenschreine) um den Kernbau herum angeordnet, jede mit der Statue eines Furtbereiters, teilweise aus sehr viel späterer Zeit. Diese Heilige Zahl symbolisiert bei den Jainas die vier ewigen Tirthankaras, dazu die 24 des vergangenen und des gegenwärtigen Zeitalters. Außerdem hat man einige vergrößerte Zellen im Südwesten angefügt. Eine von ihnen (Nr. 7 im Plan) enthält die riesige schwarze Skulptur eines Adinatha, deren Auffindung letztendlich den Ausschlag gegeben hatte, Vimala Sah das Baugelände zu überlassen. Dem Stifter war seine Hausgöttin Ambika im Traum erschienen, um ihm den versteckten Ort der Statue anzuzeigen, deren Existenz das Vorhandensein eines uralten Jaina-Heiligtums am Ort beweisen sollte. Eine Statue dieser Göttin wird im Schrein daneben verehrt (Nr. 8 im Plan).
An drei Seiten sind den devakulikas je zwei Säulenhallen vorgelagert, lediglich im Westen hat man sich mit einer Kolonnade begnügt. Es würde zu weit führen, auch nur annähernd eine Beschreibung der unendlich vielen ornamentalen und figürlichen Verzierungen zu versuchen, die auch hier alle Architekturglieder überziehen. Aber auf einige untypische Deckenreliefs sei doch gesondert hingewiesen, vor allem in den Fällen, in denen sich die besondere Verknüpfung der Jainas mit populären Hindu-Gottheiten zeigen lässt.
Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur