Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur - 14
27.02.2007
Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur
Der Tejapala-oder Luna Vasahi-Tempel
Etwas oberhalb des Vimala Sah-Tempels gelegen, verdankt diese Anlage ihre Entstehung der Aktivität zweier Brüder, Tejapala und Vastupala, die als größte Bauherren überhaupt in die indische Architekturgeschichte eingegangen sind. Sie waren Minister des Königs Viradhavala und neben zahlreichen Stiftungen, die sich nicht erhalten haben, verdanken wir ihnen neben Abu bis heute den Neminatha-Tempel von Girnar.
Einer populären Jaina-Legende zufolge sollen die Brüder während einer Pilgerreise wegen der unsicheren Verhältnisse einen Teil ihres Geldes unter einem Baum versteckt haben. Als sie es später wieder ausgruben, fanden sie mehr Gold vor als ursprünglich vorhanden. Die Frau Tejapalas, Anupama Devi, kam ihnen in ihrer Ratlosigkeit zu Hilfe und schlug ihnen vor, das Ganze als Zeichen zu nehmen und von ihrem Reichtum Tempel in Shatrunjaya und Girnar zu erbauen. Später als Minister beschlossen sie im Gedenken an ihren verstorbenen Bruder Luniga, dem 22. Tirthankara Neminatha auch in Mount Abu ein Heiligtum zu weihen.
Der Luna Vasahi wurde 1231 durch den Architekten Sobhana errichtet, in einer Zeit, in der die Vaghela-Dynastie praktisch die Macht von den Solanki übernommen hatte; an diesem Prozess waren die Brüder offenbar massgeblich beteiligt, was ihren großen Einfluss und Reichtum erklären mag. Stilistisch jedoch schließt er sich eng an den Vimala Sah-Tempel an, was ihn zur letzten großen Solanki-Schöpfung werden lässt. Für den Transport der Steine ließ Tejapala eigens eine Strasse mit geringer Steigung anlegen, die wegen der muslimischen Bedrohung später wieder abgerissen wurde. Der logistische Aufwand muss ungeheuer gewesen sein; so ist überliefert, dass spezielle Rasthäuser nur zur Versorgung der Transportarbeiter und -tiere eingerichtet wurden.
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