Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur - 15
28.02.2007
Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur
Plan 4: Grundriß Tejpala-Tempel
Der 52 x 28,5 m messende Bau hält sich eng an sein Vorbild. Wenn auch genau umgekehrt, also nach Westen orientiert, so folgen die gleichen Bauteile aufeinander wie im Vimala Vasahi, so dass sich eine Beschreibung weitestgehend auf die Unterschiede beschränken kann; der T-förmige Tempel liegt in einem Hof, der von 52 devakulikas mit doppelter Kolonnade davor umgeben ist. Nur im Norden und Süden springt je eine Cella etwas aus dem geschlossenen Grundriss heraus. An der Rückseite gibt es hier keine Schreine, sondern eine geschlossene Halle mit frühen jalis (ornamental durchbrochene Mauern), die stark beschädigte Statuen der Stifterfamilien enthält.
Das Allerheiligste wird von einem so flachen phamsana (Pyramidendach) bedeckt, dass es die Anlage kaum überragt. Davor befinden sich das stützenfreie gudha-mandapa (Nr. 2 im Plan) und eine Säulenhalle (navchoki; Nr. 3 im Plan). Hierher muss man allerdings von der Tanzhalle aus über drei Stufen hochsteigen.
Die acht Säulen des ranga-mandapa werden durch geschwungene Bögen zu einem Oktogon aus toranas verbunden. Von ausgefeilter Präzision ist auch hier die Kuppel, deren Schlusstein proportional jetzt ein wesentlich größeres Gewicht als beim Vimala SahTempel zukommt. An den 16 Wissensgöttinnen lässt sich der Stilwechsel seit der Mitte des 12. Jahrhunderts gut ablesen: sie sind wesentlich schlanker geformt und wirken fast fleischlos ausgezehrt im Gegensatz zu den älteren Gegenstücken. Aber auch dies ist nicht überall so, wie ein Blick auf die vollbusige Göttin im Zwickel des ranga-mandapa (s.Foto S.38 unten) zeigt.
Von der skulpturalen Ausstattung sei nur ein Beispiel hervorgehoben: das Deckenrelief mit Szenen aus dem Leben Neminathas im nördlichen Umgang (s.Foto S.38 oben), das kleinteilig in einem Gewimmel von Figuren das Geschehen zeigt.
Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur