Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur - 18
03.03.2007
Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur
pyramideförmiges Dach (Phamsana) über dem westlichen Meghanada-Mandapa
Grundriß Adinatha-Tempel
Der Adinatha-Tempel ist als ein chatur-mukha-prasada konzipiert, d.h. das Kultbild schaut in alle vier Himmelsrichtungen. Das bedeutet, das sich die Cella (garbha-griha, Nr. 1 im Plan )nach vier Seiten öffnet. Von dieser Grundkonzeption aus erschließt sich der gesamte, fast quadratische Grundriss.
Umgeben wird das Allerheiligste von Hallen, die man als sabha-mandapas (Versammlungshallen) oder ranga-mandapas (Tanzhallen) ansprechen kann (Nr. 2 im Plan). Diejenige im Westen, in der Achse des Haupteinganges, wird durch ihre Größe deutlich hervorgehoben. Dadurch verschiebt sich die Cella ein wenig nach Osten, was den leicht vom idealen Quadrat abweichenden Grundriss erklärt. Dieser Kernbereich des Tempels in Form eines lateinischen Kreuzes wird von einem offenen rechteckigen Hof (Nr. 3 im Plan) umschlossen, der jedoch im Vergleich zu früheren Jaina-Tempeln sehr zurückgedrängt erscheint.
Blick auf den Shikhara des nordöstlichen Eckschreins
In den Achslinien vom Allerheiligsten zu den Versammlungshallen befinden sich weitere dreistöckige Hallen, die meghanada-mandapas (Nr. 4 im Plan); darauf folgen die balana-mandapas (Portalhallen, Nr. 5 im Plan), die Eingang zum Tempel gewähren.
Einerseits erschließt sich der Grundriss also vom Allerheiligsten aus in die vier Himmelsrichtungen durch die Abfolge der oben genannten Hallen. Andererseits bildet er Raumschichten aus, die sich um die quadratische Cella legen in Form ideal gemeinter Quadrate. So werden also das Allerheiligste und die sabha-mandapas vom Hof umschlossen, dieser wiederum von einer Raumeinheit, die aus drei Hallen auf jeder Seite besteht (die meghanada-mandapas, flankiert von zwei Hallen, Nr. 6 im Plan), während die Eckpunkte durch große Schreine (Nr. 7 im Plan) gebildet werden. Darum legt sich eine weitere Schale aus 80 devakulikas (untergeordneten Schreinen mit einer Säulenstellung davor. Unterbrochen werden sie von den Portalen, die auf der Nord- und Südseite von jeweils zwei sehr vergrößerten Schreinen (Nr. 8 im Plan) gerahmt werden.
Kuppel über dm Mandapa
Depaka ist es gelungen, beim Adinatha-Tempel die unterschiedlichsten Konzeptionen miteinander in Einklang zu bringen. So ist das Heiligtum zuallererst einmal ein Chatur-mukha-Tempel, bei dem der Tirthankara durch seine vierfache Präsenz die Himmelsrichtungen und damit den Kosmos beherrscht. Er konnte damit an das berühmte Vorbild des Königs Kumarapala, den Raj Vihara in Siddhapura, anschließen. Zugleich wird damit die Grundidee eines Jaina-Tempels verwirklicht, nach der er den samavasarana (die Rednerbühne eines Tirthankara) symbolisch darstellen
soll. Das die vier Himmelsrichtungen zusammen mit der Mitte die Heilige Zahl 5 für den Kosmos meinen, eine Zählweise, die überall in Asien gebräuchlich ist, versteht sich von selbst.
Shikharas über den Nebenschreinen (Devakulikas)
Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur