Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur - 02
15.02.2007
Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur
Dharma Vihara Tempel, Ranakpur
Westfassade des Adinatha geweihten, auch Dharna Vihara genannten Jain-Tempels von Ranakpur von 1439, mit der imposanten, zum Haupeingang führenden Treppenflucht und den sich über den zahlreichen Nebenschreinen (devakulikas) erhebenden Türmchen mit ihren Jain-typischen rotweißen Fahnen und Glöckchen.
Jainismus
Bei der Betrachtung des Jainismus faszinieren zunächst einmal zwei Faktoren: zum einen gehört er zur ältesten religiösen Schicht Indiens, deren Wurzeln mindestens bis zum Anfang des 1. Jahrtausends vor Christus zurückreichen, vielleicht noch darüber hinaus. Die Konkurrenzreligionen Hinduismus und Buddhismus haben sich im Laufe der Zeit viel stärker weiterentwickelt und teilweise bis zur Unkenntlichkeit verändert; der Jainismus dagegen präsentiert sich in den grundlegenden Aussagen seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert nahezu unverändert und stellt damit eine der ältesten noch existierenden Religionen der Menschheit dar. Im Jainismus kann man ältestes religiöses Empfinden der Inder besonders unmittelbar und ungefiltert wahrnehmen.
Zum anderen aber ist diese Religion, obgleich unter ähnlichen geographischen und zeitlichen Umständen gewachsen wie der Buddhismus, immer die Angelegenheit einer relativ kleinen Minderheit geblieben. Ihr elitärer Anspruch an den Einzelnen, ihre schwer zugänglichen Abstraktionen und ihr exklusives Beharren auf ihren Überlieferungen, das Veränderungen nahezu unmöglich machte, erschwerte den breiten Massen den Zugang; so blieb ihr die Ausweitung zur Volks- oder Weltreligion verwehrt. Im Gegensatz zu dieser verhältnismäßig kleinen Anhängerschaft steht die Vielzahl prächtigster Tempel und Kultstätten in großen Teilen des Landes, die nur aufgrund eines beträchtlichen Wohlstands und einer fast fanatischen Stiftungstätigkeit ermöglicht wurde.
Kichak Ranakpur, Deckenfigur in der westlichen Einganshalle,
symbolisiert die 5 Elemente:
Feuer - Erde - Wasser - Luft - Äther (Himmel)
Mahavira
Als Gründer des Jainismus gilt Mahavira (großer Held), der im 6.Jahrhundert vor unserer Zeit in Kundagrama, 40 km nördlich von Patna als Sohn des Siddharta und der Trishala geboren wurde. Seine Biographie entwickelt sich ähnlich der Buddhas als die typische Lebensbeschreibung eines “Retters der Welt”: dazu gehören die Träume der Mutter, in denen sich die Bestimmung des Sohnes bereits deutlich abzeichnet, dazu gehört, dass er als Sohn eines Königs und seiner Gemahlin zur Welt kommen muss, mithin sein späterer Weltverzicht auch entsprechend bemerkenswert erscheint. Die Eltern gaben dem Kind den Namen Vardhamana (Wachsen, Gedeihen), da sich der Wohlstand des Landes in der Zeit der Schwangerschaft beständig vermehrt hatte.
Die Legenden berichten, dass er sich bereits früh als höchst sensibel für das Leid in der Welt gezeigt hat. Schon als Embryo soll er sich im Mutterbauch nicht bewegt haben, um Trishala nicht zu verletzen. Später wuchs er zwar dem Rang der Eltern entsprechend auf, folgte aber wie sie dem Ideal der ahimsa (Gewaltlosigkeit), die ein Wanderasket namens Parshva (s.u.) 250 Jahre vorher verkündet hatte. Mahavira war ein tiefer Grübler, der ständig über den Sinn des Lebens nachsann und so konnten ihn auf Dauer der äußere Glanz und das häusliche Glück - er war verheiratet und Vater einer Tochter - nicht befriedigen. Nach dem Tode der Eltern drang er so lange in seinen älteren Bruder, bis dieser ihm die Erlaubnis erteilte, als Asket in die Welt hinauszugehen. 13 Monate zog er als Wandermönch herum und widmete sich der Meditation. Dann legte er auch das Mönchsgewand ab, um nur noch “von der Luft bekleidet zu sein” und durchwanderte so unter vielen Kasteiungen und Meditationen, beschimpft und verspottet von der Umwelt, das Land. Nach zwölf Jahren empfing er in Jrimbhikagrama die vollkommene Erkenntnis über die Welt, wurde damit ein Jaina (Sieger) und Tirthankara (Furtbereiter). Danach betätigte er sich noch Jahrzehnte als Wanderlehrer und predigte Göttern, Menschen und Tieren. Im Alter von 72 Jahren ging er in Pava in das Nirvana ein. Das Datum seines Todes wird von der traditionellen Jaina-Überlieferung mit 527 v.Chr., von der westlichen Forschung mit 477 oder 468 angegeben.
Die Tempel von Palitana
Panorama der mit 863 Tempeln größten von Jainas gestifteten Tempelstadt (tirtha) Indiens auf dem 591 m hohen, heiligen Berg Shatrunjaya ("Stätte des Sieges"), der 215 km südwestlich von Ahmedabad bei Palitana im Bundesstaat Gujarat liegt.
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