Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur - 20
05.03.2007
Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur
Unter den unzähligen Darstellungen will ich nur einige wenige hervorheben:
Den Türschwellen, die mit apotropäischen Dämonenmasken (kirthimukhas) ausgestattet sind, werden halbrunde “Teppiche” zur Reinigung der Seele von Hass und Wut vorgelegt. Daneben finden sich die typischen Muschelhörner, deren Klang als heilig gilt und der Silbe “OM” besonders nahe kommt.
Betritt man den Tempel von Westen und schaut im balana-mandapa (Portalhalle) nach oben, sieht man den kichaka, eine Figur, die mit ihrem einen Kopf und fünf Körpern die fünf Elemente symbolisiert, aus denen sich die materielle Welt zusammensetzt (s.Foto S.34 ). Sehr unauffällig sind auf den Pfeilern des westlichen meghanada-mandapa (dreistöckig e Halle, Nr. 4 im Plan) Por trätfiguren des Stifters ( Foto links oben) und des Architekten Depaka
(Foto rechts oben) angebracht. Inmitten des Dekors und in einer Linie mit Musikantinnen und Tänzerinnen fallen sie zunächst nicht besonders auf. Doch legte Dharna Sah Wert darauf, dass sein Bildnis mit gefalteten Händen im Angesicht und in ewiger Verehrung des Tirthankara plaziert wurde.
Im nördlichen meghanada-mandapa findet sich ein großer Marmorelefant (s. Foto S. 82-83), entstanden 1687, der auf seinem Rücken neben einem Mahout ein Bildnis der Mutter Adinathas, Marudevi, trägt. Sie soll zur Predigt ihres Sohnes gekommen sein und im Moment, als sie in noch relativ großer Entfernung seiner ansichtig wurde, die Erlösung erlangt haben. Damit wäre sie im gegenwärtigen absteigenden Zeitalter die erste Person, die aus dem Geburtenkreislauf ausgeschieden ist.
Jainismus und die Tempel von Mount Abu und Ranakpur