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Meditieren – Warum? [03.3] Mentale Gesundheit & Preksha Meditation (3)

Acharya Mahaprajna

30.05.2008

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Viele Zustände des Geistes sind in der Jain Literatur beschrieben worden, darunter

Vikshipt Avastha -

Zustand des Aufruhrs

Mudha Avastha -

Zustand der Verblendung 

Yatayat Avastha -

Zustand des Schwankens

Acharya Hemchandra (11. Jahrhundert) hat detailliert darüber geschrieben, und Acharya Tulsi (20. Jahrhundert) hat sie in seinem Buch „Manonushasanam“ [in etwa: Disziplinierung des Geistes] anschaulich geschildert. Diese Beschreibungen und Schilderungen geben Auskunft über Zustände des Geistes. Ist der Geist in Aufruhr, gerät er in einen wahnsinnsähnlichen Zustand. Die Partikel des irreführenden Mohaniya Karma erregen die Welt der Emotionen. Diese Emotionen wiederum beeinflussen den Geist so, dass er umher zu wandern beginnt. Warum wandert der Geist umher? Die Partikel des Mohaniya Karma wirken auf die Emotionen, diese wiederum auf den Geist, der dadurch buchstäblich verrückt wird. Wer auf dem spirituellen Weg ist, muss einen Ausweg aus diesem Labyrinth suchen. Erst dann legt sich der Aufruhr. Die Objekte in der Außenwelt betören die Sinne und den Geist, der sie nach Vorlieben und Abneigungen bewertet und einordnet.

Meditation ist nicht an sich gut und führt nicht automatisch zur Befreiung. Man unterscheidet zwei Arten von Meditation:

  1. Arta-Raudra Meditation
  2. Dharma-Shukla Meditation

Arta-Raudra Meditation führt weder zur Befreiung, noch ist sie der Gesundheit dienlich. Dharma-Shukla Meditation hingegen fördert sowohl die spirituelle Entwicklung, als auch die körperliche Gesundheit.  

In der Arta Meditation kreist die Konzentration um die Erreichung weltlicher Ziele. Diese Art der Konzentration ist vergleichbar mit der, die sich entweder beim Verlust geliebter Menschen oder in katastrophaler Lebenssituationen einstellt und den Geist unentwegt um dieses betrübliche Ereignis kreisen lässt. Die dadurch hervorgerufenen Empfindungen sind Trauer und Schmerz. Auf die Dauer beeinträchtigen diese Empfindungen die Gesundheit, weil sie dann an Intensität gewinnen. Ähnliche Empfindungen entstehen, wenn man bei der Konzentration auf die Erreichung eines bestimmten Zieles zu einem bestimmten Zweck das Erwünschte nicht in absehbarer Zeit erreicht.

Eine gezielte Konzentrationsübung der Arta Meditation ist „der Kranich“. Der Kranich, wie er auf einem Bein stehend auf seine Beute lauert, ist das Sinnbild dieser Konzentrationsübung. Gegen Konzentration ist nichts einzuwenden, doch ist es wichtig dabei in Betracht zu ziehen, wofür sie angewendet wird. In den Jain Agamas wird ausdrücklich vor der Arta Meditation gewarnt. In der Tradition der Jain Meditation ist das Motiv für die Konzentration ebenso wichtig wie die Konzentration selbst. Deshalb sagen wir, dass Meditation nicht an sich gut ist, sondern nur dann eine gesundheitsfördernde Wirkung hat, wenn unsere Motive rein sind.

Arta Meditation bezieht sich auf Ereignisse der Außenwelt, Dharma Meditation konzentriert sich auf die innere Transformation von der Unvollkommenheit zur Vollkommenheit.

Der Umgang mit Erkrankungen und Leiden ist eine Kunst.

Während eines Preksha Meditation Camps bat ich die Teilnehmer, sich mit Alter, Krankheit und Tod anzufreunden. Wem es gelingt, sich mit ihnen anzufreunden, den quälen sie nicht. Wer sie hasst, den drangsalieren sie. Acharya Tulsi hatte starke Atembeschwerden, aber keine großen Schmerzen. Er sagte, er habe ein Abkommen mit den Atembeschwerden getroffen: „Ich beklage mich nicht über sie, und sie belasten mich dafür nicht ständig.“ Sie quälten ihn tatsächlich nur selten. Freundschaft mit Widrigkeiten zu schließen, ist Dharma Meditation.

Auf die Dauer bewirkt Arta Meditation mentale Erkrankungen aufgrund der negativen Emotionen, die durch sie generiert werden. In der Dharma Meditation hingegen konzentriert man sich auf die Höhere Wirklichkeit, was die innere Befindlichkeit so anhebt, dass positive Emotionen generiert werden, welche die Gesundheit in jeder Hinsicht stärken.

Neben den durch äußere Umstände ausgelösten Ursachen für mentale Erkrankungen gibt es auch die inneren. Innere Ursachen für mentale Erkrankungen sind Begierden, Zorn, Angst. Sie werden in den Agamas und der ayurvedischen Literatur genau beschrieben. Auch in der medizinischen Wissenschaft sind diese Tatsachen wohl bekannt. Jeder Mensch hat Begierden in sich, doch wenn sie sich sehr stark in ihm ausprägen können, ist er anfällig für mentale Erkrankungen. Unser Gehirn ist so organisiert, dass zwei Nervensysteme, das sympathische und das parasympathische, Hand in Hand arbeiten. Eines ist für Aktivität, das andere für Ruhe zuständig, beide arbeiten zusammen, damit keine Überreaktionen ausgelöst werden. Niemand weiß, welche physischen und mentalen Erkrankungen sich ohne die Zusammenarbeit der beiden Nervensysteme noch entwickeln können.

Beim Verlust geliebter Menschen ist jeder unglücklich und traurig. Im Ayurveda heißt es, dass unbegrenzte Begierden, unbegrenztes Unglück und Angst den Vatastrom [Wind, Luft und Äther] im Körper umlenken und das zu Erkrankungen führt.

Emotionen und Begierden sollten nicht von nachdrücklicher Stärke sein. In der Preksha Meditation gehen wir nach innen, um schrittweise unsere Emotionen und Begierden zur Kenntnis zu nehmen. Doch der wahre Erfolg der Preksha Meditation ist, dass wir zunehmend unsere Emotionen und Begierden nicht nur erkennen, sondern auch meistern lernen.


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englische Ausgabe:

Why Meditate? by Acharya Mahaprajna ©2005

Compiled 

by Muni Dhananjay Kumar

Published

by Jain Vishva Barati Institute, Ladnun, India

Translated

by Samani Charitra Pragya, Neeraja Raghavan & Sudhamahi Regunathan

Übertragung ins Deutsche:

Carla Geerdes



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