Wer Preksha Meditation praktiziert, sollte wissen, wie wichtig Ausgeglichenheit ist. Eine Stunde lang mit geschlossenen Augen und gekreuzten Beinen in Meditationshaltung sitzen zu können ist nicht das Ziel, sondern die Regeneration der physischen, mentalen, sprachlichen und spirituellen Kräfte. Acharya Tulsi hat an dem Tag, an dem er im Alter von 83 Jahren seinen letzten Atemzug tat, 40 verschiedene Aktivitäten ausgeführt. Wie kann jemand in diesem hohen Alter noch so aktiv sein? Das lag an seinem starken Lichtkörper. Er verließ diese Welt, weil seine Lebensspanne zu Ende war, nicht, weil er krank oder leidend war. Sein Lichtkörper war so kraftvoll, dass er bis zum Schluss arbeiten konnte.
Was macht unseren Lichtkörper stark? Zurückhaltung in den sinnlichen und geistigen Aktivitäten, Einschränkung der weltlichen Genüsse, Meisterung der Wünsche und Begierden. Durch die stete Aufeinanderfolge von Aktivitäten der Sinne und des Geistes wird der Lichtkörper so beansprucht, dass der Mensch seine volle Lebensspanne nicht erlebt. 80 % aller Menschen sterben vor Ende ihrer Lebensspanne, nur 15-20 % eines vorzeitigen Unfalltodes. Nicht unsere Organe geben ihren Dienst auf, ihnen fehlt der Antrieb. Den zu liefern ist Aufgabe des Lichtkörpers. Über der Vielzahl unserer Aktivitäten vergessen wir, für einen Ausgleich zwischen Tätigkeit und Untätigkeit zu sorgen, was Nervensystem und Organe sehr belastet.
Yogaübungen (Asanas) beleben die Organe neu und erhöhen unser Energiepotential. Regelmäßige Entspannungsübungen (Kayotsarga) gehören unbedingt dazu. Im Kayotsarga ist der Körper bewegungslos und führt der Körper keinerlei Aktivitäten aus. Durch die Stilllegung und Entspannung des Körpers wird die generierte Energie nicht sofort wieder verbraucht, was dazu führt, dass der Strom der Lebensenergie wieder stärker wird.
Für die Meditationspraxis eignen sich Lotussitz (Padmasan), Halblotussitz (Ardhapadmasan), Schneidersitz (Sukhasan), Diamantsitz (Vajrasan) etc besonders. Sie fördern zudem das gesundheitliche Wohlbefinden, wie beispielsweise der Diamantsitz Verdauungsprobleme lösen hilft und die Palmenübung (Tadaasan: auf den Zehenspitzen stehen & den ganzen Körper strecken) gegen Wachstumsstörungen. Spezielle Übungen gibt es auch zur Kräftigung der Leber und der Bauchspeicheldrüse als Vorbeugung gegen Diabetes.
Darüber hinaus gibt es Atemübungen (Pranayama). Damit beeinflusst man den Strom der Lebensenergie entweder durch Zurückhalten des Atems (Kumbhaka) oder Konzentration auf das Ein- (Purak) oder Ausatmen (Rechak). Mit diesen Übungen wird das Ausstoßen verbrauchter Sauerstoffpartikel unterstützt und das Aufnahmevolumen frischer erhöht, was den ganzen Körper regeneriert und vitalisiert.
Zur Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit leisten beide, Medikation und Meditation, ihren Beitrag. Meditation bewirkt zudem noch spirituelle Entfaltung, stärkt die innere Kraft und hilft, den Geist zu meistern. Es mag nicht sofort einleuchten, was Meditation zur Erhaltung der Gesundheit beiträgt, ist doch Gesundheit nicht der Hauptgrund dafür, dass man meditiert. Wer meditiert, stellt das energetische Gleichgewicht im Körper wieder her, kuriert damit aber keine physischen Erkrankungen. Das tun Asanas und Pranayama.
Asanas und Pranayama sind integrierte Bestandteile der Preksha Meditation, die nicht nur während eines Meditationscamps, sondern lebenslang praktiziert werden sollten. So wichtig wie die Nahrungsaufnahme ist die Entsorgung des verbrauchten Atems (Apana). Der Bereich vom Nabel bis zum Steißbein, dem Zentrum der Energie (Muladhara Chakra im Hathayoga), ist der Bereich des Apana Prana. Wer diesen Bereich nicht von Rückständen verbrauchten Atems frei hält, fühlt sich schwach und unwohl, denn dort ist das Zentrum der Energieversorgung für den Körper.
Preksha Meditation ist ein holistischer Lebensansatz, nicht nur ein Meditationsverfahren. Integriert sind Ernährungsgewohnheiten, Mantrarezitation, sowie Asanas und Pranayama. Auf die Dauer festigt sie die Entschlusskraft, selbstgewählte Zielpunkte im Leben zu realisieren. Die Klangvibrationen der Mantrarezitation und das dadurch anwachsende Energiepotential spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Eine Novizin (Mumukshu) sprach mich einmal an: „Gurudev! Ich habe seit längerem eine schwere Leberentzündung. Jeden Rat habe ich befolgt und von den Ärzten verschriebene allopathische und ayurvedische Medikamente ausprobiert, doch nichts hat geholfen. Ich bin wirklich beunruhigt.“ Ich empfahl ihr die Rezitation des Jaina Wurzelmantras: „Hraam, Hrim, Hroom, Hraim, Hrah". Sie praktizierte es drei Monate lang mehrmals täglich voller Inbrunst. Danach ging sie erneut zur ärztlichen Untersuchung. Alles war wieder normal, die Leber hat sich völlig regeneriert.
In diesem Fall haben Mantras die Heilung bewirkt, nicht die Medikamente. Doch sollten wir uns auf Heilung durch Mantras nicht verlassen. Kaum jemand ist in der Lage, 24 Stunden lang zu meditieren, ohne verrückt zu werden. Was für ein fragwürdiges Ergebnis! Einige haben sich bei mir darüber beklagt, dass jemand sie dazu verleitet hat, sehr lange zu meditieren und sie daraufhin ihr mentales Gleichgewicht verloren haben. Am Anfang sollte man auf gar keinen Fall zu lange meditieren. Die einzige Ausnahme ist Kayotsarga. Kayotsarga kann man solange praktizieren, wie man will. Für Konzentrationsübungen, Asanas und Pranayama reichen anfangs ca. 30 Minuten. Wichtig ist die regelmäßige Praxis, möglichst zur selben Tageszeit.
Es trifft zu, dass so viele Heilmethoden erforderlich sind, wie es Krankheiten gibt. In den Mantra Shastras gibt es eine Fülle von Mantras für die verschiedensten Gelegenheiten, so wie in der allopathischen und ayurvedischen Medizin eine Vielzahl von Medikamenten zur Heilung unterschiedlicher Leiden verschrieben wird. Der Besitz einer Ingwerwurzel macht einen noch nicht zum Gemüsehändler. Deshalb sollten wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass man mit einer Methode gleich alle Probleme lösen kann.
Wir haben eben viele verschiedene Probleme, für die wir viele unterschiedliche Lösungen brauchen. Was mit Medikation nicht geheilt werden kann, kann durch Asanas kuriert werden, und was mit Asanas nicht kuriert werden kann, heilt Pranayama, und was Pranayama nicht heilt, behandeln vielleicht Mantras. Wir müssen den Prozess der Meditation unter der Perspektive des Nicht-Absolutismus (Anekant) verstehen. Absolutismus, bzw. nachdrückliches Bestehen auf der Richtigkeit nur eines Weges ist nicht unsere Sichtweise. In den Preksha Meditationscamps haben wir es aufgegeben, auf der Einhaltung von Schweigezeiten (Maun) zu bestehen. Anfangs wurde bis zu zehn Tagen Stillschweigen praktiziert, doch wer dann nach zehn Tagen zu sprechen anfing, ist an seinen Worten fast erstickt. Deshalb sagen wir heute: „Unnötiges Sprechen sollte nach Möglichkeit vermieden werden, aber wann immer es nötig ist, kann jeder sprechen.“ Denn wer während der Schweigezeit Laute wie wmm, aa, etc. von sich gibt, verschwendet seine Energie und wird unnötig frustriert.
Nachdrückliches Bestehen auf nur einer Methode ist niemals sinnvoll. Das System der Preksha Meditation basiert auf Anekant (Nicht-Absolutismus), deshalb sollte das Gesagte auch in einem nicht-absolutistischen Zusammenhang betrachtet werden. Es gibt viele unterschiedliche Probleme, die unterschiedliche Lösungen brauchen. Wenn wir das Thema Gesundheit erörtern, müssen wir verschiedene damit verbundene Aspekte betrachten, sie sorgfältig abwägen und dann zu Lösungen finden, die aus unserem Inneren kommen. Nur so können wir die unserer Persönlichkeit entsprechende Gesundheit entwickeln.