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Meditieren – Warum? [08.1] Arbeitseffizienz & Preksha Meditation (1)

Acharya Mahaprajna

16.07.2008

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Es gibt viele Aspekte, unter denen man das Leben betrachten kann, ein einziger kann seiner Komplexität nicht gerecht werden. Sie alle können in die Kategorien 'Weltliche Weisheit' und 'Spirituelle Entwicklung' eingeordnet werden. Preksha Meditation unterstützt zweifellos die spirituelle Entwicklung, zur weltlichen Weisheit trägt sie eher zufällig bei. Meditieren wir regelmäßig, entwickeln wir uns spirituell weiter und unser Interesse an Spiritualität wächst. Als Maßstab für unsere spirituelle Entwicklung können wir untersuchen, inwieweit die Meditationspraxis unsere Handlungsweise im Alltag verändert.

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Die kleinste soziale Einheit ist die Familie, die nächstgrößere die Nation. Der Mensch lebt in diesen sozialen Einheiten und unterhält auf ihrer Grundlage die vielfältigsten Beziehungen. In einem nicht geringen Maß werden diese von seinen Umgangsformen beeinflusst. Im Hinblick auf die Seele spielen die Umgangsformen keine Rolle, doch in den sozialen Beziehungen sind sie von ebenso großer Bedeutung wie die effiziente Erledigung unserer Aufgaben.

Bevor man näher auf diese Zusammenhänge eingeht, sollte man sich vor Augen führen, dass eine nicht-absolutistische Herangehensweise ein nützliches Instrument im Umgang mit anderen ist. Acharya Siddhasen [Pandit Shuklalji (englisch)] schrieb im letzten Kapitel seines ca. 1920 entstandenen Standardwerks „Sanmati Tark“: „Ohne die Anwendung von Anekant kann man sogar weltliche Transaktionen nicht abwickeln.“ Wollen wir die Welt richtig verstehen, gelingt das nur mit einer nicht-absolutistischen Herangehensweise. Einseitige, absolute Sichtweise erschwert das Alltagsleben. Arbeitseffizienz im Alltag  wird durch Anwendung der beiden nicht-absolutistischen Konzepte Relativität und Harmonie unterstützt.  

Unsere Leben sind miteinander verflochten. Wer das erkennt und realisiert, kann sehr effizient sein: „Ich bin abhängig und absolut nicht unabhängig.“ Jeder Manager und Direktor muss Aufgaben an Mitarbeiter delegieren. Wenn eine Führungskraft diesen Grundsatz weder versteht, noch anwendet, kann sie keinen optimalen Nutzen aus den Arbeitsergebnissen der Mitarbeiter ziehen. 

Ein Mönch kam zu Acharya Kalugani [8. Terapanth Acharya] und sagte: „Gurudev! Mir ist zu verstehen gegeben worden, dass ich in meiner Gruppe nicht gebraucht werde!“ Acharya Kalugani rief das Oberhaupt der Mönchsgruppe zu sich: „Ich kann ohne die Unterstützung der Mönche nicht arbeiten. Du brauchst ihn nicht, aber ich brauche ihn!“ Die Aufgaben eines Acharyas können nicht ohne die Mitarbeit der Mönche erledigt werden.

Der Gesichtspunkt der Interdependenz hilft uns zu realisieren, dass wir für alles, was wir tun, die Mitwirkung anderer brauchen. Wem klar ist, dass sein Gegenüber ein Unterstützer und Helfer ist, geht entsprechend mit ihm um. Wer gut mit anderen umgeht, kann effizient arbeiten. Im Konflikt zwischen Unternehmern und Arbeitern oder Angestellten wird dieser Aspekt häufig aus den Augen verloren, denn die Unternehmer versteifen sich auf den Gesichtspunkt der Profitmaximierung. Sie zahlen ihren Mitarbeitern immer weniger, was häufig an Ausbeutung grenzt. Ausbeutung ist immer und überall ein Hindernis für Arbeitseffizienz. Effiziente Menschen sind realistisch und denken sowohl an ihr eigenes Wohl, als auch an das der anderen. 

Der zweite Grundsatz ist Harmonie. Wir sollten die Dinge so sehen, dass unsere Sichtweise es uns ermöglicht, Harmonie herzustellen. Unterschiedliche Ansichten und Meinungen gab es und wird es immer geben. Wirken sie sich hinderlich auf die Arbeitseffizienz aus, kann die Anwendung des Harmonieprinzips Abhilfe schaffen. Wer es versteht, trotz aller Unterschiede Harmonie herzustellen , kann seine Aufgaben ohne hinderliche Gegenspieler erledigen. Vielleicht sollten wir uns ein Beispiel daran nehmen, wie das einem Töpfer gelungen ist :

Ein Töpfer hatte zwei Töchter, die eine war mit einem Töpfer, die andere mit einem Bauern verheiratet. Als er zu der Tochter kam, die mit dem Töpfer verheiratet war, beantwortete sie seine Frage nach ihrem Wohlergehen mit den Worten: „Lieber Vater, alles bestens, außer einem. Die fertigen Krüge stehen zum Trocknen draußen. Am Himmel ziehen gerade dunkle Wolken auf, bete für mich, dass es nicht regnet. Regen würde meine ganze Arbeit zunichte machen.“ Der Töpfer besuchte anschließend die andere Tochter, deren Mann Bauer war. Diese sprach: „Lieber Vater, alles bestens, außer einem. Wir haben Monsun, doch es will nicht regnen. Bete für mich, dass es bald zu regnen beginnt. Dann kann ich meine Ernte später gut verkaufen.“ Der Mann war klug und überlegte, wie er die Bitten seiner Töchter erfüllen könnte. Schließlich rief er sie zu sich und sagte: „Wenn ich für die eine bete, dass es nicht regnet, würde sie zwar ihre Krüge gut verkaufen können, doch die andere könnte nichts ernten und verkaufen. Wenn ich für die andere bete, dass es regnet, hätte sie zwar eine ertragreiche Ernte zu verkaufen, doch ihre Schwester hätte umsonst gearbeitet. Deshalb schlage ich vor, dass ihr euch, wenn es nicht regnet, den Erlös aus dem Verkauf der Töpfe teilt, und wenn es regnet, mit dem Erlös aus der Ernte genauso verfahrt.“ So hat der kluge Mann sein Problem gelöst. 

Entscheidend für effizientes Arbeiten ist die Versöhnung der Gegensätze. Gegensätze sind natürlich und unvermeidbar. Ohne sie kann sich weder eine unabhängige Philosophie entwickeln, noch Spiritualität entfalten. Alles hat die seiner eigenen Natur innewohnenden Qualitäten. Wir kommen nicht weiter, wenn wir uns auf die Gegensätze konzentrieren. Erst das Versöhnen der Gegensätze ermöglicht effizientes Arbeiten. 

Auch ausgewogene Emotionen sind ein Imperativ für Arbeitseffizienz. Zufällig stieß ich auf das Buch „Emotionale Intelligenz“, das ein Harvardprofessor geschrieben hat. Er kommt zu dem Schluss, dass geringer qualifizierte, aber emotional ausgeglichene Persönlichkeiten Führungspositionen innehaben, während ihre Mitarbeiter und Assistenten häufig höher als sie qualifiziert sind, jedoch emotional unausgeglichenere Persönlichkeiten. Die Ausbildung sagt etwas über die Qualifikation eines Menschen, doch nichts darüber, ob jemand streitsüchtig oder gierig ist. Streitsüchtige Menschen haben Probleme mit ihren Kolleginnen und Kollegen, gierige betrügen und enttäuschen andere. Die emotionale Intelligenz eines Menschen ist ausschlaggebend für seine Aufstiegschancen, weil er ohne sie nicht effektiv mit anderen Menschen zusammen arbeiten kann.


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englische Ausgabe:

Why Meditate? by Acharya Mahaprajna ©2005

Compiled 

by Muni Dhananjay Kumar

Published

by Jain Vishva Barati Institute, Ladnun, India

Translated

by Samani Charitra Pragya, Neeraja Raghavan & Sudhamahi Regunathan

Übertragung ins Deutsche:

Carla Geerdes



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