Um sich den Gesetzen der Natur anzupassen, bejaht alles Lebende die Veränderung. Wir können sogar von den Bäumen lernen. Im Herbst werfen sie ihre Blätter ab. Sie wehren sich nicht. Es ist ein Prozeß, eine Katharsis, ein Fasten, eine Reinigung, eine Häutung. Das Alte wird abgeworfen, um Platz für das Neue zu schaffen. Dabei gibt es weder Trauer noch Schmerz. Es geschieht mit tiefer Geduld, in tiefer Weisheit. Sie wissen, dass die Lebenskraft bewahrt bleibt. Die Wärme bleibt in ihren Wurzeln.
Der Baum weiß: „Wenn ich neue Blätter möchte, muß ich die alten aufgeben.“ Genauso, wenn wir uns frisch fühlen und dem Neuen Raum geben wollen, lassen wir eine Häutung, einen Herbst in jeder Jahreszeit unseres Lebens stattfinden! Erlauben wir uns jeden Tag, jeden Augenblick eine Erneuerung zu erfahren. Werfen wir unsere alten Gedanken wie trockene Blätter ab. Öffnen wir uns neuen Denk- und Lebensweisen. Wenn wir uns ausdehnen und wachsen wollen, gestalten wir unsere Beziehung zum Universum fortwährend positiv, aufnahmefähig und erwartungsvoll.
Das Herz der östlichen Philosophie ist die Lehre des Nicht-Verhaftet-Seins. Was für eine Philosophie ist das? Es ist lediglich eine Philosophie der Jahreszeiten. Es bedeutet, in Harmonie mit den Jahreszeiten leben zu lernen. Das heißt: Die Dinge, die für jeden einzelnen Moment der Zeit von Bedeutung sind, sind für das Leben in diesem Moment wichtig und die Dinge, die für diesen Moment des Lebens nicht von Bedeutung sind, sind unwesentlich. Halten wir dennoch fest, wenn es nicht länger wichtig ist festzuhalten – wird dies Verhaftet-Sein genannt.
Wenn wir uns anklammern, wissen wir nicht, ob Dinge bedeutsam sind oder nicht. Verhaftet sein bringt uns dazu, eines von zwei Dingen zu tun. Entweder erzeugen wir Spannung beim Versuch etwas festzuhalten, oder wir haben Gewissenskonflikte, wenn wir es gehen lassen. Wenn es geht, erlaube ihm zu gehen. Fließe mit den Jahreszeiten.
Derjenige, der nicht fest hält, gibt mit Ehrfurcht auf. Wie die Blätter, die tanzen, wenn sie sich lösen, verzichtest du mit Freuden. Bekommen ist Freude. Jeder möchte gerne etwas Neues erhalten. Mit derselben Freude aufgeben ist Nicht-Verhaftet-Sein.
Wenn wir jedoch nicht aufgeben, erhalten wir nichts. Es ist ein ständiges Geben und Bekommen. Wenn wir uns im Gleichgewicht von etwas lösen, verschleiern keine Tränen unsere Sicht. Wenn wir in Ausgeglichenheit aufgeben, fühlen wir innerlich keinen Schmerz und kein Bedauern. Wenn ein Mensch uns verlässt, sage „Ich wünsche dir alles Gute“. Durch Festhalten oder Beklagen verlieren wir sowohl den Menschen, wie auch unseren Frieden. Als Erwiderung bekommen wir einzig die Folgen unserer negativen Schwingungen.
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Um zu erkennen, was wir sind, meditieren wir über die Lebensphilosophie, die uns helfen kann, unsere alten Denkgewohnheiten zu ändern. Sagen wir uns: „Die Bäume lassen los. Warum tue ich es nicht?“ Beobachte jeden Gedanken. Fragen wir uns: „Lebt dieser Gedanke in der Vergangenheit?“ Wenn ja, wissen wir, dass wir nicht in Harmonie mit der Jahreszeit leben. Wenn wir bemerken, dass unser Verstand in den Speicher alter Erinnerungen flüchten möchte, sagen wir uns, „Ich begebe mich aus dem Lebenskreislauf, da ich in der Vergangenheit lebe. Die Vergangenheit hat mir schon das Ergebnis gegeben, das ich wollte. Trotzdem klammere ich mich immer noch daran.“
Durch Beobachtung sind wir in der Lage, uns selbst zu lösen. Wir beschließen: „Ich möchte weiter gehen.“ Viel Gutes wartet morgen auf uns, wenn wir uns von der Vergangenheit lösen. Nach jedem Winter folgt der Frühling. Was wir Unfruchtbarkeit nennen, ist für die Bäume lediglich ein Zeitraum, den sie in Erwartung verbringen müssen. Dieser Zeitraum ist uns für unser Verständnis gegeben.
Es ist eine Übergangszeit vor dem Frühlingsbeginn, vor der Wiedergeburt neuen Lebens. In Wirklichkeit gibt es keinen Tod. Tagore hat uns ein schönes Gleichnis gegeben. Wir sind wie ein Baby, das an der Brust gestillt wird. Wenn die Mutter bemerkt, dass die Milch auf der einen Seite versiegt, legt sie das Baby an der anderen Seite an. In der Zwischenzeit schreit das Kind. Es begreift nicht, dass dazwischen der Moment des Wartens auf die neue, frische Milch ist. Es begreift nicht, dass es keinen wirklichen Verlust gibt.
Durch Beobachtung werden wir fähig, zu begreifen, wie alte Denkgewohnheiten uns vom Hier und Jetzt trennen und uns unglücklich machen. Projizieren wir das Konzept Vaterfigur, Ehemann, Ehefrau oder sonst ein Bild auf eine andere Person? Wenn ja, sehen wir jedes Einzelwesen nicht als Individuum. Vergleichen wir den gegenwärtigen Moment mit der Vergangenheit? Wenn ja, werden wir die Frische des Lebens nicht genießen. Wir werden weiterhin gute Gefühle und tiefe Verständigung vermissen. Die Leute werden sich mit uns langweilen, da wir immer die alten Eindrücke des Gedächtnisses, die abgetragenen Dinge hervorholen. Dann finden wir jemanden mit dem selben Problem, und wir schwelgen zusammen darin und ziehen uns gegenseitig hinunter.