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Jainismus

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GEWALTLOSIGKEIT
das Grundgesetz im Jainismus


 

Die Philosophie von der Seele und der Materie [3.4] Sich selbst erkennen! (4)

Gurudev Shree Chitrabhanu

17.05.2006



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Wenn wir die hartnäckigen Schichten des Geistes entfernen und mit dieser verborgenen Energie in uns in Berührung kommen, erkennen wir, dass die empfindende Energie dem Körper den Hauch des Lebens gibt. Wenn sie Leben geben kann, kann sie nicht im Körper gefangen sein. Wenn sie im Körper gefangen sein könnte, könnte sie nicht formlos sein. Das Formlose bleibt über den Formen erhaben. Darum kann es ihnen Leben geben.

Es gibt eine wunderschöne Erzählung in den Upanishaden , in der ein Sohn nach zwölf Studienjahren zu seinem Vater heimkehrt und ihm sagt: „Oh Vater, ich habe alle Schriften studiert und auf jede Weise experimentiert, aber die Seele habe ich immer noch nicht gefunden.“ Sein Vater forderte ihn daraufhin auf, die Frucht eines Banyanbaumes zu öffnen und ihm zu zeigen, wo der Baum in den Tausenden von Samen, die in der Frucht sind, gefunden werden könnte.

Der Sohn antwortete: „Oh Vater, das, was den Baum zum Wachsen bringt, kann nicht gesehen werden.“

„Ja“ sagte sein Vater, „und die Kraft, die dir Leben gibt, kann mit keinem Instrument gemessen werden: Atma, die Seele liegt jenseits davon. Das, was allen Formen Leben gibt, ist unberührbar. Trotzdem gibt es der berührbaren Welt die Kraft. Es belebt alle sichtbaren Formen. Diese Energie bist du. Diese Energie bin ich.“

So werden wir den Sinn der Meditation entdecken: In Berührung mit diesem Formlosen in uns zu kommen. Die Einsicht wird wachsen, dass diese schwingende, bewusste Energie von unseren eigenen negativen Einstellungen zugedeckt worden ist. So zugedeckt, bekommt sie kein Licht oder keine frische Luft.

Diese Entdeckung führt uns von dem Schritt (1): Sich selbst erkennen, zu (2): Wiedererlangen von uns selbst. Genauso wie wir unsere Gesundheit wiedererlangen, nachdem wir erkannt haben, dass die Ursache unserer Krankheit in uns liegt, finden wir unsere natürliche Energie wieder, wenn wir uns der uns bedeckenden Schichten bewusst werden. Wir sehen, dass Traurigkeit, Depression, Ärger, Habsucht, Stolz, Falschheit alles äußere Schichten von uns sind. Sie sind uns nicht natürlich gegeben. Sie haben unsere natürliche, verborgene Kraft unterdrückt.

Der Prozeß des Wiedererlangens ist eine konsequente und beharrliche Übung. Er bedeutet ein ständiges Abwerfen der Hüllen, um frische Luft zu bekommen und die Verbindung mit unserem Fluss der inneren Stärke unaufhörlich zu erneuern. Das ist Meditation. Es geschieht nicht augenblicklich.

Wenn einem Athleten, dessen Fuss gebrochen war, der Gips entfernt wurde, muss er üben, um langsam wieder gehen und rennen zu lernen. Wenn er sofort aufsteht und in einem Wettkampf läuft, wird er seinen Fuss wieder verletzen. So müssen auch wir Schritt für Schritt am Wiedererlangen von uns selbst arbeiten, damit wir zu unserer ursprünglichen Natur zurückkehren. Wenn wir an die Wunden unserer Psyche frische Luft und Licht gelassen haben, dann müssen wir dafür sorgen, dass sie sauber und vollständig heilen. Wir müssen die Lücken und Zweifel des Verstandes versiegeln, indem wir uns mit positiven Schwingungen füllen.

Ohne Erkennen können wir uns nicht wiedererlangen. Ohne vollständiges Wiedererlangen, können wir nicht zu dem dritten Schritt gehen: Bewahren. Um zu bewahren, lasst uns den Geist mit dem Licht der Meditation überfluten und die Lücken in unserem Denken mit Wissen, Verstehen und Erfahrung füllen.

Sagen wir uns: „Ich bin der Mikrokosmos des Makrokosmos. Wie das Universum sich bewegt, muß ich mich bewegen. Im Universum gibt es ein pulsierendes Element. Im Herzen aller Lebensformen, all den Zellen, in meiner eigenen Gestalt gibt es ein leuchtendes Leben. Das ist meine wirkliche Natur. Ich möchte meine ursprüngliche Natur wiederfinden und meine natürlichen Eigenschaften zeigen. Ich möchte diese Glückseligkeit, diesen Frieden und diese bewusste, dynamische Energie, die in meiner eigenen Mitte versteckt sind, bewahren.“

Wenn wir ohne den geringsten Zweifel davon überzeugt sind, dass in uns ein Universum von Schönheit, Wahrheit, Energie und Glück ist, werden wir in der Lage sein zu bewahren. In dem ständig scheinendem Licht der Achtsamkeit werden wir den allumfassenden Segen, der unser ist, bewahren .

Texte zur Besinnung

„Die Sonne, der Regen sind für alle. Die Luft, die wir atmen ist allumfassend; alle atmen den universalen Atem. In unserer Eile, die Welt zu etikettieren und zu begrenzen, Erwartungen und Projektionen aufzubauen, übergehen wir die überreichen Gaben der Natur. Wenn wir unserem Ärger und unseren Urteilen erlauben, Löcher in unser Denken zu graben, wie kann dann unser Geist bewahren, was er empfängt? Egal, wie oft er mit dem Segen des Universums gefüllt wird, fühlt er dennoch Mangel und Leere.“

„Wie können wir die Lücken des Geistes füllen? Paushadha – indem wir uns Zeit nehmen, uns von den vielen Aktivitäten zurückzuziehen, die Wunden in unserer Psyche und unserem Geist geschaffen haben. Heilen wir uns selber. Nehmen wir uns ein paar Stunden, ein paar Tage, ein paar Wochen, um uns mit dem tiefen, alles durchdringenden Frieden der Meditation zu heilen.“

„Um sich den Gesetzen der Natur anzupassen, ist alles Lebende mit Veränderung einverstanden. Wir können von den Bäumen lernen. Der Baum weiß, „Wenn ich neue Blätter möchte, muß ich die Alten aufgeben“. Er widersetzt sich nicht. Es ist ein Prozeß, eine Katharsis, ein Fasten, eine Reinigung. Wenn wir uns frisch fühlen und Raum für das Neue schaffen möchten, müssen wir ebenso eine Häutung, einen Herbst in jeder Jahreszeit unseres Lebens stattfinden lassen. Werfen wir unsere alten Gedanken wie trockene Blätter ab. Öffnen wir uns neuen Denk- und Lebensweisen.“

„Je gründlicher der geistige Hausputz, desto heiterer fühlen wir uns. Wir sind offen, Neues zu empfangen. Was ist das neue Leben? Nichts anderes, als diese lebendige, bewusste Energie, die im ganzen Universum pulsiert und schwingt. Das ist unsere verborgene Kraft. Wenn wir uns dieses Schatzes in uns nicht bewusst sind, werden wir uns nicht danach sehnen. Wenn wir das Ende im Anfang sehen, werden wir den Anfang zum Ende machen."   

 




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©1977 by Gurudev Chitrabhanu
Übersetzung ©1988 von Trupti Traudel Pandya
Edited by Clare Rosenfield
Published by Jain Meditation International Center , NY
2nd Edition 1979


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