Wenn wir unseren Platz im Universum nicht erkennen, werden wir nicht in der Lage sein, zu uns selbst eine Beziehung zu haben. Sofern wir nicht eine Beziehung zu uns haben, werden wir nicht fähig sein, eine Beziehung zu anderen aufzunehmen. Wenn wir nicht über das „ich“, das aus Körper, Name, Ego und Emotionen gebildet ist, hinaussehen, können wir nicht zu der Erfahrung unseres Selbst kommen.
Durch den Prozess der Meditation erreichen wir das wirkliche „ich“. Dort angelangt, bekommen wir ein Gefühl der immerwährenden Existenz, was wir als Unsterblichkeit bezeichnen. Es ist das Empfindende, unser lebendiges Fühlen. So lange wir diese Erfahrung missen, hat unser Leben keine solide Grundlage. Gegenstand der Meditation ist jene Wurzel zu erreichen, wo keine Angst besteht und wo dynamisches Leben immer gespürt wird. Dies wird die Beziehung zu uns selbst genannt.
Durch diese Erfahrung erkennen wir „ich war, ich bin und ich werde sein“. Dies begreifend werden wir des Prozesses der Evolution bewusst. Darwins Theorie basiert auf der physikalischen Ebene. Unsere beruht auf einer spirituellen Ebene. Auf diese Weise sehen wir, dass vor dem Erreichen des Menschseins die individuelle Seele sich von einer Ebene zur nächsten entwickelt. Mit jeder Ebene kommt ein Sinn hinzu.
Lebewesen mit nur einem einzigen Sinnesorgan werden im Reiche der Mineralien und Pflanzen gefunden. Ihr einziger Sinn ist der Tastsinn. Insekten und Kriechtiere – wie zum Beispiel Würmer - haben zwei Sinne, sowohl den Geschmackssinn, als auch den Tastsinn. Der nächste Sinn ist der Geruchssinn, wie zum Beispiel bei der Ameise. Lebewesen mit vier Sinnen – wie die Bienen – haben das Sehvermögen hinzu bekommen. Der fünfte Sinn ist der Gehörsinn, welcher Tiere mit allen fünf Sinnen charakterisiert.
So gehen wir Schritt für Schritt in der Evolution aufwärts, vom Mineral zum Menschen, erst zum primitiven Menschen, zum intellektuellen Menschen und schließlich zum bewussten Menschen. Wir beginnen mit „ich bin“ und fragen dann „Wer bin ich?“. Das ist der erste wirkliche Schritt in der Evolution des Menschen. Das ist die Trennungslinie zwischen menschlichem Bewusstsein und tierischem Bewusstsein.
Wir sind hier, um zu sehen, warum wir hier sind. Wir sind hier, um unseren Platz im Universum zu finden. Wir sagen nicht: „Ich bin hier, um zu essen, mich fortzupflanzen, alt zu werden und zu sterben.“ Das ist nicht die Antwort. Es mögen Schritte der Evolution sein, aber es ist nicht das Ende der Reise. Die wenigen Jahre, die wir haben, können gewinnbringend investiert oder sträflich verschwendet werden.
Somit ist: „Wer bin ich?“ eine dynamische Frage. Sie zeigt die Kraft des Menschen, seinen sechsten Sinne und die Kraft seiner Gedanken zu verwirklichen. Wenn wir weiter mit der Frage arbeiten, wird sie uns aufwühlen. Sie wird für uns bedeutsam sein und uns immer weiter führen.
Obwohl diese Entwicklung nicht so offensichtlich sein mag, graben wir tief in unser Bewusstsein. Nach und nach verringern wir unfreundliche Schwingungen und fügen die richtigen Schwingungen hinzu, um lebendig zu leben.
Wir sehen, dass das Leben nicht von der Materie kommt, aber Leben die Materie belebt. Gleichzeitig hilft die Materie dem Leben sich zu entwickeln, sich zu verwirklichen und sich selbst auszudrücken. Wie die Milch dem Wasser die Farbe gibt und das Wasser die Milch umgibt und sie Eins werden, so liegen Materie und Seele so nahe beieinander, dass es schwierig ist zu unterscheiden, wo das Eine und wo das Andere ist. So sehen wir eine Einheit.
Gemäss dieser Philosophie sind Materie und Seele seit Anbeginn der Zeit zusammen. In vormenschlichen Formen des Lebens herrschte die Materie vor, die Seele niederdrückend wie Schlamm, der einen schwimmenden Flaschenkürbis hinunterdrückt. Im menschlichen Bewusstsein leben Materie und Seele in Partnerschaft nebeneinander.
Je mehr der Mensch sich seiner innewohnenden Eigenschaften und Möglichkeit zu spirituellem Wachstum bewusst wird, wird die Seele Meister und benützt die Materie lieber auf eine kreative Art, als die Vorherrschaft der Materie zuzulassen. Wenn die Seele zu ihrem natürlichem Stadium aufsteigt, wird sie wie ein leerer Flaschenkürbis zur tragenden Kraft und benützt den Körper für einen Zweck: Die bewusste Energie zur Verwirklichung und Erfüllung zu tragen.
Lasst uns nun die dynamische Wechselbeziehung zwischen Materie und Seele in unserer Wechselbeziehung zum Universum erfahren. Um nur einen Tag in irgendeiner Gestalt zu verbringen, von der kleinsten bis zur größten Gestalt, müssen wir kosmische Hilfe haben. Das ganze Universum hilft uns zu überleben und wir haben die Fähigkeit alles, was wir vom Universum erhalten, in Leben umzuformen und zu verwandeln . Die Luft wird zu Atem, die Nahrung wird zu Blut und Zellen, um unser Leben aufzubauen.
Mit einer einzigen Zelle begann unsere Beziehung mit dem Universum. Wenn wir erkennen, dass wir uns ohne kosmische Hilfe weder entwickelt hätten, noch jetzt einen einzigen Tag leben könnten, lässt etwas in uns los und wird weich. Unsere Beziehung zum Universum wird natürlich und harmonisch. Wir hören auf, uns selbst abzulehnen. Wir handeln nicht länger, um Dank oder Lob zu bekommen. Wir handeln nicht mehr aus Verpflichtung, vielmehr handeln wir aus echten Gefühlen.
Wir stehen in einer Wechselbeziehung mit dem Universum, ebenso wie jeder Mikrokosmos von allen anderen Hilfe, Unterstützung und Verständnis empfängt: „Parasparo Upagraho Jivanam“ – „Indem wir uns gegenseitig Hilfe geben, verursachen wir das Wachsen jedes anderen“. Dieser Sinnspruch der alten Tattvartha Sutra drückt wunderschön unseren Platz im Universum und unsere Beziehung zu den anderen aus. Dies hilft uns die unzähligen Hände zu schätzen, die uns sowohl in materieller als auch in spiritueller Hinsicht leben und wachsen lassen. Es fordert uns auf die Beziehung von Geben und Empfangen zu verstehen. Wo Geben ist, ist Bekommen und wo Empfangen ist, ist Geben. Und wo diese Zwei sind, gibt es Wachstum.
So wie wir empfangen, geben wir uns zurück, natürlich, ohne Motive. Wie? Zuerst durch Kenntnis unseres Selbsts und dann durch das Bauen von Brücken zwischen unserem Selbst und allen anderen Selbsten. Durch das Meditieren und Fragen: „Was möchte ich? Was brauche ich wirklich? Wieviel brauche ich?“
Finden wir erst heraus, was uns erfreut, was unser einzigartiger Traum ist, womit wir glücklich sein werden. Dann dehnen wir das auf die Welt aus. Sagen wir uns: „Ich brauche ein wenig Komfort, einen Platz, um meinen Kopf nieder zu legen, etwas nährendes Essen, geistesverwandte Kommunikation, süßes Lächeln und herzliche Gefühle.“ Fragen wir uns dann: „Teile ich mit der Welt, was ich brauche und für mich möchte?“
Wollen wir Frieden? Glückseligkeit? Freiheit? Nichteinmischung? Warum geben wir dann Anderen nicht, was wir für uns möchten? Auf diese Weise können wir uns in den umfangreichen Wechselbeziehungen des Universums fließen sehen. Die Erkenntnis wird kommen, dass niemand sagen kann: „Ich bin unabhängig; ich achte nicht auf die Welt.“ Niemand ist weder abhängig noch unabhängig, sondern alle sind in der spirituell wachsenden Welt wechselseitig aufeinander bezogen.