Wir stimmen alle darin überein, dass es moralisch falsch ist, Tieren "unnötiges" Leiden zuzufügen oder sie "unnötigerweise" zu töten. Aber was meinen wir damit?
Was immer sonst es bedeutet, es muss bedeuten, dass es moralisch falsch ist, Tieren lediglich zu unserem Vergnügen oder zu unserer Unterhaltung Leiden oder Tod zuzufügen, oder weil es bequem ist oder einfach aus reiner Gewohnheit.
Aber der überwältigende Teil unseres Gebrauchs von Tieren - nahezu alles, wofür wir Tiere verwenden - geschieht aus Vergnügen, Unterhaltung, Bequemlichkeit oder Gewohnheit.
Die meisten Tiere werden für Nahrungszwecke getötet. Laut der Welternährungsorganisation (Food and Agriculture Organzation, FAO) der Vereinten Nationen töten Menschen annähernd
53 Milliarden Tiere - 53.000.000.000
- pro Jahr -
für Nahrungszwecke, Fische und andere Meerestiere nicht eingerechnet.
145 Millionen
getötet jeden Tag
6 Millionen
getötet jede Stunde
100.000 jede Minute
getötet jede Minute
1.680
getötet jede Sekunde
Und die Zahl steigt und wird sich bis zur zweiten Hälfte des Jahrhunderts verdoppeln.
Wie können wir dieses Schlachten rechtfertigen?
Nicht damit, dass wir Tierprodukte aus gesundheitlichen Gründen essen müssten. Wir müssten es eindeutig nicht. Tatsächlich zeigt sich mit zunehmender Deutlichkeit, dass Tierprodukte schädlich für die menschliche Gesundheit sind.
Nicht damit, dass es „natürlich“ sei, weil Menschen seit Jahrtausenden Tiere essen. Die Tatsache, dass wir etwas seit langer Zeit tun, macht es nicht moralisch richtig. Menschen sind seit Jahrhunderten rassistisch und sexistisch, und wir erkennen heute, dass Rassismus und Sexismus moralisch falsch sind.
Nicht damit, dass es notwendig für die globale Ökologie sei. Es gibt einen wachsenden Konsens darüber, dass landwirtschaftliche Tierhaltung ein Umweltdesaster ist.
Laut der FAO verursacht landwirtschaftliche Tierhaltung mehr Treibhausgas-Emissionen als der Verbrauch von Benzin in PKW, LKW und anderen Verkehrsmitteln.
Nutztierhaltung nimmt 30% der gesamten Landoberfläche der Erde in Anspruch, einschließlich der für den Anbau von Futtermitteln genutzten 33% des gesamten Ackerlandes.
Landwirtschaftliche Tierhaltung fuhrt zur Abholzung von Wäldern, um Platz für neues Weideland zu schaffen, und zu einer gravierenden, weit verbreiteten Verschlechterung des Bodens durch Überweidung, Verdichtung und Erosion.
Landwirtschaftliche Tierhaltung ist eine Hauptbedrohung für die zunehmend knapper werdenden Wasserressourcen der Erde. Große Mengen Wasser werden verbraucht, um Futtermittel für landwirtschaftlich genutzte Tiere zu produzieren.
Tiere konsumieren mehr Protein als sie produzieren. Für jedes Kilogramm tierischen Proteins, das produziert wird, konsumieren Tiere im Durchschnitt fast 6 Kilogramm pflanzliches Protein in Form von Getreide und Grünfutter.
Es braucht mehr als 100.000 Liter Wasser, um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, und etwa 900 Liter, um ein Kilogramm Weizen zu produzieren.
Weil Tiere viel mehr Protein konsumieren, als sie produzieren, wird Getreide, das von Menschen gegessen werden sollte, stattdessen an Tiere verfüttert. Folglich verurteilt landwirtschaftliche Tierhaltung, zusammen mit anderen Faktoren, viele Menschen zum Hunger.
Die einzige Rechtfertigung, die wir dafür haben, pro Jahr 53 Milliarden Tieren Leiden und Tod zu bereiten, ist, dass es uns Genuss bereitet, sie zu essen; dass es bequem für uns ist, sie zu essen; dass es eine Gewohnheit ist. Mit anderen Worten, wir haben keinerlei gute Rechtfertigung.
Unser Denken über nichtmenschliche Tiere ist verdreht. Viele von uns leben oder haben mit tierischen Gefährten wie Hunden, Katzen, Kaninchen gelebt. Wir lieben diese Tiere. Sie sind wichtige Mitglieder unserer Familie. Wir trauern, wenn sie sterben. Aber wir stechen eine Gabel in andere Tiere, die sich in nichts von denen, die wir lieben, unterscheiden. Das ergibt keinen Sinn.
Unsere Behandlung von Tieren
Wir verwenden Tiere nicht nur für alle möglichen Zwecke, die nicht als „notwendig“ anzusehen sind, sondern wir behandeln sie in Arten und Weisen, die als Folter gälten, wären Menschen betroffen.
Es gibt Tierschutzgesetze, die von uns verlangen, dass wir Tiere „human“ behandeln, aber diese Gesetze sind weitgehend bedeutungslos, weil Tiere Eigentum sind; sie haben keinen anderen Wert als den, welchen wir ihnen verleihen. Soweit es das Gesetz anbelangt, unterscheiden sich Tiere nicht von Autos, Möbeln oder irgendeinem anderen Eigentum, das wir besitzen.
Weil Tiere Eigentum sind, erlauben wir Menschen im Allgemeinen, Tiere für welchen Zweck auch immer sie wollen zu gebrauchen und ihnen in diesem Verfahren schreckliches Leiden zuzufügen.
Warum setzen wir nicht bessere Gesetze und Normen in der Industrie durch?
Die meisten Tierschutzorganisationen in den Vereinigten Staaten und Europa behaupten, dass die Lösung des Problems der Tierausbeutung darin besteht, Tierschutzgesetze zu verbessern oder die Industrie unter Druck zu setzen, die Normen der Behandlung von Tieren zu verbessern. Diese Organisationen führen Kampagnen für „'humanere“' Methoden der Schlachtung, für „humanere“ Systeme des Einsperrens, wie größere Käfige etc. Einige dieser Organisationen behaupten, dass durch die Verbesserung der Behandlung der Gebrauch von Tieren eines Tages gänzlich enden oder zumindest wesentlich verringert werden wird.
Aber ist das die Lösung? Nein, das ist es nicht.
Tierschutzreformen bringen nur geringe Verbesserungen, wenn überhaupt. Ein Ei aus „Bodenhaltung“ schließt genauso viel Leiden ein wie ein Ei aus einer konventionellen Legebatterie.
Zu sagen, dass Tierausbeutung „humaner“ wird, ermuntert die Öffentlichkeit dazu, sich bei der Tiernutzung wohler zu fühlen, und dies fordert den fortgesetzten Konsum von Tierprodukten und könnte das Leiden und Sterben unterm Strich sogar noch erhöhen.
Überdies gibt es nicht den geringsten Beweis dafür, dass Tierschutzreformen zum Ende der Tiernutzung führen werden oder diese merklich verringert haben. Wir haben Tierschutzgesetze jetzt seit mehr als 200 Jahren und wir beuten mehr Tiere in schrecklicheren Arten und Weisen aus, als zu jeder anderen Zeit in der Geschichte der Menschheit.
Und das Wichtigste: Die Reformierung der Ausbeutung ignoriert die fundamentale Frage: Wie können wir das Nutzen von Tieren als Ressourcen überhaupt rechtfertigen - wie „human“ auch immer wir sie behandeln?
Was ist die Lösung?
Die Lösung ist, die Ausbeutung von Tieren abzuschaffen, nicht zu regulieren. Die Lösung ist, zu erkennen, dass gerade so, wie wir anerkennen, dass jeder Mensch, unabhängig von seinen persönlichen Eigenschaften, das fundamentale Recht hat, nicht als das Eigentum eines anderen behandelt zu werden, wir anerkennen müssen, dass jeder empfindungsfähige (bewusst wahrnehmende) Nichtmensch dieses Recht auch hat.
Was bedeutet das faktisch?
Sie fragen sich wahrscheinlich, wie Sie irgendetwas tun können, um die Tierausbeutung abzuschaffen.
Es gibt etwas, das Sie tun können.
Sie können vegan leben. Jetzt. Veganismus bedeutet, dass Sie nicht langer Tierprodukte essen oder anderweitig konsumieren.
Veganismus ist nicht lediglich eine Sache der Ernährung; er ist die moralische und politische Verpflichtung zur Abschaffung der Tierausbeutung auf der Ebene des Einzelnen und erstreckt sich nicht nur auf Fragen des Essens, sondern ebenso auf Kleidung und andere Produkte sowie auf persönliche Handlungen und Wahlentscheidungen.
Veganismus ist das Eine, was wir alle heute tun können - jetzt gleich -, um Tieren zu helfen. Es erfordert keine teure Kampagne, die Beteiligung einer großen Organisation, Gesetzgebung oder sonst etwas anderes als unsere Erkenntnis, dass wenn „Tierrechte“ etwas bedeuten, dann dies, dass wir das Töten und Essen von Tieren nicht rechtfertigen können.
Vegan zu leben verringert das Leiden und den Tod von Tieren durch das Sinken der Nachfrage nach Tierprodukten. Es bedeutet, den Status von Nichtmenschen als Waren zu verwerfen, und die Anerkennung ihres Eigenwertes.
Veganismus ist ebenso eine Verpflichtung zur Gewaltlosigkeit. Die Tierrechtsbewegung sollte eine Bewegung des Friedens sein und jegliche Gewalt gegen Tiere - menschliche und nichtmenschliche - ablehnen. Veganismus ist die wichtigste Form politischen Aktivismus, die wir im Interesse der Tiere unternehmen können. Und sobald Sie vegan leben, fangen Sie an, Ihre Familie, Freunde und andere in Ihrer Gemeinde über Veganismus aufzuklären.
Wenn wir die Tierausbeutung abschaffen wollen, ist eine vegane Bewegung dafür eine notwendige Grundvoraussetzung. Und diese Bewegung beginnt mit der Entscheidung des Einzelnen.
Es gibt keinen sinnvollen Unterschied zwischen dem Essen von Fleisch und dem Essen von Milchprodukten oder Eiern. Für Milch oder Eier ausgebeutete Tiere werden genauso schlecht, wenn nicht schlechter als „Fleischlieferanten“ behandelt und sie landen in demselben Schlachthaus, wonach wir ihre Körper ohnehin konsumieren.
In einem Glas Milch, einer Eiswaffel oder einem Ei stecken ebenso viel Leiden und Tod wie in einem Steak.
Zu behaupten, es gäbe einen moralischen Unterschied zwischen dem Essen von Fleisch und dem Essen von Käse, Eiern oder anderen Tierprodukten ist genauso unsinnig, wie zu behaupten, es gebe einen Unterschied zwischen dem Essen großer Kühe und kleiner Kühe.
Solange mehr als 99% der Menschen denken, es sei akzeptabel, Tierprodukte zu konsumieren, wird sich für Tiere nichts jemals wirklich etwas ändern.
Daher...
Die Entscheidung liegt bei Ihnen. Niemand kann sie für Sie treffen. Aber wenn Sie glauben, dass das Leben von Nichtmenschen moralischen Wert hat, dann hören Sie auf, sich am Töten von Tieren zu beteiligen, wie „human“ auch immer sie behandelt werden.
Schließen Sie sich der abolitionistischen Bewegung an. Werden Sie Veganerln. Heute. Es ist leicht, vegan zu leben. Und es ist die richtige Entscheidung.