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Jainismus

Jainismus

GEWALTLOSIGKEIT
das Grundgesetz im Jainismus


 

Veganismus

20.01.2008

Veganismus ist eine ethisch begründete Einstellung und Lebensweise, welche die Nutztierhaltung und den Konsum tierischer Produkte völlig ablehnt. Der Veganismus beinhaltet eine besonders weit reichende vegetarische Ernährungsweise: Der Konsum von Fleisch, Milch, Eiern, Gelatine und anderen tierischen Lebensmitteln wird vermieden. Einige wenige Veganer konsumieren Honig, was andere Veganer vermeiden. Weiter gefasst achten Veganer bei Kleidung (Leder, Wolle) und anderen Gegenständen des Alltags auf Tierproduktefreiheit (Waschmittel, Putzmittel, Kleinbildfilme, Kleber, Farben etc.).

Begriff

Das Wort vegan geht auf den Engländer Donald Watson zurück, der 1944 die Vegan Society als Abspaltung der englischen Vegetarian Society (Vegetarier-Gesellschaft) gründete. Ihn und eine Gruppe von Mitstreitern störte, dass der Begriff vegetarisch zunehmend als Abkürzung für ovo-lacto-vegetarische Ernährung gebräuchlich war (das viertletzte Wort wird mit den lat. Präfixen ovo für Ei(er) und lacto für Milch gebildet). So erfand er aus dem Anfang und Ende von „vegetarian“ (englisch Vegetarier) ein neues Wort, welches symbolisch dafür steht, dass Veganismus mit Vegetarismus beginne und ihn zu seinem logischen Schluss führe. Vor der Einführung des Begriffes Veganismus wurde dieser auch als Konsequenter oder Radikaler Vegetarismus bezeichnet. Es gab während und nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Einsatz der Vegetarian Society schon ovo-lacto-vegetarische Essensrationen, die Vegan Society erreichte unter anderem die Versorgung mit extra Rationen von Nüssen für Veganer.

Das Adjektiv zu Veganismus lautet vegan. In den deutschsprachigen Ländern wird oft auch das Adjektiv veganisch (als Ableitung aus Veganismus) gebildet. Der Duden kennt nur den Begriff vegan.

Beweggründe

Laut Definition der Vegan Society versucht der Veganismus, „soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was dem Nutzen der Tiere, Menschen und der Umwelt dienen soll“.

Die meisten Anhänger des Veganismus sehen in der Nutztierhaltung ein Verhältnis, das Ausbeutung und Leid bedingt. Das Leid habe seinen Ursprung in der Tötung von Tieren, die produktionstechnisch bedingt in der Milch- und Eiererzeugung ebenso vorkommt. Über die Betrachtung des Leidens der Tiere hinaus spricht der Veganismus den meisten Tieren das Recht auf Leben, Unversehrtheit und Freiheit zu. Der Veganismus geht daher meist mit der Befürwortung von Tierrechten einher. Da menschliches Leben ohne Beeinträchtigung anderer Lebewesen nicht möglich ist, wird es als persönliche Entscheidung betrachtet, wo eine nicht vertretbare Schädigung beginnt.

Auch Wissenschaftler nähern sich dem Thema. Zum Beispiel untersucht die Pädagogin Angela Grube das Thema erstmals aus sozialwissenschaftlicher Perspektive im Rahmen einer qualitativen und quantitativen Befragung. Die wichtigsten Ergebnisse sind im dem Buch „Vegane Lebensstile“ nachzulesen. Auch Breyvogel nähert sich der Thematik, wenn auch nur unter dem Aspekt „Jugendkultur“.

Ethik und Tierrechte

Die Entscheidung, vegan leben zu wollen, entsteht meist aus Gründen der persönlichen Ethik. Das aus dem Konsum tierischer Produkte resultierende Halten von Nutztieren sowie das Jagen oder Schlachten von Tieren werden als Gewalt und Ausbeutung empfunden. Veganer gehen davon aus, dass alle Tiere - vom Insekt bis zu höheren Tieren - ein Recht auf die Wahrung ihrer artspezifischen Bedürfnisse haben, und lehnen die Verletzung dieser Interessen ab. Es gibt zwei grundsätzliche unterschiedliche Begründungen:

  • Der eine grundsätzliche Standpunkt der Tierrechtsethik stellt der Gleichheitsgrundsatz dar. Mensch und Tier sind gleich, sie sollen auch mit gleichen Rechten behandelt werden.
  • Andererseits gibt es unterschiedliche Ansichten bei den Veganern, welchen Tieren wieviele Rechte zugesprochen werden sollen (siehe auch: Tierrechte). Kontrovers diskutiert wird unter Veganern auch, ob eine vegane Lebensweise allgemein moralisch vorgeschrieben werden sollte.

Veganer führen an, dass das permanente Legen von Eiern bei Haushühnern angezüchtet sei und dass der wildlebende Vorfahre des Haushuhns, das Bankivahuhn, nur zwei- bis dreimal im Jahr ein bis zwölf Eier lege. Wenn die Legeleistung nach einem Jahr nachließe, würden die Hennen meist schnell getötet. Von den Küken, die später die Legehennen ersetzen sollen, ist die Hälfte männlich. Diese werden deshalb meistens sofort getötet, entweder vergast oder vermust, und in einigen Fällen der Nahrung der Legehennen beigefügt.

Die Vermeidung von Milch begründen Veganer damit, dass Kühe nur Milch geben, wenn sie jährlich neu besamt werden und regelmäßig Kälber gebären. Die Kälber gelangen danach auf den Fleischmarkt (siehe auch: Herodes-Prämie). Von den Tieren wird eine hohe Milchleistung erwartet, weswegen sie nach wenigen Jahren nicht mehr produktiv genug sind und getötet werden. Die meisten Veganer vertreten darüber hinaus die Ansicht, dass es nicht notwendig sei, die Muttermilch anderer Spezies/außerhalb des Säuglingsalters zu trinken. Andere lehnen die Haltung von Tieren generell ab. Artgerechte Tierhaltung existiert ihrer Ansicht nach nicht, da Tiere von Natur aus in Freiheit lebten.

Der österreichische Tierrechtler Helmut F. Kaplan hat dazu ein “Vegetarisch-veganes Manifest" verfasst, in dem er sich einerseits zur ethischen Maximalforderung einer veganen Ernährung bekennt, andererseits aber auch versucht, pragmatischen Aspekten und Erfordernissen Rechnung zu tragen.

Ökologische Aspekte

Als problematisch werden die mit der Massentierhaltung verbundenen Umweltprobleme gesehen. Leute, die eine sogenannte vegane Diät betreiben, um den Verbrauch finanzieller Mittel oder ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, weiten die Idee des ökologischen Vegetarismus auf alle Tierprodukte aus. Die fundamentalen Beweggründe zielen darauf ab, dass jedes zusätzliche Trophieniveau in einer Nahrungskette nur einen Bruchteil der verbrauchten Energie weitergibt. Daher würde eine Diät, die aus pflanzlichen anstatt aus tierischen Produkten bestünde, generell nicht allzu viele Ressourcen verbrauchen und darüber hinaus indirekt weniger Schäden für die Umwelt verursachen.

Gidon Eshel und Pamela Martin, Wissenschaftler der University of Chicago, errechneten in einer Studie, für die Ernährung ohne tierische Produkte 1.485 Kg weniger CO2-Äquivalente pro Kopf und Jahr als die typische amerikanische Ernährung. Die Autoren meinen, dass sie einige umweltschädliche Faktoren der Viehwirtschaft nicht eingerechnet hätten, die mindestens ebenso hoch wären, wie die Umweltprobleme durch den höheren Bedarf nach Pflanzen, bei einer veganen Ernährung.  Das entspricht etwa dem pro Kopf Ausstoß durch Autoverkehr in Deutschland (etwa 1.3T/Jahr CO2 2004). Eine im Auftrag der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) durchgeführte Studie schreibt der Viehwirtschaft mehr Treibhausgas-Ausstoß zu, als dem gesamten Transport- und Verkehrbereich. Die Studie bezieht den Regenwaldverlust und die freigesetzten Treibhausgase bei der Verdauung und aus der Gülle mit ein, und beziffert den weltweiten Anteil am vom Menschen verursachten Ausstoss mit 18%. Die Autoren zitieren darüber hinaus aus einer US-Studie, nach der eine stärker vegetarisch orientierte Ernährung bei gleichhohem Proteinanteil im Mississippi-Becken zu einer Halbierung des Land- und Düngemittelbedarfs führen könne.

Die Herstellung sowie der Verbrauch von Fleisch und anderer Tierprodukte sind ebenso mit der Abholzung von Regenwäldern, Abbau von Ressourcen, der Luft- und Wasserverschmutzung, vermehrter Flächen- und Wasserverbrauch, Artensterben und anderen ernsthaften Umweltproblemen verbunden.

Menschliche Biologie und „natürliche Ernährung“

Biologisch gesehen ist der Mensch ein Omnivore (Allesfresser). Viele Veganer sind jedoch der Überzeugung, dass der Mensch biologisch eher einem sehr anpassungsfähigen Frugivoren (Fruchtfresser) als einem Allesfresser gleiche. Sie führen an, dass Körperbau, Zähne sowie Verdauungstrakt mehr denen von Frugivoren glichen. Die Fähigkeiten, rohes Fleisch zu reißen, körperfremdes Cholesterin auszuscheiden und größere Mengen Harnsäure zu spalten, ist beim Menschen verglichen mit anderen Omnivoren eingeschränkt.

Die meisten Veganer vertreten zudem die Ansicht, dass es nicht natürlich sei im Erwachsenenalter, die Muttermilch anderer Spezies zu trinken. Dies begründet sich unter anderem darauf, dass (je nach Quelle) 66 % bis 80 % der erwachsenen Weltbevölkerung (geschätzte 10 % bis 15 % in Deutschland) wegen Laktoseintoleranz Tiermilch nicht ohne Beschwerden verdauen können.

Herrschaftskritische Aspekte

Herrschaftskritik fordert die Ablehnung von Herrschaftsverhältnissen, also der Ausübung von Macht. Dies umfasst unter anderem das Herrschaftsverhältnis des Menschen über andere Spezies (Speziesismus), woraus die Forderung nach Veganismus resultiert.

Einige Menschen praktizieren Veganismus auch aus einer herrschaftskritischen Haltung. Veganismus und insbesondere Antispeziesismus wird hier als Teil einer anarchistischen Herrschaftskritik betrachtet. Diese Ansichten sind sehr stark mit ökologischen Aspekten verbunden. Allerdings ist ausschließlicher Veganismus hier nicht dogmatisch gefordert, freegane Arten der Selbstversorgung (Containern, Diebstahl, Schnorren) sind hier ebenfalls vertreten.

Aus dem Umfeld der Tierrechts-Aktion-Nord gibt es den Versuch, die Kritische Theorie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer mit der Idee der Tierbefreiung zu verknüpfen und Speziesismus von einer marxistischen Position zu kritisieren.

Spirituelle/religiöse Motivation

Es gibt darüber hinaus ebenfalls Veganer, die aus spirituellen Gründen vegan leben. Motive können unter anderem Ansichten über die Seele von Tieren, die Sehnsucht nach einem stärkeren Einklang mit der Natur oder religiöser Art sein. Die spirituellen Gründe sind im wesentlichen deckungsgleich mit den spirituellen Gründen der Vegetarier.

Der Jainismus legt teilweise das Prinzip des Ahimsa soweit aus, dass die Mönche immer einen Besen mit sich führen, mit dem sie den Weg vor sich fegen, um nicht versehentlich ein Insekt zu zertreten. Die jainistischen Priester tragen ein Tuch vor Mund und Nase, um nicht versehentlich ein Insekt einzuatmen und dadurch zu töten. Selbst Pflanzen werden vom „Töten“ verschont: In bestimmten Lebensphasen werden nur Früchte verzehrt, die die Pflanzen „freiwillig“ hergeben (Fruganismus); von einem Familienvater wird dieses Verhalten nicht erwartet.

Die neue religiöse Bewegung Universelles Leben legt ebenfalls vegane Ernährung aus ethischen und aus gesundheitlichen Gründen nahe. Jedoch wird von den zugehörigen Betrieben ebenso Honig produziert und vertrieben, was bei den meisten Veganern auf Ablehnung stößt.

Im Hinduismus ebenso wie im Buddhismus gilt vegetarische Ernährung als ethisch überlegen, und einige Richtungen sind strikt vegan. Die Siebenten-Tags-Adventisten ernähren sich teilweise vegetarisch mit einer Bevorzugung des Veganismus.

Formen des Veganismus

Leitgedanke ist die Verminderung von Leid durch das Vermeiden von tierischen Produkten und Tiernutzung, doch innerhalb dieses Rahmens sind eine Vielzahl individueller Lebens- und Ernährungsweisen möglich. Im Gegensatz zum Vegetarismus gibt es im Veganismus keine feststehenden, gebräuchlichen Begriffe (wie z. B. „Ovo-Lacto-Vegetarier“). Es existieren eingebürgerte Begriffe, z. B. „Pudding-Veganer“ für Veganer, die wenig auf ausgewogene Ernährung achten und großteils Fertiggerichte und Süßes bevorzugen.

Vorwiegend wird auf Honig verzichtet, jedoch sprechen einige den Bienen Leidempfindungsfähigkeit ab. Vorwiegend werden lederfreie Alternativen bevorzugt; auf der anderen Seiten kaufen manche Veganer weiterhin Lederschuhe, begründet mit der „hohen Überschussproduktion“ von Leder durch die Milch- und Fleischtierhaltung, die durch eine sinkende Nachfrage nicht reduziert werden könne. Daunenjacken und -kissen und ähnliches werden abgelehnt, Wollprodukte als Ursache für den frühen Tod und teilweise Pein der Tiere angesehen. Die Welt ohne Jagd und ohne Tierversuche stellt ein Ideal dar. Allgemein werden unter Veganern alle möglichen Verhaltensweisen auf Leidvermeidungsmöglichkeiten geprüft, so sind darüber hinaus Reiten, Zoos, Delphinarien, Zirkusse und anderes Gegenstand von Ablehnung und Diskussion.

Allgemein sind Veganer in allen Bevölkerungsgruppen und -schichten vertreten. Im subkulturellen Bereich gibt es sie in der Anarcho-Punk- und Straight-Edge-Bewegung. In der „alternativen Szene“ gibt es einige Strömungen, in denen Veganismus verbreitet ist.

Weitere Informationen und Links: 

  • Wikipedia


Source:  Wikipedia

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