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38. IVU-Welt-Vegetarier-Kongress, Dresden - Eröffnungsrede

Renato Pichler

16.08.2008

38. IVU-Welt-Vegetarier-Kongress, Dresden - 100 YEARS OF FOOD REVOLUTION

A joint event of the International Vegetarian Union (IVU), and the Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU)


Eröffnungsrede Zum Welt-Vegetarier Kongress 2008 In Dresden

http://www.herenow4u.net/fileadmin/v3media/pics/persons/Renato_Pichler.jpg

Renato Pichler (Präsident der Europäischen Vegetarier Union)


Es ist mir eine Ehre, Sie alle zum Welt-Vegetarierkongress zu begrüssen und Ihnen für Ihr Kommen zu danken.

Die Tatsache, dass so viele von Ihnen nach Dresden gekommen sind, unterstreicht die Wichtigkeit von Zusammenkünften für Vegetarier, denn sie bieten wichtige Gelegenheiten für Gespräche, Ideenaustausch, Zusammenarbeit und Pläne schmieden für die Zukunft.

Noch keine 200 Jahre ist es her, dass zum ersten mal das Wort «Vegetarier» benutzt wurde. Und erst vor 100 Jahren gab es den ersten Welt-Vegetarier-Kongress, auch hier in Dresden.

Seit damals haben wir viel erreicht!

Es hat sich herumgesprochen, dass zur blossen Befriedigung des Gaumens das Töten von Tieren nicht zu rechtfertigen ist.

Auch alle anderen Bedenken und Vorurteile sind den Fleischessern in den vergangenen Jahren abhanden gekommen.

Heutzutage wird kaum jemand die Behauptung aufstellen, dass man ohne regelmäßigen Fleischkonsum krank wird. Schließlich berichtet sogar die weltweit grösste Vereinigung von Ernährungsberatern, die American Dietetic Association, in ihrem Positionspapier von 2003 über die vielen gesundheitlichen Vorteile einer vegetarischen Ernährung..

Auch der Verdacht, dass Vegetarier blasse Schwächlinge seien, wurde ausgeräumt, seit 2005 der vegane deutsche Arzt Alexander Dargatz den Weltmeistertitel der Fitnessklasse im Bodybuilding gewann.

Nicht nur sinde alte Vorbehalte gegen den vegetarischen Lebensstil unhaltbar geworden, sondern auch neue  und sehr beunruhigende Tatsachen über die Konsequenzen der Fleischproduktion tauchen auf, die selbst Politiker und die Lebensmittelindustrie nicht länger ignorieren können.

Im Jahr 2006 veröffentlichte die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) eine Studie, in der die Viehwirtschaft als Hauptverursacher der Klimaveränderung identifiziert wurde, durch die  sogar mehr Umweltschäden verursacht werden als durch den gesamten weltweiten Verkehr zusammengenommen.

Wegen dieser und viele andere Risiken der Fleischproduktion ist es nicht überraschend, dass sich mittlerweile  immer mehr Menschen für ihren Fleischkonsum entschuldigen.

Seit 15 Jahren leite ich die Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus. Dort konnte ich diese Veränderung in der Gesellschaft direkt verfolgen: an unseren regelmässig stattfindenden Standaktionen auf öffentlichen Plätzen wurden wir Vegetarier vor 15 Jahren noch belächelt . Dies hat sich radikal geändert: Die typische Reaktion der Passanten ist heute «Ich esse ja auch nur noch wenig Fleisch», und überzeugte Fleischesser sind froh, wenn man sie nicht anspricht.

Die öffentliche Meinung ist heute also viel positiver, doch wie sehen sich die Vegetarier selbst? Treten sie so selbstbewusst auf, wie sie es könnten? Oder sind sie noch immer froh, wenn niemand merkt, dass sie keine Tiere essen möchten?

Leider scheint mir, dass diese vorsichtige Haltung der Vegetarier bei vielen noch tief sitzt. Man möchte nicht auffallen und ist froh, wenn man in Ruhe gelassen wird.

Wegen der weitreichenden und  extrem bedrohlichen Konsequenzen des Fleischproduktion sollte eine derartig defensive Haltung der Vergangenheit angehören! Die internationale vegetarische Gemeinschaft darf sich nicht länger verstecken.

Die Zeit für eine klare öffentliche Stellungnahme ist gekommen; wir müssen für unseren Lebensstil nach besten Kräften werben. Wer sonst als Vegetarier können schliesslich die  segensreiche  vegetarische Botschaft in eine Welt zu tragen, die durch ökologischen Verfall und durch enorme Belastungen des öffentlichen Gesundheitswesens bedroht wird und konfrontiert ist mit  zunehmender Brutalität in der industriellen Viehzucht?

Ich bin sicher, dass dieser Kongreß uns alle anspornen wird, verstärkt unsere wichtige Nachricht zu verbreiten, die von Albert Einstein so formuliert wurde: «Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.»

Ich wünsche Ihnen allen eine interessante, motivierende und anregende Woche.

Danke.


Quelle: 38th IVU World Vegetarian Congress

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