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auch das Universum befindet sich noch in Entwicklung


Jainismus

Jainismus

GEWALTLOSIGKEIT
das Grundgesetz im Jainismus


 

38. IVU-Welt-Vegetarier-Kongress, Dresden - Die Kraft zum Einklang mit dem Leben

Dr. Eisenhart von Loeper

17.08.2008

38. IVU-Welt-Vegetarier-Kongress, Dresden - 100 YEARS OF FOOD REVOLUTION

A joint event of the International Vegetarian Union (IVU), and the Vegetarier-Bund Deutschlands e.V. (VEBU)


http://www.herenow4u.net/fileadmin/v3media/pics/persons/Dr._Eisenhart_von_Loeper/Dr._Eisenhart_von_Loeper.jpg

Die Kraft zum Einklang mit dem Leben

Tierrechte, Grundgesetz und Dimensionen des Menschseins

I. Einführung

Herzlichen Dank zunächst an den Komponisten Büdi Siebert für seinen wunderbar spürbaren Einklang mit allem Leben zur Eröffnung.

Verehrte Anwesende, ich begrüße Sie alle herzlich und danke der Internationalen Vegetarier Union für die Ehre, zu diesem Welt-Vegetarierkongress und seinem denkwürdigen 100jährigen Jubiläum hier in Dresden zu Ihnen sprechen zu dürfen. Ich scheue nicht den Vergleich: Mir kommt diese Tagung vor wie eine Vollversammlung der Vereinten Nationen, auf der Ideen und Erfahrungen ausgetauscht werden für das Wohlergehen der Menschen, aber auch der Tiere, ja insgesamt für den Planeten Erde und seine künftige Entwicklung.

Rudolf Daur, ein vegetarisch lebender deutscher Pfarrer schrieb 1975 (1)), es habe zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine weltweite vegetarische Welle gegeben, die aber auch deshalb rasch verebbte, weil sie nicht auf tiefen, umfassenden Einsichten beruhte. Hätte die vegetarische Welle weltweit wirklich Wogen des Mitgefühls, der Gerechtigkeit für alles Leben, der Lebensfreude im Miteinander ausgelöst, die schrecklichen Weltkriege mit ihrem unendlichen Leid, der Holocaust, die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki und die ständig brutaler werdende Missachtung unserer Tier-Mitgeschöpfe wären möglicherweise vermieden worden.

Heute, 100 Jahre später, haben wir noch immer die Chance, das Zusammenleben auf dieser Erde von Grund auf zu verändern. Entweder gelingt der Menschheit ein neuer bedeutsamer Entwicklungsschritt in Richtung Einklang mit aller Schöpfung,, oder sie zerbricht an einer selbst verschuldeten Katastrophe nie gekannten Ausmaßes.

Damit komme ich zu meinem Thema: Die Kraft zum Einklang mit aller Schöpfung.

Mit diesem Begriff meine ich den Einklang mit dem eigenen, allem Leben verpflichteten Gewissen. Das heißt aufrichtig, offen und lernbereit gegenüber der Mitwelt sein; ein grundlegendes Wohlwollen empfinden für andere Mitlebewesen; Mitgefühl und Bereitsein zum Dialog mit dem Ziel eines tieferen Verstehens, eines fairen Ausgleichs. Es ist eine Konkordanz von Herz und Vernunft, von Gedanken und Leben, die im Interesse der Lebendigkeit und des Ganzen liegt. Darin spiegelt sich auch die Harmonie mit einer höheren Ordnung.

Dem entgegengerichtet und von jedem einzelnen von uns zu überwinden sind tiefgehende Störungen, Feindschaft, verdrängte und gewaltsam ausgetragene Konflikte, die Leid und im schlimmsten Fall Tod verursachen.

Im 1. Teil meines Vortrags werde ich nun zunächst der Frage nachgehen, ob es ein gemeinsames Ziel für Mensch und Tier gibt und wie sich Konflikte zwischen den Rechten der Menschen und den Rechten der Tiere lösen lassen. Anschließend spielt mein Freund Büdi Siebert erneut einige Minuten für Sie und die Tiere. Sodann werde ich im zweiten Teil meines Vortrags Dimensionen des Menschseins schildern und wissenschaftliche Einsichten darlegen, die mir für das Recht auch der Tiere und die vegetarische Lebensweise, aber auch für die weitere Entwicklung der Menschheit bedeutsam erscheinen.

 

II. Für Menschen und Tiere – unser Einklang im Ziel

In Friedrich Schillers Ode „An die Freude“, vertont von Ludwig van Beethoven in seiner unvollendeten 9. Symphonie, heißt es: Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium, wir betreten feuertrunken, Himmlische, dein Heiligtum. Deine Zauber binden wieder, was die Mode streng geteilt, alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt.“

Etwas Schöneres kann es für einen Menschen wohl kaum geben, als wenn er Lebensfreude erfährt und ausstrahlt. Seine Freude wirkt sich auch belebend auf andere Menschen aus, und durch ihre Präsenz und Resonanz verstärken sich die positiven Kräfte. Diese wohl von jedem von uns schon gemachte Erfahrung entspricht dem Begriff der Nützlichkeit als Lebensprinzip im Sinne des Utilitarismus, der „das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl“ anstrebt. Es ist nur folgerichtig, dieses Ziel nicht nur auf den Menschen zu beschränken, sondern auf alle empfindungsfähigen Wesen zu erweitern. Schon 1789 verwies der englische Jurist, Philosoph und Utilitarist Jeremy Bentham (2) darauf, dass es Zeiten gab, in denen Sklaven ebenso behandelt werden durften wie bis in seine – und in unsere – Zeit die Tiere. Aber, so Bentham, der Tag werde kommen, an dem auch den übrigen lebenden Geschöpfen die Rechte gewährt würden, die man ihnen nur durch Tyrannei habe vorenthalten können (2).

In Schillers dramatischem Gedicht „Der Alpenjäger“ verfolgt ein Jäger die Gemse bis in die oberste Bergspitze. Dort tritt aus einer Felsenspalte der Berggeist dem auf die Gemse zielenden Jäger entgegen. In dem Gedicht heißt es:

Und mit seinen Götterhänden
schützt er das gequälte Tier.
„Musst du Tod und Jammer senden“,
ruft er, „bis herauf zu mir?
Raum für alle hat die Erde,
was verfolgst du meine Herde?“

Johann Wolfgang Goethe forderte: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, und er sagt auch: „Wer Tiere quält, ist unbeseelt, und Gottes guter Geist ihm fehlt.“

Wir Menschen wünschen uns Zufriedenheit, Wohlergehen, Lebensfreude. Das Grundgesetz will das Wohl des Menschen absichern durch Menschenrechte und durch die Wertordnung der Gemeinschaft. Dazu gehört auch der Einklang mit den Tieren und das Tierschutzgesetz. Dieses Gesetz nennt als seinen Zweck, „aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ Seit dem Jahre 2002 hat der Tierschutz als ethische Aufgabe Verfassungsrang und befindet sich damit prinzipiell auf gleicher Ranghöhe wie die Menschenrechte.

Der Mensch und die Gesellschaft müssen sich nun an dem selbst gesetzten Ziel messen lassen, Leben und Wohlbefinden für die Menschen, aber auch für die Tiere zu gewähren. Und wo wir Menschen das gleichermaßen empfindungsfähige Tier nur als Nutz- und Ausbeutungsobjekt verwenden, müssen wir uns fragen, ob wir in gleicher Weise misshandelt werden wollten, wenn wir der Übermacht eines anderen wehrlos ausgesetzt wären.

 

III. Tierrechte und Menschenrechte im Konflikt: Lösbar durch Gesetzesanwendung und praktische Konkordanz

  1. In welcher Situation befinden sich die Tiere in der Abhängigkeit vom Menschen? Können wir uns einfühlen? Dabei helfen uns Erlebnisse und nachfühlbare Bilder und Berichte: Der uns entgegen springende vertraute Hund, der bei unserem Anblick vor Freude mit dem Schwanz wedelt etwa oder die von uns gestreichelte, behaglich schnurrende Katze. Im Kontrast dazu die lebenslang qualvoll im Käfig eingesperrten Legehennen; Affen im Tierversuch, denen monatelang ein Auge zugenäht wird, um an ihrem Gehirn, während man sie im Bändigungsapparat fesselt, Messungen vorzunehmen; oder das Bild der Tiere beim betäubungslosen Schächten oder das Todesgrauen in den Schlachthöfen.

Lassen Sie uns Menschen sein mit Gefühl und Gewissen. Dann wollen wir nicht mitschuldig sein an dem schrecklichen Leiden und dem massenhaften Quälen und Töten der Tiere. Wissenschaftlich gesehen sind all jene Tiere, die in der menschlichen Zivilisation zu Nutztieren, Versuchstieren, Schlachttieren degradiert und mit unvorstellbarer Grausamkeit missbraucht werden, entwicklungsgeschichtlich unsere älteren Geschwister, die ein  vergleichbares oder gar identisches Nervensystem wie wir besitzen und ebenso fühlen, leben und leiden wie wir. Über die Spiegelneuronen gehen einfühlsame Menschen in das „Feld“ der Tiere und erleben mit, was ihnen geschieht, wie dies auch zwischenmenschlich gilt. Wenn wir sagen, dass wir die schrecklichen Bilder gequälter Tiere nicht aushalten können, weil sie uns zu sehr belasten, erscheint es mir umso wichtiger, zu prüfen und zu tun, was positiv für das Recht auch der Tiere getan werden kann.

  1. Zur Ebene des Tierschutzgesetzes: Es soll, wie schon zitiert, das Leben und Wohlbefinden der Tiere schützen. Das Gesetz stellt unmissverständlich die Tötung von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund sowie das Zufügen anhaltender erheblicher Leiden der Wirbeltiere unter Strafe bis zu drei Jahren Gefängnis. Hätte diese Vorschrift den Status eines Verbots, würden unendliches Tierleid und massenhaftes Töten vermieden.

Das Tierschutzgesetz hat die quälerische Massentierhaltung nicht verhindert, obwohl sie jahrzehntelang als kriminelles Haltungssystem bekämpft wurde. Das gilt besonders für die qualvolle Käfighaltung von Legehennen. Aber das Bundesverfassungsgericht hat dieses Haltungssystem im Jahre 1999 verboten und gefordert, jede Tierhaltung müsse mit den gesetzlich anerkannten Grundbedürfnissen der Tiere nach verhaltensgerechter Unterbringung und nach einem Wohlbefinden im weit verstandenen Sinne übereinstimmen. Mit nachhaltiger Unterstützung der Tierschutzorganisationen hatte die Grüne Bundesministerin Renate Künast das Ende der quälerischen Käfighaltung festgelegt. Ihr Nachfolger Horst Seehofer, CSU, jedoch hat diesen Beschluss wieder korrigiert und die Qual der Tiere damit fortgesetzt. Gegen diese Regelung läuft nun eine zweite Klage beim Bundesverfassungsgericht durch das Land Rheinland-Pfalz.

Es verletzt den Rechtsstaat und ist ein Skandal, dass das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1999 keine grundlegende tierfreundliche Veränderung herbeigeführt hat. Angesichts des millionen- und milliardenfachen Tierleids fragt man sich, wieso Staatsanwälte im Falle der Liechtensteiner Steuerflüchtlinge sofort einschreiten, Durchsuchungsbeschlüsse herbeiführen und vereinzelt Verdächtige sogar verhaften, aber beim massenhaften Vergehen gegen Tiere untätig bleiben. Funktioniert unser Rechtsstaat wirklich immer nur dann, wenn es um Geld, und zwar um viel Geld, geht? Und wenn das so ist: Wollen wir wirklich dulden, dass das so bleibt?

Unsere Gesellschaft und unsere Staatsorgane sollten endlich Zeichen setzen, und zwar in dreifacher Hinsicht:

Nach deutschem Recht sind wir in einer Notlage von Menschen und größeren Sachwerten verpflichtet, zumutbare Hilfe zu leisten. Das sollte auch für Tiere in Notlagen gelten.

Zweitens müssen unser Mitgefühl und unser Gesetz dadurch in Einklang gebracht werden, dass die gesetzliche Ansprüche der Tiere auf Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse einklagbar gemacht werden. Gesetzliche Initiativen zur Einführung des Klagerechts für Tierschutzorganisationen sind daher zu unterstützen.

Und drittens appelliere ich an die große Mehrheit unserer Landsleute, die sich als Tierfreunde verstehen, das brutale Leid der Tiere nicht länger als Verbraucher zu finanzieren und in sich hineinzuessen. Unsere Freunde essen wir nicht.

  1. Zur Ebene des Grundgesetzes: Vor 6 Jahren gelang es in Deutschland, den Umweltartikel 20a Grundgesetz: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen“ um die drei entscheidenden Worte „und die Tiere“ zu erweitern. Mehr als 2/3 des Parlaments stimmte schließlich dafür. Die Verfassungsänderung war ein großer Erfolg, den wir Menschen für Tierrechte nach langjährigen Bemühungen erreichen konnten. Den dadurch geschaffenen Bedeutungszuwachs für den Tierschutz kann man mit einer in die Bundesliga aufsteigenden Fußballmannschaft vergleichen, die nun praktisch nicht mehr absteigen kann. In Konfliktfällen fehlt es allein deshalb an einer Chancengleichheit für den Tierschutz, weil das Gesetz das Klagerecht für Tiere noch nicht zulässt.

Der Verfassungsrang für ein ethisches Mindestmaß an menschlichem Verhalten gegenüber den Tieren schafft die hochrangige Aufgabe, neben die menschliche Freiheit die Solidarität mit den Tieren zu stellen, und zwar auch wegen der Würde des Menschen (3).

Geraten die Lebensrechte der Tiere und die Freiheitsrechte des Menschen in Konflikt, dann gilt nach der Regel des Bundesverfassungsgerichts, der Grundsatz der praktischen Konkordanz. Das heißt, der schonendste Ausgleich: Es muss nach den Umständen des Einzelfalles durch eine Abwägung ermittelt werden, welche der miteinander konkurrierenden Güter für die konkrete Frage das höhere Gewicht haben. Und es muss (Grundsatz der Verhältnismäßigkeit) jedes der Verfassungsgüter, wenn auch beschränkt durch das jeweils andere, zu möglichst optimaler Wirksamkeit gelangen (4). Übrigens kommt das Wort Konkordanz aus dem Lateinischen und heißt Übereinstimmung, es entspricht also meinem Thema der Kraft zum Einklang. In dem Wort steckt auch cor, französisch le coeur, das Herz. Also muss der Einklang nach dem tieferen Wortsinn dem Herzen entsprechen.

  1. Lösungsbeispiele praktischer Konkordanz

Was bedeutet praktische Konkordanz im Konflikt von Menschenrechten und dem Verfassungsgut Tierschutz? Ich möchte das anhand dreier Beispiele erläutern:

a) Zum Konflikt von Wissenschaftsfreiheit und Tierversuchen:

Der Anspruch des Tieres auf Befriedigung seiner Grundbedürfnisse und auf sein Leben steht bei Anwendung der praktischen Konkordanz prinzipiell gleichwertig schutzwürdig dem Forschungsdrang des Wissenschaftlers gegenüber. Tiere dürfen dann nicht zu wissenschaftlichen Zwecken gequält werden, weil dies die Menschenpflicht gegenüber den Tieren zentral verletzt und weil darauf beruhende Versuchsergebnisse wissenschaftlich unbrauchbar sind (5). Der Affe und die Maus im Labor, die täglich gestresst und künstlich krank gemacht werden, geben keine Antwort darauf, warum beim Menschen aufgrund ganz anderer Verhältnisse eine Krankheit ausbricht. Außerdem gibt es eine intelligente Forschung und Behandlung der Krankheitsursachen des Menschen. Ich kann damit verbundene Fragen hier nicht vertiefen und verweise auf den Workshop von Corinna Gericke. Solange Tierversuche noch stattfinden, muss als nächster Schritt dringend die Tierschutz-Verbandsklage gesetzlich eingeführt werden, wie es im Land Bremen bereits gelungen ist. Nur auf diesem Wege können Tierschutzorganisationen notfalls vor Gericht überprüfen lassen, ob ein Tierversuch gemäß dem Gesetz wirklich unerlässlich und ethisch gerechtfertigt ist.

b) Zum Konflikt von Religions- und Berufsfreiheit kontra Tierethik:

Solange Tiere zum Fleischverzehr getötet werden dürfen, muss es nach dem Grundsatz praktischer Konkordanz selbstverständlich sein, diesen Tieren zumindest keine vermeidbaren Leiden zuzufügen. Es darf nicht länger zulässig sein, dass der Glaube einer Religionsgemeinschaft einen Freibrief zum betäubungslosen Schächten der Tiere gibt. Damit verbundene furchtbare Qualen und Todesängste zu vermeiden, ist auch dem Mitgefühl der großen Mehrheit der Menschen geschuldet. Der entsprechende Gesetzesantrag des Bundesrates, der diesem Maßstab entspricht, ist daher zu unterstützen (6).

c) Ich stelle nun die Frage: Gibt es ein Menschenrecht auf Tiertötung zwecks Fleischverzehr?

Die praktische Konkordanz, also der reale Einklang und verhältnismäßige Ausgleich der Gegensätze zwischen Menschen- und Tierrechten würde bedeuten: Nur wenn es bei Mensch und Tier gleichermaßen um die Selbsterhaltung geht, darf der Mensch sich den Vorzug geben. Wer als Eskimo in der Arktis lebt, kann sich wohl ähnlich einem Eisbären nur von Fleisch und Fisch ernähren. Ist die Selbsterhaltung des Menschen aber auch ohne Tiertötung und Fleischverzehr möglich, ja sogar dem sittlichen, seelischen und gesundheitlichen Wohlergehen des Menschen dienlich, dann ist die Tiertötung zum Fleischkonsum mit dem grundlegenden Recht des Tieres auf Leben nicht zu vereinbaren. Dieses Recht ist neben dem Qualverbot das stärkste Anrecht der Tiere, weil es die vitale Basis seiner gesamten Existenz darstellt. Darf man die Umstellung der Ernährungsweise von Fleischnahrung auf vegetarische Vollwertnahrung jedenfalls als für den Menschen in aller Regel nicht nachteilig ansehen, im Gegenteil oft sogar als dauerhafte Hilfe zur Gesundung, dann liegt darin ein typisches Beispiel praktischer Konkordanz und friedlicher Koexistenz zwischen Mensch und Tier.

Und es gibt für die vegetarische Lebensweise sehr gute vernünftige Gründe: Sie schafft Lebensfreude für Mensch und Tier und verringert die menschliche Schuld am schrecklichen Leid und Tod der Tiere. Realisierter Tierschutz ist zugleich Erziehung zur Menschlichkeit. Beim Fleischverzehr verbrauchen wir bekanntlich siebenmal mehr Energie als wenn wir direkt Pflanzen zu uns nehmen. Da heute schon 850 Millionen Menschen unterernährt sind und die Weltbevölkerung bis zur Jahrhundertmitte auf 9 Milliarden Menschen wachsen soll, kann das Menschenrecht auf Nahrung weltweit nur durch nachhaltige Umstellung auf pflanzliche Nahrung erfüllt werden (7). Menschenrechte und Tierrechte lassen sich auf diesem Wege global in Einklang bringen.

Die Konkordanz von Mensch und Tier lässt sich auch auf das deutsche Sprichwort stützen: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“. Das Tier ist ein uns verwandtes, ein zwar anderes, aber ein fühlendes Lebewesen, dem wir das nicht zufügen dürfen, was wir als Menschen selbst nicht erleiden wollen. Unsere Gesellschaft muss das nur in die Tat umsetzen. Das wäre der Quantensprung zum realen Recht auch der Tiere und zur vegetarischen Lebensweise!

In jedem Falle gilt: Die vegetarische Lebensweise und Vision einer neuen Mensch-Tier-Ethik findet seit dem Jahre 2002 durch die Aufnahme der Tierschutzethik ins Grundgesetz in der deutschen Rechtsordnung höchsten Ranges auch eine juristische Basis. Allerdings überlässt das Grundgesetz es dem niederrangigen Gesetz, die Mensch-Tier-Konflikte im einzelnen zu regeln. Deshalb kann bis heute die unerträglich grausame Tierausbeutung und die massenhafte Tiertötung zwecks Fleischverzehr nicht verhindert werden (8). Umso mehr kommt es auf uns selbst an, auf unser Einstehen für  die Tierrechte und die vegetarische Lebensweise, die beispielhaft sind für den Einklang mit dem Tier gemäß dem Grundgesetz.

 

IV. Die Kraft zum Einklang – Dimensionen des Menschseins

Ich möchte nun die Frage untersuchen, welche Mittel und Wege die Kraft zum Einklang des Menschen mit sich und mit dem Tier dynamisch vertiefen, mit verwandten Entwicklungen verknüpfen, wachsen lassen und zu noch stärkerem gesellschaftlichem Erfolg führen können. Diese Frage reicht weit über die rechtliche Ebene hinaus und berührt unser Menschsein und die weltweite Zukunft.

Ich verbinde mit der Frage einen persönlichen Erfahrungs- und Entwicklungsprozess: Vor drei Jahren war ich an einem Wendepunkt in meinem Leben angekommen. Ich war von einer Krankheit unklarer Ursache erfasst, die bis zu Lähmungserscheinungen, starkem Gewichts- und Kräfteverlust und in die Intensivstation führte. Auf der Suche nach der Quelle meines Daseins und in dem starken Verlangen, von ihr getragen zu sein, bin ich in einer Nacht aufgewacht und habe wie verwandelt einen ganz neuen Kräftestrom in meinen Organen gespürt, hörte einen summenden Ton, wie wenn ich in den Erdkreis zurückkehre, war hellsichtig, sah an dem Morgen das Sonnenlicht in unglaublich starker Strahlung und war innerlich gewiss der geistigen Welt, die seit jeher ist, alles Irdische ermöglicht und ihm von innen her ein Leuchten gibt. Ich habe dann noch vieles Dramatische erlebt, bis ich, obwohl ich von herkömmlichen Schulmedizinern schon aufgegeben war, wieder zu neuem Leben gefunden habe. Ich habe in dieser Zeit eindringlich erfahren, dass ich den Einklang mit mir selbst und mit meiner Mitwelt nur gewinne, wenn ich in meiner Wesenstiefe berührt bin, wenn ich dankbar bin für den täglichen Lebensquell, wenn ich liebend bin und mit dem Herzen sehe und wenn ich im Kontakt mit anderen meine Verantwortung wahrnehme. Zu diesem persönlichen Hintergrund bekenne ich mich.

In der Suche nach der Kraft zum Einklang sehe ich zwei Modelle in horizontaler und vertikaler Dimension als hilfreich an:

1.

Zuerst das horizontale 8 Stufen-Modell nach dem Naturphilosophen Prof. Klaus Michael Meyer-Abich (9) mit folgenden unterschiedlichen Grenzen der Rücksicht. Dabei betreffen die Stufen 1 – 5 den Menschen und seine Art, die Stufen 6 – 8 ein artübergreifendes Menschsein.

    1. Rücksicht nur auf sich selbst (Egozentrismus, im Extrem bis zum Recht über Leben und Tod von Sklaven und anderen),
    2. auch auf seine Familie, Freunde und Bekannte (im Extrem Vetterleswirtschaft, Korruption bis hin zu Mafia-Verbrechen),
    3. auch auf sein Volk (Nationalismus bis zum hemmungslosen Völkermord),
    4. auch auf die heutige Menschheit (anthropozentrische Ethik ohne Rücksicht auf nachfolgende Stufen, insbesondere die Tierwelt),
    5. auch auf die künftigen Generationen der Menschheit (erweiterte Anthropozentrik),
    6. auch auf alle bewusst empfindenden Lebewesen (Pathozentrik, Buddhismus, Tierrechte),
    7. Rücksicht auf alles Lebendige (Individuen und Arten), so die Ehrfurcht vor dem Leben nach Albert Schweitzer,
    8. Rücksicht auf alles, das heißt Achtung vor aller Mitwelt, hierher gehört auch die Idee des Naturforschers Lovelock (10), der die Biosphäre der Erde, Gaia, als eine sich selbst regulierende Wesenheit darstellt. Sie hat die Fähigkeit, unseren Planeten gesund zu erhalten, also auch zum Beispiel die Temperatur im Erdkreis in den engen Grenzen zu halten, die das biologische Leben braucht. Sheldrake (11) meint, es komme darauf an, dass wir die richtige Beziehung zu Gaia finden. Das werde weitaus entscheidender für unsere Zukunft sein als das endlose Drama menschlichen Interessendenkens. Ich möchte mit Sheldrake diesen 8 Stufen als 9. Stufe die Aufmerksamkeit auch für die unsichtbare geistige Welt hinzufügen, aus der wir und alles Leben kommen.

In der Stufe 6 der bewusst empfindungsfähigen Lebewesen geht es um die Schmerz und Leid fühlenden Tiere. Dabei ließe sich analog den Stufen 1 – 5 aufgliedern, dass die Nähe zum Tier meist mit dem Haustier beginnt und sich in Tierschutzvereinen mit dem Schutz verwahrloster und hilfebedürftiger Tiere einer Gemeinde befasst, um sich dann zu erweitern auf die Gesetzgebung des Landes und auf Tierrechte analog den Menschenrechten. Schon die Vordenker der Menschenrechte Rousseau und Bentham, aber auch Friedrich Schiller und andere (12) haben sich für die Rechte auch der Tiere eingesetzt.

Als faszinierend empfinde ich, dass wir notgedrungen weltweit wegen der durch Klimaveränderungen entstandenen und ständig zunehmenden Naturkatastrophen genötigt sind, bereits Stufe 8 des Modells wahrzunehmen und mehr Rücksicht auf alle Mitwelt zu üben. Das ist bisher aber nur punktuell der Fall und müsste sich grundlegend auch zugunsten der vorangehenden Entwicklungsstufen, also auch für die Tiere, ihre Lebensräume und für die Schonung alles Lebendigen auswirken. Schließlich zeigen die furchtbaren Vernichtungspotentiale der Atommächte und des durch blinden Fanatismus gespeisten Terrorismus, wie zentral und lebenswichtig es ist, alle Stufen der Rücksichtnahme, insbesondere auch für die Nachwelt, für die gesamte kreatürliche Mitwelt und für die Grundlagen allen Lebens zur Geltung zu bringen.

2.

Das horizontale Modell der 8 oder 9 Stufen können wir ergänzen durch ein zweites Modell für einen besseren Einklang des Menschen mit sich und seiner Mitwelt. So gibt es das vertikale Heilsystem für ganzheitliche Gesundheit, das nach einem alten indischen Yoga-Modell entwickelt wurde (13): Hiernach bestehen im Menschen 5 vertikale Stufen, nämlich

  1. der physische Körper mit Sinneswahrnehmungen und Bewegung,
  2. der elektrische Körper mit Gefühlen, Erregtheit (Nervensystem, Aura),
  3. der mentale Körper mit Glaubenssätzen, Einstellungen, Gedanken, Verstand,
  4. der Traum-Körper oder die Intuition mit Trance und medialen Zuständen, also das innere, nicht wissentliche Bewusste (Unbewusste),
  5. auf höchster Stufe der Geist, der sich in Freude und Einssein mit Gott, in höherem Bewusstsein zeigt. Daraus strömt die organisierende Lebenskraft, die Selbstheilungskraft in uns.


Faszinierend erscheint mir, wie sehr in unserer Zeit wissenschaftliche Einsichten die steuernde Kraft des Geistig-Seelischen in aller irdischen Formgestalt aufdecken:

Der französische Physiker Jean Charon spricht vom Geist der Materie, von kleinsten geisttragenden Elementarteilchen, den Elektronen, die er als „Äonen“ bezeichnet, weil sie seit den Anfängen der Evolution bestehen (14). Er verweist auf den großen Physiker Newton, den Begründer der Gravitationslehre, der bereits hinter dem phänomenalen Licht das numinale potentielle Licht sah, das den Geist lebender Organismen darstellt. Der amerikanische Zellbiologe Bruce Lipton schildert in seinem Buch „Intelligente Zellen“ (15), dass unser Leben nicht allein durch unser Erbgut, sondern nachweisbar durch unsere Erfahrungen im Kontakt mit unserer Umwelt und durch unsere Einsichten geprägt wird. Nach den Erkenntnissen von Prof. Fritz Popp (16) besteht in unseren Zellen eine Biophotonen-Strahlung. Die Lichtspeicherfähigkeit der Zellen begründet hiernach das Maß von Vitalität und Gesundheit eines Organismus. Nach dem von dem deutschen Physiker Max Planck erkannten Strahlungsgesetz hängt die Ausstrahlung elektromagnetischer Energie von der Wellenlänge der Strahlung ab. Darin zeigt sich der Geist der Materie, die – wie selbst das Wasser – ein Gedächtnis hat und nach der Quantentheorie zugleich Teilchen- und Wellencharakter aufweist (17). Für das alte Weltbild des Materialismus, das dem mitleidlosen Missbrauch der Tiere zugrunde liegt, bleibt da kein Raum.

Es gibt, so sagt Sheldrake, im Herzen aller Dinge „leuchtende, unerschaffene Strahlungen des Göttlichen“, die eine unaufhörliche Vitalisierungskraft des Geistes in der Welt bedeuten (18). Bei Goethe heißt es: „Kein Wesen kann zu nichts zerfallen, das Ewge regt sich fort in allen“. Ich darf meine Verse hinzufügen:

Ich bin das Lebenslichtmeer,
dessen Wogen dich bewegen,
wenn du dich ganz und gar mir gibst,
ich bin der Schlüssel zu dem Haus,
in dem du Heimat hast,
bin A und O, bin deine Spur,
die immer weiter führt,
die alles Weite nah und Nähe weit sein lässt.
Ich bin das Leben, das im Tod sich nicht verliert,
das in dem Einklang mit dem Sein sich neu gebiert
und dieser Erde Wärme überlässt,
die sie im Werde ihres Weiterganges braucht.

Die Schriftstellerin Helena Renate Gabler-Almoslechner, die 1903 bis 1992 lebte, sich vegan ernährte und mich auf meinem Lebensweg stark beeindruckte, stimmt in ihren empirischen Forschungen mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen von Sheldrake, Charon, Lipton und anderen überein (19). Aber sie geht darüber hinaus und präzisiert: Die leuchtende Strahlung nach Sheldrake ist bei ihr eine transzendente, das Leben organisierende Strahlkraft Helioid, die über den Odleib der Seele in uns leuchtet. Gabler-Almoslechner unterscheidet davon die in unserem Körper zugleich vorhandene magnetisch sammelnde und die elektrisch spannende Elementarkraft. In unseren Zellen und in unserem psycho-physiognomischen Erscheinungsbild wirken die transzendenten und die elementaren Kräfte individuell unterschiedlich zusammen.

Betrachten wir das Modell der 5 Körperebenen: Der 5. und 4. Körper dieses Modells ist die geistige und seelisch-intuitive Ebene. Hier empfinden wir die „Freude schöner Götterfunken“ am Lebendigen, das Einssein mit jener Kraft, die unser Lebenslicht, unser und aller Geschöpfe Daseinsgrund ist. Die Religion der Liebe, der Wahrheit und der Gewaltfreiheit gehört hierher, demgemäss die Botschaft Jesu vom Reich Gottes in uns, die Lebenskraft Chi, die Selbstheilungskräfte.

Die Kräfte unserer Lebendigkeit stützen sich auf ein Meisterstück der Natur, die Zelle. Bedenken wir, dass unser Körper aus 70 Billionen Zellen besteht, die sich ernähren, wachsen und sich vermehren und miteinander kommunizieren, bis so etwas Sensationelles wie der Mensch durch das Leben läuft (20). Ist das Zusammenspiel der Zellen im Körper nicht beispielhaft dafür, wie die Völker dieser Erde im Interesse des Ganzen kooperieren sollten?

Von größter Bedeutung für die weitere Entwicklung der Menschheit und unseres Planeten ist die Frage, ob es gelingt, das Zusammenleben neu nach unserer Herzintelligenz zu bestimmen. Im Jahre 1996 publizierte Daniel Goleman seinen Bestseller „Emotionale Intelligenz“, mit dem er weltweit Aufsehen erregte. Wenige Jahre später haben die Wissenschaftler Childre und Martin ihr Werk „Die Herzintelligenz-Methode“ veröffentlicht (21). Hiernach sind immer mehr Menschen bereit, ihre Herzensqualitäten mehr in ihr Leben zu integrieren, weil es ihnen persönlich gut tut und dem Ganzen dient. Treffend bemerken sie, genau darin liege der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit, nämlich die mentale und emotionale Intelligenz zu kultivieren und zu praktizieren. Dieser Grundgedanke ist zu konkretisieren durch Anwendungsbeispiele in allen Lebensbereichen, insbesondere durch das Eintreten für die Rechte der Tiere und für eine neue Achtsamkeit, die sich in einer vegetarischen Lebensweise ausdrückt.

Von Saint-Exupéry stammen die Worte: „Man sieht nur mit dem Herzen gut“. In fast allen Kulturen der Menschheit wird das Herz als Quelle der Weisheit und der Gefühle, vielfach als Sitz der Seele, als Verbindung zwischen Gott und Mensch gesehen. Im ungeborenen Menschen und im höheren Säugetier beginnt das Herz zu schlagen, bevor sich das Gehirn gebildet hat. Und wenn sich das Gehirn des Menschen entwickelt, beginnt es mit dem einfachsten Teil des Gehirns, dem Stammhirn. Dann entstehen die emotionalen Zentren und später erst daraus das denkende Gehirn. Neurowissenschaftler haben entdeckt, dass das Herz sein eigenes, unabhängiges Nervensystem hat, das als „Gehirn im Herzen“ bezeichnet wird.

Childre und Martin bezeichnen die Herzintelligenz als eine äußerst schnelle, intuitive Quelle der Weisheit und der Wahrnehmung, die sowohl die mentale als auch die emotionale Intelligenz umfasst und erhöht und die jedem von uns als organisierender Kraft innewohnt. Im Unterschied dazu hat der Intellekt, so Albert Einstein, zwar starke Muskeln, aber keine Persönlichkeit. Der Intellekt dürfe daher nicht herrschen, nur dienen.
Intelligenz und Intuition nehmen zu, wenn wir lernen, stärker auf unser Herz zu hören, also Einfühlung und Wertschätzung, Dankbarkeit, Fantasie und Liebe zu aktivieren (22). Befinden wir uns damit in Harmonie, setzen, wie Forschungsstudien ergeben, wasserfallartige Veränderungen im Nervensystem und in der Biochemie ein, die sich praktisch auf jedes Organ im Körper auswirken. Wichtig sind im Sinne von Bert Hellinger (23) primäre Gefühle, die der Situation entsprechen und zum Handeln befähigen, also frei und stark machen. Immer geht es um die Entwicklung neuer, intelligenter Lösungen, welche die Kohärenz (den Zusammenhang) und die Harmonie fördern. Positive Gefühle hemmen Angst, Stress und Depression und stärken das Immunsystem (24). So erstaunlich hilft uns der Geist der Materie.

Insgesamt bestätigen die wissenschaftlichen Erkenntnisse die Richtigkeit der Nächsten- und Feindesliebe, der Achtsamkeit und Lebendigkeit, der Aufrichtigkeit und der Bedeutung des im Einklang damit stehenden Verhaltens. Das muss Konsequenzen auch für das zutiefst gestörte Verhältnis unserer Gesellschaft zu den Tieren haben. Denn es gehört zu den primären Gefühlen des Menschen, mit dem Leben und Schicksal fühlender Tiere, die ein emotionales Herz und Sinne haben wie wir, in Resonanz zu gehen, aufrichtig Anteil zu nehmen und im Einklang mit ihnen für ihr Recht auf Leben und eine damit zu vereinbarende Ernähungsweise einzustehen.

 

V. Ergebnis und Ausblick

Zusammenfassend nenne ich drei Forderungen, die dazu beitragen, zu einer Kultur des lebendigen Einklangs von Mensch und Tier zu kommen und damit auch im globalen Sinne für Frieden und Gerechtigkeit einzustehen:

  1. Die Stärkung der Rechtsebene muss durch einklagbare Tierrechte, durch eine praktische Konkordanz und friedliche Koexistenz von Mensch und Tier verwirklicht werden. Das wäre national und global ein wesentlicher Beitrag zur Überwindung von Gewalt, Terror und Kriminalität. Es gibt keine heile Welt nur für Menschen, die Brutalität gegenüber Tieren praktiziert, denn diese  durch den Menschen ausgeübte Brutalität entstellt ihn selbst. Der Schutz Wehrloser, etwa auch hilfebedürftiger Menschen, wird wesentlich gestärkt und für Jugendliche beispielhaft, wenn der Rechtsschutz und die Leitidee der Gerechtigkeit schon beim Tier beginnt.

 

  1. Es gilt, die Rechte der Tiere und die vegetarische Lebensweise mit der Herzintelligenz zu verknüpfen und die liebevolle Hinwendung zu allem Leben zu praktizieren. Geben wir auf dieser Grundlage ein überzeugendes Beispiel.
  1. Wenn wir die Kraft des Rechts und die Herzintelligenz für Menschen, Tiere und das Ganze bündeln, sollten daraus Mut, Weisheit und intelligente Lösungen erwachsen. Die globale Vernetzung und der Austausch zwischen Menschen aller Kulturen und Nationen - wie auch auf diesem Welt-Vegetarier-Kongress – sind stärker denn je. Die vegetarische Welle ist nach 100 Jahren heute eine Woge, die sich mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und mit starken internationalen Strömungen für Frieden, Gerechtigkeit, kulturellen Dialog und biologische Vielfalt vereint (25). „Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, wusste schon Hölderlin. Die allumfassende Achtsamkeit gegenüber Mensch und Tier stellt einen bewusstseinsmäßigen Quantensprung dar, der die Zerstörungskräfte der Gewalt umlenkt in ein globales Einstehen für ein gerechtes Miteinander und für unser aller Überleben. Also: Helfen wir mit, dass der Einklang für das Leben gelingt.

Referenzen

    •  

      1. in: Wilhelm Brockhaus, Das Recht der Tiere in der Zivilisation, S. 234, 239
      2. Bentham, An Introduction to the Principles of Morals an Legislation, vgl. auch das Zitat in: Mensch und Tier, Betrachtungen einer Beziehung, S. 15, Herausgeber Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg e.V.
      3. siehe Geis, CDU/CSU, Bundestags-Drucksache stenographischer Bericht 14/23665, 23666 sowie Schmitt, SPD daselbst 14/23668, vgl. Hirt/Maisack/Moritz, Tierschutzgesetz, 2. Auflage S. 58 f. sowie Kluge-von Loeper, Tierschutzgesetz, Einführung, Randnummer 104a - 104g
      4. siehe BVerfGE 28, 243, 261; 47, 327, 369 f.; 69, 1, 54 f.
      5. siehe von Loeper, Tierschutz ins Grundgesetz, Die Bedeutung eines effektiven Tierschutzes für unser Rechts- und Wertbewusstsein in: Zeitschrift für Rechtspolitik 1996, S 143, 146 f.
      6. Näheres siehe Bundestagsdrucksache 16/6233 sowie die 10 Seiten umfassende Stellungnahme der Juristen für Tierrechte an die Fraktionen des Deutschen Bundestages, Kontakt möglich über E-Mail: maisack[at]tierrechte.de
      7. siehe dazu SWR 2 Wissen – Ernährung – Der lange Kampf gegen den Hunger, eine Sendung von Werner Eckert vom 17.5.2008
      8. § 17 Nr. 1 Tierschutzgesetz stellt das Töten von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund unter Strafe ohne diese Gründe näher zu definieren. Auch ermächtigt der Gesetzgeber in § 4b zum Erlass einer Tierschutz-Schlacht-Verordnung, die allein das Wie und nicht das Ob der Tiertötung regelt. Auch bei herkömmlichen Schlachtmethoden ist die Betäubung oft gesetzwidrig unzureichend, vgl. Hirth-Maisack-Moritz, Kommentar zum Tierschutzgesetz, 2. Auflage S. 758, Randnote 8
      9. siehe sein Buch Wege zum Frieden mit der Natur, S. 22f.
      10. James Lovelock, Unsere Erde wird überleben: Gaia, eine optimistische Ökologie (1982); The Ages of Gaia,   A Biography of our Living Earth
      11. Rupert Sheldrake, Die Wiedergeburt der Natur (1991), S.180, 185
      12. Tier und Mensch, Betrachtungen einer Beziehung (etwa 700 Zitate von Personen der Menschheitsgeschichte bis in die Neuzeit)
      13. wiedergegeben von Dr. Dietrich Klinghardt, Psycho-Kinesiologie
      14. vgl. Der Geist der Materie S. 11
      15. 4. Auflage 2007, englischer Originaltitel Biologie of Beliefs
      16. Fritz-Albert Popp, Biophotonen – Neue Horizonte in der Medizin, 3. Auflage 2006
      17. auch Sheldrake aaO, S. 136 ff. sowie Schwartz/Russek, Alles erinnert.
      18. Sheldrake, S. 229
      19. Im vorliegenden Zusammenhang hervorzuheben sind die Werke: Künftige Tage (1962), wer-was-wie bist du? Physiognomische Psychologie (1979) sowie Eine Weltanschauung (1996) jeweils im Eigenverlag erschienen. Die zwei letzteren Bücher und weitere Informationen über Seminare zur Physiognomischen Psychologie nach H.R. Gabler-Almoslechner sind zu beziehen durch otto.alexander[at]t-online.de
      20. Näheres vgl. Grillparzer, Körperwissen, S. 22
      21. Doc Childre, Howard Martin, Titel der amerikanischen Originalausgabe: The Heart Math Solution (1999)
      22. vgl. dazu auch Graciella Schmidt, Im Herzen berührt (3. Auflage 2007)
      23. Bert Hellinger …
      24. siehe David Servan-Schreiber, Neue Medizin der Emotionen
      25. vgl. z.B. die internationalen Kongresse vom 9. bis 11. Mai 2008 in Würzburg über „Identitäten“ und vom 12. – 16. Mai in Bonn „Planet Diversity“, parallel zu den Verhandlungen der UN Konvention zur biologischen Vielfalt.

       


Quelle: 38th IVU World Vegetarian Congress

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