Fleischlos in Dresden: Welt-Vegetarier-Kongress mit über 600 Gästen
24.07.2008
Dresden.
Vegetarier aus aller Welt tagen und tafeln von diesem Sonntag an in Dresden. Damit kehrt die International Vegetarian Union (IVU) 100 Jahre nach der Gründung an ihre Geburtsstätte zurück. Zum 1. Welt-Kongresses im August 1908 war die IVU in Dresden entstanden. „Das Interesse an vegetarischer Ernährung wächst“, sagte der Chef des Vegetarier-Bundes in Deutschland (VEBU), Thomas Schönberger, am Mittwoch der dpa. Jeder neue Fleischskandal lasse die Menschen nach Alternativen suchen. Laut Umfragen ernähren sich etwa 10 Prozent der Deutschen ohne Fleisch. Wiederum ein Zehntel davon lebt vegan und verzichtet damit auch auf tierische Produkte wie Ei und Milch.
Nach Angaben des deutschen Vegetarier-Bundes reisen mehr als 600 Teilnehmer aus 33 Ländern zum 38. Welt-Kongress an die Elbe, darunter aus Algerien, China, Singapur, Taiwan und Uganda. Nach dem Willen der Veranstalter soll das Motto „100 Years Of Food Revolution“ (100 Jahre Ernährungsrevolution) den wachsenden Zulauf zu einer fleischfreien Ernährung deutlich machen. „Vegetarisch zu leben ist weltweit für Millionen Menschen, vorwiegend aus ethischen Gründen, selbstverständlich geworden“, sagte Schönberger. In Deutschland sei der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch in den vergangenen 20 Jahren von 70 auf 60 Kilogramm gesunken.
In Abhängigkeit von Ernährungsgewohnheiten und Angebot ist der Fleischverbrauch in Industriestaaten generell höher als in Entwicklungsländern. Oft ist hier für viele Menschen nur der „Sonntagsbraten“ Realität, mitunter bleibt Fleisch allein den Männern vorbehalten. Gründe für einen freiwilligen Fleichverzicht sehen Experten nicht nur beim Tierschutz. Auch der Wunsch nach gesunder Ernährung und Allergien machten Kost jenseits von Haxe und Bratwurst appetitlich. „Inzwischen ist das Angebot in den Geschäften viel besser. Vegetarisches Grillen ist heute überhaupt kein Problem mehr“, sagte VEBU-Sprecher Hilmar Steppat auf Anfrage.
Der Häufigkeit nach sind heute vor allem junge Frauen mit einem höheren Abschluss in Deutschland Vegetarier, hieß es. Schulischer Unterricht über gesunde Ernährung, Aufklärungskampagnen, aber auch Kochshows im Fernsehen hätten das Interesse geweckt. Auf dem Dresdner Kongress bestimmt eine Themenfülle das Programm. So geht es in Vorträgen um Tierschutz, Religion, Gesundheit oder Ökologie. Auch das Hungerproblem in vielen Ländern soll zur Sprache kommen. Im Tagungsort Kulturpalast wird aus praktischen Gründen ausschließlich vegan gekocht. In den diversen Hotels und Pensionen können sich Vegetarier bei Bedarf aber auch am Frühstücksei erfreuen.