Das Leben ist zu kurz um es nur mit Sex zu verbringen.
Sexuelle Begierde und Verlangen nach schmackhaften Objekten sind zwei grundlegende Kräfte, die das Bewusstsein an die Vitalzentren unterhalb des Bauchnabels binden. Entsprechend dreht sich das Leben nur um sie und alles erscheint nur in ihrem Licht.
Kayotsarga ist eine Tiefenentspannung zur Vorbereitung für den Aufstieg.
Ziel unserer spirituellen Bemühungen ist, unser Bewusstsein auf eine höhere Ebene zu bringen. Aufwärts gerichtete Energieströme beginnen oberhalb des Bauchnabels, in der Höhe des Herzens. Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf sie, sind die vitalen Kräfte weiterhin wirksam, doch ohne weitere Beachtung verlieren sie ihre Dominanz und der nach oben gerichtete Energiestrom wird nicht behindert.
Geringerer Energieverbrauch durch Stillsitzen.
Tapa - die treibende Kraft für die Reise aufwärts.
Energiegewinnung und -erhalt.
Vertikal aufwärts gerichteter Energieverlauf
Die Route für unsere Reise finden wir im Körper. Dort sind zwei Zentren in diesem Zusammenhang interessant. Eines wird als Zentrum des Bewusstseins bezeichnet, das andere als Zentrum der Sexualenergie. Ersteres befindet sich zwischen Bauchnabel und Kopf, das andere unterhalb des Nabels. Auf diese beiden Zentren konzentriert sich unser Bewusstsein und erzeugt einen gewaltigen Energiestrom. Die Hauptquelle dieses Energiestroms ist das Sexualzentrum unterhalb des Nabels. Hier verdichten sich Bewusstsein und Energie im Nervengeflecht der Organe.
Das Aufsteigen des Stromes der Lebensenergie ist der erste Schritt auf dem spirituellen Weg. Auch das versteht man unter Tapa, denn Tapa ist die Konzentration auf den aufwärts gerichteten Strom der Lebensenergie. Doch wenn die Lebensenergie tatsächlich aufwärts steigt, wird es zu Turbulenzen kommen. Der Weg aller großen Revolutionen ist mit Aufruhr und Ausbrüchen verbunden. Diese können nur erzeugt werden, wenn uns genügend Energie dafür zur Verfügung steht. Also gilt es, unsere Kräfte gezielt einzusetzen.
Das Universum ist voller Schwingungen. Wer das Geheimnis sinnlicher Freuden kennt, weiß auch, wie man die Verbindung zu ihnen auflöst. Wer weiß, wie man die Verbindung zu sinnlichen Freuden löst, kennt auch ihr Geheimnis.
Im Körper des Menschen ist das Nervensystem Träger von Wissen und Bewusstsein, es manifestiert sich hauptsächlich im Bereich zwischen Steißbein und Gehirn.
Westfassade des Adinatha geweihten, auch Dharna Vihara genannten Jain-Tempels von Ranakpur, von 1439, mit der imposanten, zum Haupeingang führenden Treppenflucht und den sich über den zahlreichen Nebenschreinen (devakulikas) erhebenden Türmchen mit ihren Jain-typischen rotweißen Fahnen und Glöckchen.
Allgemeine gesellschaftliche und religiöseSituation im 6.Jh. Indien erlebte im 6.Jh.v.Chr. eine spirituelle und philosophische Blüte, vergleichbar der, die sich parallel dazu in China (Konfuzius und Laotse), Persien (Zarathustra), Israel (Jesaja und Jeremias) und Griechenland (Thales und Pythagoras) entwickelte.....
Ältere Ursprünge der Lehre Wahrscheinlich trug Mahavira keine gänzlich neue Lehre vor, sondern entwickelte ein Gedankengebäude weiter, das vor ihm bereits Parshva und davor möglicherweise noch andere verkündet hatten. Dafür spricht, dass Mahavira bei den Jainas als 24. Tirthankara (Furtbereiter) gezählt wird, also in einer langen Kette von Vorgängern den letzten Höhepunkt bildet.....
Wer das Ausmaß des Schrecklichen erkennt, das Verletzungen anrichten, vermeidet dies.
Wer einen ausgeglichenen Geist hat, handelt richtig.
Wer die Einheit allen Existenten begreift, verhält sich entsprechend.
Wer sich entsprechend verhält, lebt die Einheit.
Beginnen wir mit der Suche nach der Wahrheit bei uns selbst und in unserem Leben.
Parshva
Lediglich Parshva, der Vorgänger Mahaviras, scheint eine historisch fassbare Person gewesen zu sein; dafür sprechen sein relativ “vernünftig” erscheinendes Lebensalter von “nur” 100 Jahren, die Hinweise auf ihn in der Biographie Mahaviras und die Zeitangabe, die ihn 250 Jahre vor diesem ansetzt, d.h., danach müsste er im 8.Jahrhundert v. Chr. gelebt haben, eine Zeit, auf die viele Umstände seiner Lebensbeschreibung passen.
Eines der wichtigsten Heiligtümer der Jainas ist der Dilwara-Tempelkomplex auf dem Berge Abu im südwestlichen Rajasthan, nahe der Grenze zu Gujarat (s.Foto links). Wer von Abu Road die sich emporwindende Strasse zum Plateau hinauffährt, fühlt sich nach der vorher eher kargen Landschaft in eine andere Welt versetzt. Granitfelsen, Dattelpalmen, Mangobäume, Bambus, auch Orchideen und Wandelröschen bestimmen die Szenerie, entlang der Strasse tummeln sich schwarzgesichtige Languren, selbst Bären und Panther finden hier noch Lebensraum.
Der Name Abu ist abgeleitet von Arbudachala (Hügel von Arbuda). Dies spielt auf die Legende der Entstehung des Berges an. In uralter Zeit soll hier der Weise Vasishta, der Lehrer Ramas, gelebt haben; bereits das Nationalepos Mahabharata, dessen Ursprünge in vorchristlichen Jahrhunderten liegen, erwähnt den Ort als Vasishtashram (Wohnung des Vasishta).
Der Mount Abu war also schon seit ältester Zeit den Hindus heilig, aber ebenso den Jainas. Der Sohn Adinathas, des ersten Tirthankara, soll hier an einem “Hof der Götter” genannten Platz seinem Vater einen Tempel errichtet haben. Später kam Mahavira hierher, um Erleuchtung zu erlangen und in seiner Nachfolge sind hunderttausende von Jainas im Laufe der Jahre zum Abu gepilgert, um Busse zu tun und auf dem Wege zur Erlösung voranzuschreiten.
Zur Situation des Tempelbaus im Mittelalter: Die meisten bedeutenden Jaina-Tempel entstanden zwischen den 9. und 15. Jahrhundert, einer Zeit, in der der Tempelbau in ganz Indien in Blüte stand. Schon immer gehörte die verdienstvolle religiöse Tat wie die Stiftung oder Instandsetzung von Tempeln zu den besonderen Aufgaben eines Herrschers in Indien. In einer Art Sorgepflicht musste er den religiösen Bedürfnissen aller Glaubensgemeinschaften in seinem Reich Rechnung tragen, ganz gleich welcher Gruppe er selbst angehörte. Aber gerade im Mittelalter regte der Stiftereifer der Könige auch Minister und reiche Kaufleute verstärkt zur Bautätigkeit an. Der gewachsene Wohlstand breiterer Schichten führte zu einer “Demokratisierung” der Tempelstiftungen, wie es sie in diesem Ausmaß vorher nie gegeben hatte.
Ein gutes Gemälde inspiriert. Ein gutes Gemälde ermutigt. Ein gutes Gemälde bringt uns zum Nachdenken und Reflektieren. Shanti Panchals Gemälde ‚Paddabhishek’, das die Einsetzung eines Jaina Mönches in den höchstmöglichen Rang des Acharya zeigt, tut all dies und noch mehr. Die so eindringlichen, sanften Augen provozieren uns zu der Frage, wer wir sind, wo wir stehen und was uns zu dem macht, was wir sind.
Shanti Panchal ermutigt durch sein Bild zur Selbstreflektion.
Anfang des 2. Jahrtausends regierte an der Westküste Nordindiens die Dynastie der Solanki von Gujarat, denen die Paramaras von Mount Abu tributpflichtig waren. Einer der Solanki-Minister, Vimala Sah, Untergebener des Königs Bhimdeo (oder Bhima Deva) wurde zur Befriedung eines aufständischen Fürstentums gegen die Stadt Chandravati entsandt; anschließend befragte er einen Jaina-Mönch, wie er für das Blutvergießen Sühne tun könne. Dieser belehrte ihn, dass mutwillige Tötung nicht sühnbar sei, dass er aber mit einer Stiftung auf dem Abu eine gute Tat vollbringen könne.
Grundriß Vimala Vashi Temple
Der an sich kleine Tempel von 33x14 Metern Grundfläche erhebt sich inmitten eines Hofes, umgeben von einer doppelten Säulenstellung und einem Kranz aus devakulikas (kleinen Nebenschreinen). Die blendende Lichtfülle, die den Besucher beim Eintreten so überwältigt, rührt vom hellen Marmor und der Lichtwirkung durch den Hof her. Im Gegensatz zur Hindu-Architektur verschwinden die Jaina-Heiligtümer nie im mystischen Halbdunkel, da die Klarheit des Geistes und der Erkenntnis hervorgehoben werden soll.
Sprechen, gezielte Bewegungen, die Wahrnehmungen der Sinnesorgane, des Geistes und des Intellekts, all dies sind Funktionen der Vitalenergie. Sie ist Grundlage und Ursache für das Bewusstsein. Die Sinnesorgane selbst besitzen kein Bewusstsein. Erst in Verbindung mit dem Fluss der Vitalenergie werden sie uns bewusst. Der Geist allein ist eine unbewusste Einheit. Auch hier entsteht Bewusstsein erst unter dem Einfluss der Vitalenergie. Das gleiche gilt für den Körper.
Der Tanzpavillon, entstanden 1147-49, stellt sicherlich den Höhepunkt der Anlage dar. Da der Raum innen stützenfrei bleiben sollte, kam ein großes Gewicht, etwa ein Shikhara-Turm darüber, nicht in Frage und man deckte ihn mit einer weiten Kragkuppel ab, mit 6,60 Meter Durchmesser die größte erhaltene Konstruktion der Solanki-Zeit. Bis heute wissen wir nicht, wie diese statisch hält, da der Tempel nie bautechnisch untersucht werden konnte. Wahrscheinlich verläuft innerhalb jeder der insgesamt elf Steinringe der Kuppel ein Ringanker, der den Horizontalschub aufnimmt.
Der Weg des Touristen endet an dieser Stelle, aber er kann von hier aus durch das gudha-mandapa hindurch auf das Allerheiligste und die helle Statue des ersten. Tirthankaras schauen. Der Eingang zur Cella wird durch zwei stehende Parshva-Statuen und Reliefs von Mönchen und Nonnen flankiert. Das Bildnis des Adinatha oder Rishabhanatha wirkt bewusst unmenschlich; Tirthankaras werden gern in Alabaster geformt oder zumindest in hellem Stein, um die Geistigkeit eines Körpers anzudeuten, der von allen irdischen Schlacken gereinigt wurde und nicht mehr von dieser Welt ist. Die Augen starren in eine jenseitige, transzendente Sphäre. Selbst der Duft und der Atem weisen keine Ähnlichkeit zum Menschen mehr auf.
Besonders vollplastisch und weiblich gerundet wird die Göttin Chakrasuri dargestellt (Nr. 5 im Plan), eine esoterische Gemahlin Vishnus, deren sechs Arme Symbole tragen, die sich auch mit Jaina-Vorstellungen verbinden lassen. So verkörpert der Bogen das Ego und die Pfeile die Sinne, die den Menschen an die materielle Welt binden; der Diskus meint in seiner Rundheit den Geist, das Szepter die Macht des Wissens, der Donnerkeil spirituelle Kraft und mit der Schlinge fängt Chakrasuri den ruhelosen Geist der Gläubigen ein.
Etwas oberhalb des Vimala Sah-Tempels gelegen, verdankt diese Anlage ihre Entstehung der Aktivität zweier Brüder, Tejapala und Vastupala, die als größte Bauherren überhaupt in die indische Architekturgeschichte eingegangen sind. Sie waren Minister des Königs Viradhavala und neben zahlreichen Stiftungen, die sich nicht erhalten haben, verdanken wir ihnen neben Abu bis heute den Neminatha-Tempel von Girnar.
Der 52 x 28,5 m messende Bau hält sich eng an sein Vorbild. Wenn auch genau umgekehrt, also nach Westen orientiert, so folgen die gleichen Bauteile aufeinander wie im Vimala Vasahi, so dass sich eine Beschreibung weitestgehend auf die Unterschiede beschränken kann; der T-förmige Tempel liegt in einem Hof, der von 52 devakulikas mit doppelter Kolonnade davor umgeben ist. Nur im Norden und Süden springt je eine Cella etwas aus dem geschlossenen Grundriss heraus. An der Rückseite gibt es hier keine Schreine, sondern eine geschlossene Halle mit frühen jalis (ornamental durchbrochene Mauern), die stark beschädigte Statuen der Stifterfamilien enthält.
Der Adinatha-Tempel von Ranakpur (s.Foto S.20), nach dem Bauherrn auch Dharna Vihara genannt, erweckt beim Betrachter einen ganz anderen Eindruck als die Dilwara-Tempel. Verspürt man dort eine stille, fast intime Atmosphäre, die durch die Kleinheit und ein Gefühl des Verstecktseins und des Verborgenen hervorgerufen wird, so ragt hier ein gewaltiger und majestätischer Bau mit weithin sichtbaren Shikhara-Türmen und Kuppeln auf.
Der Stifter des Heiligtums, Dharna Shah, entstammte einer rajasthanischen Jaina-Familie, die den Titel sangha-pati (jemand, der anderen eine Pilgerreise bezahlt hat) trug. Sein Namenszusatz Shah oder Sah zeigt, dass er seinen Reichtum als Bankier oder Geschäftsmann erworben hat.
Jainistischer Überlieferung zufolge gewann er das Vertrauen des Königs und wurde dessen Minister. Im Alter von 32 Jahren aber zog er sich, beeinflusst durch die Lehren des Mönches Shri Somasundara Suriji, in das Zölibat zurück. In einem Traum sah er ein wundervolles himmlisches Fahrzeug, das nalini-gulm-vimana (Lotus-Schwarm), das ihn so beeindruckte, dass er seinem König vorschlug, einen Tempel in dieser Form zu erbauen. Der Rana stimmte zu und stiftete Land für den Tempel und eine dazugehörige Stadt.
Wachsamkeit beinhaltet Sehen. Etwas zu sehen und direkt wahrzunehmen ist der sichere Nachweis für dessen Existenz. Indirekte Nachweise wie Folgerung, Erinnerung, und schriftliche Bestätigung haben eine geringere Authentizität. Die Schriften werden nur auf der Grundlage als authentisch anerkannt, dass ihre Autoren die Wahrheit direkt wahrgenommen haben. Wäre es nicht so, wären die in den Schriften angeführten Beweise unzulässig, d. h., Folgerungen werden anerkannt, wenn sie auf ursprünglicher Wahrnehmung basieren.
Der Adinatha-Tempel ist als ein chatur-mukha-prasada konzipiert, d.h. das Kultbild schaut in alle vier Himmelsrichtungen. Das bedeutet, das sich die Cella (garbha-griha, Nr. 1 im Plan )nach vier Seiten öffnet. Von dieser Grundkonzeption aus erschließt sich der gesamte, fast quadratische Grundriss.
Umgeben wird das Allerheiligste von Hallen, die man als sabha-mandapas (Versammlungshallen) oder ranga-mandapas (Tanzhallen) ansprechen kann (Nr. 2 im Plan). Diejenige im Westen, in der Achse des Haupteinganges, wird durch ihre Größe deutlich hervorgehoben. Dadurch verschiebt sich die Cella ein wenig nach Osten, was den leicht vom idealen Quadrat abweichenden Grundriss erklärt. Dieser Kernbereich des Tempels in Form eines lateinischen Kreuzes wird von einem offenen rechteckigen Hof (Nr. 3 im Plan) umschlossen, der jedoch im Vergleich zu früheren Jaina-Tempeln sehr zurückgedrängt erscheint.
Durch die vier Eckschreine, die den Hof begrenzen, erhält der Bau zugleich die Form eines pancharata (fünf-schreiniger Tempel), eine auch bei den Hindus beliebte Grundform. Da sie nun aber genau in den Zwischenhimmelsrichtungen angeordnet sind, entsteht daraus die Neuner-Konzeption (Weltmitte, Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen), die eine besonders wichtige Grundform eines Mandala Kosmogramm als Grundriss der Welt) darstellt. Man sieht, wie genial der Architekt die Zahlen 5 und 9 ineinander verwoben hat.
Im nördlichen meghanada-mandapa findet sich ein großer Marmorelefant (s. Foto S. 82-83), entstanden 1687, der auf seinem Rücken neben einem Mahout ein Bildnis der Mutter Adinathas, Marudevi, trägt. Sie soll zur Predigt ihres Sohnes gekommen sein und im Moment, als sie in noch relativ großer Entfernung seiner ansichtig wurde, die Erlösung erlangt haben. Damit wäre sie im gegenwärtigen absteigenden Zeitalter die erste Person, die aus dem Geburtenkreislauf ausgeschieden ist.
Im nördlichen meghanada-mandapa findet sich ein großer Marmorelefant (s. Foto S. 82-83), entstanden 1687, der auf seinem Rücken neben einem Mahout ein Bildnis der Mutter Adinathas, Marudevi, trägt. Sie soll zur Predigt ihres Sohnes gekommen sein und im Moment, als sie in noch relativ großer Entfernung seiner ansichtig wurde, die Erlösung erlangt haben. Damit wäre sie im gegenwärtigen absteigenden Zeitalter die erste Person, die aus dem Geburtenkreislauf ausgeschieden ist.
Immer wieder werden in Jaina-Tempeln stilisierte Abbilder der Heiligen Berge aufgestellt; das auf dem auf dem Foto auf Seite 75 wiedergegebene Beispiel zeigt den Shatrunjaya, aufgeteilt fast wie ein Setzkasten, in den Figuren von Tirthankaras und Tempeltürme hineingestellt wurden.
Mit der Aktivierung des Bewussteins vom Selbst übernimmt man eine große Verantwortung.
Erst die Erleuchtung macht uns die Tragweite unserer eigenen Verantwortung bewusst. Solange wir nicht spirituell erleuchtet sind, finden wir die Fehler immer bei anderen.
Wie bereits im Parshva-Absatz des Jainismus-Kapitels erwähnt, vollziehen sich die früheren Leben des Tirthankaras immer im Gegensatz zu einem feindlichen Bruder, der die dunkle Seite menschlicher Existenz: Selbstsucht und Machtgier verkörpert.
Parshva wird als Elefant wiedergeboren, da er im Moment seines Todes darüber Bedauern verspürt hat. Lange Zeit tobt er durch den Wald und erschreckt fromme Asketen, bis er sich seinem König gegenübersieht, der sich aus dem diesseitigen Leben zurückgezogen hat. Dieser erkennt in ihm sofort seinen früheren Minister, kann ihn zur Vernunft bringen und religiös belehren.
Danach folgen als Zyklen nur noch menschliche und göttliche Leben, denn bereits bei seiner nächsten Wiedergeburt als Prinz Agnivega wendet er sich das erste Mal von der Welt ab und wird Asket, d.h. er hat bereits eine höhere Stufe der Erkenntnis erreicht. Diesmal tötet ihn sein Bruder als Giftschlange; Parshva steigt in eine höhere Göttersphäre auf, Kamatha hingegen in eine noch tiefere Höllenzone hinab.
Körperliche und seelische Gesundheit sind die Voraussetzung für ein glückliches Leben. Wer nicht auf seine seelische Gesundheit achtet, kann auch nicht auf seine körperliche Gesundheit achten. In der spirituellen Praxis beziehen wir Gesundheit nicht nur auf den Körper. Seelische Gesundheit ist viel wertvoller als physische Gesundheit. Spirituelle Betätigung dient sowohl der seelischen, als auch der körperlichen Gesundheit und heilt sowohl die inneren, als auch die äußeren Leiden.
Beim nächsten Mal gibt Parshva das Herrscheramt bereits auf, als er das erste graue Haar an sich entdeckt. Als Asket erwirbt er derartige übernatürliche Kräfte, das rings um ihn her das Land und die Lebewesen Glück und Harmonie empfinden. So kann er, als ihn Kamatha erneut tötet, zur höchsten göttlichen Gestalt eines Indra gelangen.
Mit 16 Jahren leistet Parshva den großen Verzicht und meditiert stehend im Wald, um sich herum eine Aura des Friedens. Sein Bruder, wegen der langanhaltenden Askese als niederer Gott wiedergeboren, entdeckt ihn dort und greift ihn mit allen übernatürlichen Kräften an. Aber ein Schlangenpaar als Reinkarnation der beiden früher von Kamatha getöteten Schlangen bauten sich mit seinen riesigen Hauben schützend über ihm auf; deshalb wird Parshva so oft in dieser Form dargestellt.
Noch in der Zeit Aurangzebs (1658-1707) zogen islamische Heere durch Mewar und richteten auch in Ranakpur große Verwüstungen an. Spätere Jahrhunderte dezimierten die Bevölkerung der Umgebung durch Hungersnöte. So wurde der Tempel, der an einigen Stellen bereits eingestürzt war, schließlich aufgegeben und zeitweilig zum Quartier von Räuberbanden.
Die Philosophen konnten sich nicht über die Existenz dessen einigen, was zu subtil und damit für die Sinnesorgane nicht erfassbar ist. Also entstanden zwei einander widersprechende Auffassungen:
-Was erkannt werden kann, liegt innerhalb der Reichweite der Sinnesorgane. -Was nicht erkannt werden kann, liegt außerhalb der Reichweite der Sinnesorgane.
Ersteres können wir mithilfe der Sinnesorgane erkennen, das zweite muss unerkannt bleiben, weil wir über kein Mittel verfügen, mit dem wir es erkennen können.
Yoga-Lehrmeister haben herausgefunden, dass man durch Kontrolle des Atems die Instabilität des Geistes meistern kann.
Wir atmen ein und aus. Der Atem ist ein Wanderer zwischen innen und außen.
Unsere Übung besteht nun darin, den Geist auf das Verfolgen des Atems zu fixieren und ihn fortwährend auf den Vorgang des Ein- und Ausatmens zu konzentrieren. So wird der Geist dazu gebracht, unsere Innenwelt bewusst zu betreten, was den Anfang des spirituellen Weges kennzeichnet. Somit wird der Atem das Tor zum Selbst.
Wir glauben, dass unser Körper massiv ist. Jedes massive Objekt, dass über dem Boden schwebt, lässt uns staunen, doch wenn wir die massiv erscheinenden Objekte näher betrachten, stellen wir fest, dass sie nicht wirklich massiv sind. Hitze und Kälte könnten einem massiven Körper nichts anhaben. Ein massiver Körper schwitzt auch nicht. Das gesamte Universum, ganz zu schweigen vom Körper eines Menschen, hätte zusammengepresst in einem kleinen Ball Platz. Es gibt nur sehr wenige tatsächlich massive Dinge auf der Welt. Unsere Körper bestehen aus unzähligen Atomen. Zwischen den Atomen ist sehr viel leerer Raum.
In unserer Zeit wurden neue Rekorde der Chirurgie aufgestellt. Im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung wurden so viele Tiere und Pflanzen seziert und viviseziert wie nie zuvor. Einige dieser Forschungsarbeiten wurden vielleicht schon in der Vergangenheit durchgeführt, doch gibt es darüber keine Unterlagen. Dabei wurden alle Körperpartien untersucht und zu Forschungszwecken aufgeschnitten. Kein Teil des Körpers blieb unerforscht. Aber das Ganze ist doch mehr als die Summe seiner Einzelteile.
Die Seele (Jiva) ist der Schöpfer des Körpers. Jeder Körper entspricht der Seele und entsteht in Übereinstimmung mit ihr. Ohne Seele gibt es keine Verkörperung. Sie liefert das körperliche und geistige Potential, die Kapazität und Art der Atmung und bestimmt Anordnung und Eigenschaften aller materiellen Moleküle. Die Seele bindet die vorhandenen atomaren Materiepartikel an sich und gestaltet mit ihnen Körper, Sprache und Geist.
Dieser wissenschaftlich weitgehend unerforschte Zusammenhang zwischen Bewusstseinszentren und Transformation von Geist und Seele muss dringend untersucht werden, damit wir wissen, wo und wie wir auf die mentalen Prozesse einwirken können, um unsere Triebe und Instinkte zu meistern.
Diese formlose Substanz und ihre Bewusstwerdung liegen jenseits des mit den Sinnesorganen erfassbaren Bereichs. Mit den Sinnesorganen, dem Verstand und dem Intellekt können sie nicht erfasst werden. Hierzu wird ein anderes Medium benötigt. So überrascht es nicht, dass die Existenz dieser formlosen Einheiten angezweifelt wird. Es ist jedoch verwunderlich, dass nicht versucht wird, andere Mitteln zu ihrer Erfassung einzusetzen. Das liegt daran, dass unsere intellektuellen Kräfte noch unentwickelt sind und Versuche unternommen werden müssen, diese zu schärfen und zu verfeinern.
Oft lesen wir in Zeitungen über Menschen, die etwas über ihre vergangenen Leben wissen. Derartige Meldungen haben eine eher verblüffende Wirkung auf den, der darüber wirklich Bescheid weiß, denn er kennt all seine guten und schlechten Handlungen in der Vergangenheit und tut sich nicht wichtig damit, die Last der Erinnerung an seine vergangenen Leben zu tragen.
Am 9. Juni 2007 findet in Berlin ein Workshop über “Wohlbefinden durch Preksha Meditation“ statt unter Leitung von Swami Dharmanandji & Nirmalaji.
Swami Dharmanandji & Nirmalaji geben in Neu-Delhi seit über 20 Jahren Meditationskurse, in denen sie den Teilnehmern zeigen, wie man Preksha Meditation mit Yoga- und Atemübungen zur Steigerung des Wohlbefindens kombinieren kann.
Stellen wir uns einmal vor, ein Mann sitzt über eine Stunde lang in einem dunklen Raum. Untersuchen wir anschließend die Geruchspartikel in diesem Raum, können wir feststellen, dass der Betreffende in dem Raum anwesend war, obwohl er ihn längst verlassen hat. Deshalb wird der feine Geruchssinn von Hunden bei der Suche nach kriminellen Tätern eingesetzt. Wissenschaftler haben nun ein Analyseverfahren entwickelt, das die gleichen Aufgaben erfüllen kann, denn jeder Körper besitzt eine spezifische Geruchsmarke, auf Grund derer er identifiziert werden kann.
Es heißt, dass die Körper der Tirthankaras einen charakteristischen Duft verströmen, welcher dem der roten Lotusblume ähnelt. Jeder lebendige Körper hat eine charakteristische Duftnote. In alten Schriften über Sexualität wird behauptet, dass der Duft, den die Körper mancher Frauen verströmen, dem der rosafarbenen Lotusblume ähnelt. Diese Frauen werden Padminis genannt.
Am 13. Juni 2007 hielt Samani Prasanna Pragya, die zusammen mit Samani Manan Pragya aus London zu Besuch bei HereNow4U, Preksha Meditation in Berlin war (Berichte über ihren Besuch im englischen Teil HereNow4Us) einen Vortrag im Institut für Indische Philologie und Kunstgeschichte der Freien Universität Berlin mit dem Thema ‚Relevanz des Jainismus im 21. Jahrhundert – auf der Grundlage der Lehren Acharya Tulsis and Acharya Mahaprajnas’, den wir ins Deutsche übertragen haben.
·Abbau von geistigen Spannungen erleichtert das Aufsteigen der Energie · Spannungen erzeugen Emotionen · Leidenschaften schaffen Spannungen und Spannungen erzeugen wieder Leidenschaften, eine Störung des Gleichgewichts · Was ist Freude, was Schmerz? Was Freude bereitet, gilt als angenehm, was Leid erzeugt, schmerzt · Spannungen und Emotionen, eins wie das andere, sind der Nährboden für Sorgen · Die drei Hauptverursacher des Leidens sind Körper, Geist und Nahrung · Verzicht auf Objekte und die Konsequenzen daraus · Ein ausgeglichener Geist wird von materiellen Objekten weder angezogen, noch abgestoßen · Unwissenheit oder die Verweigerung der Kenntnisnahme verursachen geistiges und körperliches Leiden · Statt abstraktem Wissen, direkte, eigene Erfahrung.
Sich dann an die Vergangenheit zu erinnern oder Strategien für die Zukunft zu entwerfen, ist nicht falsch. Doch sollten wir das nur dann tun, wenn es nötig ist - diese Vorgänge erzeugen immer Spannungen in uns.
Der Zeitprozess ist ein dialektischer Prozess. Die Gegenwart hält dem Vordringen der Vergangenheit bzw. der Zukunft stand. Sie möchte sich ihre Identität bewahren. Wir sollten deshalb Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nicht miteinander vermischen.
Die wichtigsten Grundlagen spiritueller Praxis sind Wissenserwerb und eine auf ethischen Werten basierende Lebensführung. Was auch immer der Mensch versucht, sein Ziel ist die Befreiung aus dem Elend. Auch die spirituelle Praxis zielt darauf. Ohne diese Zielsetzung ist sie für jeden bedeutungslos.
Der unter nervösen Spannungen leidende Mensch unserer Zeit ist nicht in der Lage, seine eigene Spiritualität zu erkennen und in seinem Leben zu praktizieren. Anstatt sich den Quellen ewig währender Freude in seinem Inneren zuzuwenden, läuft er bedauerlicherweise den zeitlich begrenzten Freuden hinterher, die materielle Objekte bieten können. Doch sobald er zu meditieren beginnt und sich in der Folge seine Nerven und sein Geist beruhigen und seine Drüsensekretionen ins Gleichgewicht kommen, erlebt er eine anhaltende, ja sich steigernde Freude am Leben. Er lässt sich nicht mehr in die Irre führen und von materiellen Objekten umzingeln.
Auf unserer spirituellen Reise werden wir auf uns bisher unbekannten Wegen in die Tiefen unseres Seins geführt. In dem Wort Adhyatma ist das sehr treffend ausgedrückt, Adhi bedeutet innen, Atma Seele. Seit undenklichen Zeiten lebte der Mensch außerhalb seiner Seele ohne die Gelegenheit zum Betreten seines inneren Bereiches. Er hat für alles, was außerhalb von ihm stattfand, eine Vorliebe entwickelt und ist zu der Auffassung gelangt, das alles Wertvolle außerhalb von ihm existiert....
Die Logik sagt uns, dass wir keine weitere Lampe brauchen, um eine Lampe erkennen zu können. Um ein leuchtendes Objekt zu sehen, brauchen wir kein anderes leuchtendes Objekt. Licht ist selbst-leuchtend.
Die Seele, die wie die Sonne leuchtet, braucht kein materielles Medium, um gesehen zu werden. Es wäre töricht, eine Lampe anzuzünden, um die Sonne zu sehen.
Unsere Schwierigkeit besteht darin, dass zwischen unserer inneren und der höchsten Seele ein Vorhang ist, den wir zerreißen müssen. Er besteht aus den täuschenden Leidenschaften, welche die Erkenntnisfähigkeit trüben. Es ist sehr schwer, diesen Vorhang zu zerreißen und das Höchste zu erkennen, denn zwischen der nach außen tendierenden Seele und dem Höchsten gibt es eine große Kluft voller phantastischer Blockierungen. Um sie zu überwinden braucht es die Kraft eines Herkules. Die Blockierungen sind nicht materiell, und wir können sie nicht sehen. Sie sind so subtil, dass es schon sehr schwierig ist, ihr Vorhandensein überhaupt zu fühlen. Das Subtile entzieht sich unserer Wahrnehmung. Deshalb sind wir uns der Existenz dieser Blockierungen auch nicht bewusst.
Furchtlosigkeit ist der Kernpunkt aller Religionen. Mahavira sagte: „Nur der Furchtlose kann für Gewaltlosigkeit, die Wahrheit, Vertrauen in- und zueinander und für Begierdelosigkeit einstehen.“ Angst macht den Menschen gewalttätig und fördert seine Bereitschaft zum Stehlen und Lügen und zur Hortung von Reichtümern. Angst ist Motor und Motivation für die Erfindung und das Horten von Waffen aller Art. Durch Aufrüstung wollen sich die Nationen voreinander schützen, weil sie einander fürchten.
Doch Angst ruft nur weitere Angst hervor. Aus Angst, die Wahrheit zu sagen, schaden wir anderen, töten und lügen wir und haben Vernichtungswaffen entwickelt, die imstande sind, den ganzen Planeten zu zerstören. Angst ist die Wurzel allen Übels, ohne Angst wären wir alle Übel los.
Wenn wir uns auf die Suche nach der Wahrheit begeben, streben wir nach dem höchsten Ziel im Leben eines Menschen. Unter allen Lebewesen ist nur der Mensch zu dieser Suche fähig. Er ist mit Zentren ausgestattet, die Wahrnehmungen über die Sinneseindrücke hinaus verarbeiten können und verfügt über das hochentwickelte Gehirn, das die Voraussetzung für die Realisierung der Erkenntnisse aus diesen Wahrnehmungen ist. Die Suche des Menschen nach der Wahrheit ist zugleich ein Ausdruck dessen, dass er sich seiner Fähigkeiten bewusst geworden ist. Denn sobald er sich der Suche nach der Wahrheit verpflichtet, wird er sich bewusst, dass er die Verkörperung von Wahrheit und Wissen im eigentlichen Sinne ist.
Rabindranath Tagore wurde am 7. Mai 1861 in Kalkutta geboren (heute Kolkata). Die Spanne seines Lebens - er starb am 7. August 1941 - umfaßt eine für die neuere indische Geschichte entscheidende Zeit: Gerade war 1857 die erste umfassende antibritische Erhebung in Indien niedergeschlagen und die Besitzungen der Ostindischen Handelskompanie direkt der Verwaltung der britischen Krone in London unterstellt worden. Kalkutta entwickelte sich zur schnell wachsenden Metropole des britisch-indischen Kolonialreichs. Industrielle Produktion begann, allerdings fast ausschließlich im britischen Besitz, und eine westlich gebildete Mittelschicht entstand.
Vergegenwärtigen wir uns die Wahrheit, dass es nichts in der Welt gibt, dem nicht etwas anderes entgegenwirkt. Wo es Thesen gibt, gibt es auch Antithesen. Nicht nur das. Wo es keine Thesen gibt, gibt es auch keine Antithesen. Das Leben ist ein dialektischer Prozess. Bhagwan Mahavira kam nach seinen Bemühungen um das Selbst zu dem Schluss, dass die Wahrheit viele Facetten hat. Er nannte diese Erkenntnis Anekantvada oder die Lehre von der Multiplizität der Wahrheit. Diese Lehre erkennt den Wert an, der in der Multiplizität der Möglichkeiten liegt, sich der Wahrheit zu nähern. Sie bestätigt die Richtigkeit beider, der These und der Antithese, in ihren eigenen Sphären. Wir müssen beide anerkennen oder beide verwerfen.
Positiv und negativ, These und Antithese, gibt es nicht nur in der materiellen, sondern auch in der spirituellen Welt. Mahaviras Lehre vom Anekantvada ist kein intellektuelles Angebot, sondern Synthese seiner Erfahrungen und Erkenntnisse auf der Suche nach der Wahrheit des Selbst. Dabei erreichte er in der Meditation einen Zustand völliger Gewaltlosigkeit (Ahimsa), in dem er erkannte, dass er gegenüber allen Lebewesen Freundschaft empfindet und er keine äußeren Feinde hat. Das Gefühl, von Feinden umgeben zu sein, ist die Folge eines verengten Bewusstseins, das die Aktivitäten des Geistes so einschränkt, dass er sich lediglich einem einzigen Gedanken oder einer einzigen Anschauung zuwenden kann. Mahavira hielt dem die Lehre von der Mannigfaltigkeit der Wahrheit entgegen und vertrat deshalb mit Nachdruck die Auffassung von der Notwendigkeit einer Synthese in unseren Beziehungen zu anderen.
Meditation ist ein einziger Kampf. Zuerst kämpfen wir gegen den Platz, auf dem wir sitzen, dann gegen die Kleider, die wir tragen, schließlich gegen den Körper und zuletzt gegen den Karmakörper. Anfänglich kämpft man gegen äußere Feinde wie den Platz oder die Sitzhaltung, doch schon bald erkennt man, dass der eigentliche Kampf im Inneren stattfindet. Er richtet sich gegen die inneren Feinde Zorn, Hochmut, Täuschung, Neid sowie Vorlieben und Abneigungen.
Den Kampf kann man gewinnen, wenn man zuerst an der äußeren und dann an der inneren Front kämpft.
Als die Schlacht unentschieden stand, wurde beschlossen, dass Bharata und Bahubali in einem Duell gegeneinander antreten sollten. Der Gewinner des Duells sollte auch zum Sieger der Schlacht erklärt werden. Eine Bedingung des Duells war, dass die Kontrahenten einander ohne zu blinzeln in die Augen sehen sollten. Wer zuerst blinzelte, hatte verloren. Auch in der Preksha Meditation gibt es eine Übung (Animesh Preksha), bei der man ohne zu blinzeln mit weit geöffneten Augen ein Objekt vorurteilsfrei fixiert.
Wir beginnen unsere Sitzung mit dem Klang Arham. Damit orientieren wir uns an dem Ideal, das in dem Klang Arham ausgedrückt ist. Mit der Orientierung an diesem Ideal machen wir es unserem Bewusstsein zugänglich. Der Klang Arham vibriert in unserem Körper und ruft dort ein Echo hervor. Danach beginnen wir mit der Meditation. Nach der Meditation sprechen wir die Worte: „Ich überlasse mich den befreiten Seelen, den Heiligen und der Wahrheit, die größer ist als ich.“ Damit drücken wir die Hingabe an ein über allem Persönlichen und Objekthaften stehendes Ideal aus. Befreite Seelen und Heilige sind keine Personen, und die Wahrheit ist kein Objekt.
Anfang und Ende sind Teil eines einzigen Prozesses. Sie geschehen zwar nicht gleichzeitig, sind aber miteinander verbunden. Bevor wir etwas beginnen, haben wir eine Vorstellung vom Resultat. Unklug ist, etwas zu beginnen, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Das gilt auch für die spirituelle Praxis. Ohne eine klare Vorstellung kann man keine spirituelle Praxis zielgerichtet planen und durchführen.
Ansammlung von theoretischem Wissen entwickelt nicht notwendigerweise unsere Wachsamkeit, doch Wahrnehmung des Atems (Svash Preksha) ist eine bewährte Methode dazu. Nur ein wachsamer Geist verfolgt geduldig den ganzen Prozess des Ein- und Ausatmens, er ist aufmerksam für alles, was hereinkommt und hinausgeht. Mit der Zeit wird er so wachsam, dass kein Atemzug unbemerkt in den Körper gelangt oder ihn verlässt. Atem und Geist arbeiten zusammen und laufen nebeneinander. Doch zwei Gefährten können nicht nebeneinander gehen, wenn einer der beiden immer schläft. Das Atmen ist ein kontinuierlicher Prozess, der niemals zum Stillstand gelangt, solange der Körper lebt.
Alle Befürchtungen erwiesen sich als grundlos. Vom Weckdienst in Berlin bis zum Umsteigen in London Heathrow – genug Zeit, kein Stress, außerdem waren einfach nette Leute unterwegs an diesem Samstagmorgen. Eine Steigerung war kaum vorstellbar, doch im Flieger nach Delhi hatte ich mit dem neben mir sitzenden Ehepaar Arlt aus Rostock so interessante Gespräche, dass allein schon der Flug ein Highlight war und die Zeit buchstäblich verflog.
Zuerst besuchten wir Muni Sumermal, ein Mönch, der ein Meister in Tiefenentspannung (Kayotsarga) und Mantrameditation ist. Swami Dharmanandji übersetzte freundlicherweise unser Gespräch. Als ich Muni Sumermal nach seinen Vorhaben in der nächsten Zeit fragte, erzählte er, dass er sich die vier Monate der Regenzeit, in denen er nicht unterwegs ist, so einteilt, dass er zwei Monate lang seine eigene Meditationspraxis vervollkommnet und in den folgenden zwei Monaten seine Praxis weitergibt. Swami Dharmanandji fügte trocken hinzu: „Zuerst muss man schwimmen können, bevor man Schwimmunterricht gibt.“ Wohl wahr!
Bevor wir uns auf den Weg nach Rajasthan machten, fuhren wir noch zu dem Digambara Acharya Vidhyanandji, den wir auch letztes Jahr besucht hatten. Der Acharya hatte Swami Dharmanandji ausrichten lassen, dass er Acharya Mahaprajnaji einige Bücher schicken und Swami Dharmanandji diese abholen möchte. Swami Dharmanandji nutzte die Gelegenheit, dieser Bitte gleich am darauffolgenden Morgen nachzukommen. Wie sich herausstellte, würde der Doktorand, der aus Ladnun gekommen war, um mich dorthin zu begleiten, am folgenden Tag nach Udaipur fahren und dort Acharya Mahaprajnaji begegnen und ihm die Bücher überreichen können. Swami Dharmanandji war sehr zufrieden, dass er der Bitte von Acharya Vidhyanandji so schnell nachkommen konnte.
Der 2. Oktober ist in Indien ein Feiertag zu Ehren Mahatma Gandhis, denn er wurde an diesem Tag geboren. Weltweit wird dieser Tag inzwischen als Ahimsa Day bezeichnet. Ahimsa ist der von Mahavira, dem 24. und letzten Tirthankara unserer Zeit als wichtigste Maxime für das Leben verkündete Grundsatz. Ahimsa bedeutet Wertschätzung der Vielfalt des Lebens in allen seinen Formen, Achtung vor jedem Leben und zugleich die Anerkennung der kosmischen Ordnung.
Mahavira sagt dazu: „Jeder möchte leben, niemand möchte sein Leben verlieren. Wie ich mit einem anderen Lebewesen umgehe, so gehe ich mit meinem Selbst um. Leben und leben lassen ist unsere große Verantwortung als höchstentwickelte Lebewesen auf diesem Planeten.“
Heute verabschiedet der Bundesrat die Geflügelpestverordnung der Bundesregierung. Sie schreibt die generelle Stallpflicht für Geflügel vor. Freilandhaltung ist nur noch mit Sondergenehmigung erlaubt.
"Die Bundesregierung sperrt Hühner, Gänse, Enten und Puten grundlos ihr Leben lang ein. Dabei geht sie von der längst überholten Annahme aus, die Vogelgrippe werde in erster Linie durch Zugvögel übertragen", kritisiert Markus Pfeuffer, Kampagnenleiter bei VIER PFOTEN. Jüngste Erkenntnisse belegen, dass die Seuche vor allem durch die Intensivtierhaltung verschleppt und verbreitet wird und nicht durch Wildvögel.
Ein Kettenraucher nahm an einem Meditationscamp teil. Ihm wurde geraten, das Rauchen aufzugeben, weil es schädlich für die Gesundheit ist. Er erwiderte: „Wozu stellt man denn Zigaretten her? Unzählige Dinge werden zum Vergnügen des Menschen produziert. Würden wir sie alle aufgeben, erlitten die Herstellerfirmen große Verluste, und das würde Arbeitsplätze in bisher noch nicht bekanntem Ausmaß vernichten.“ Solchen Menschen kann man nichts begreiflich machen. Der Mann nahm weiter an dem Camp teil und meditierte auch danach regelmäßig. Nach geraumer Zeit begann er sich zu verändern. Er entwickelte eine starke Abneigung gegen das Rauchen und fühlte sich sehr gestört, wenn jemand in seiner Gegenwart rauchte.
Ein bisschen aufgeregt war ich schon, als ich mich in der Mittagshitze gegen 13:40 vom Sumit Gästehaus der Universität in Richtung JVBI Campus auf den Weg machte. Unterwegs traf ich einige Studentinnen, die mich erschreckt fragten, was ich denn schon wolle, der Kurs fange doch erst um 14:00 an, und sie seien gerade auf dem Weg zum Mittagessen. Ich konnte sie beruhigen und nahm in aller Ruhe den Unterrichtsraum in Augenschein. Die Tafel sah aus wie die, die kurz nach meiner Einschulung 1954 in Berlin wegen Überalterung ausrangiert worden war. Als ich das später im Kurs erzählte, lachten alle schallend.
In der ersten Woche hatte ich vormittags keinen Kurs und nutzte eines Morgens die Gelegenheit zu einem Besuch bei der Gruppe von vier Mönchen, deren Aufgabe es in diesem Jahr ist, die pflegebedürftigen Mönche in Ladnun zu versorgen. In Ladnun gibt es zwei derartige, Seva Kendra genannte Einrichtungen, eines davon für Nonnen. Diese Aufgabe wird jeweils für ein Jahr an eine Gruppe von Mönchen, bzw. Nonnen vergeben.
Zur gleichen Zeit wie der Deutschkurs begann auch eine dreiwöchige Fortbildungsveranstaltung für Universitäts- und Schullehrer, die sich dadurch für den Sanskritunterricht qualifizierten. Dieser Kurs wurde von der (sinngemäß) zentralen Kommission zur Gewährung von Mitteln für Universitäten gesponsert und vom Fachbereich Komparative Religionswissenschaften und Philosophie ausgerichtet. Für die Jain-Universität bedeutete die Gewährung der Mittel durch die Kommission eine Anerkennung ihrer qualifizierten Ausbildungsprogramme. Einige Studenten des Deutschkurses betreuten auch die Fortbildungsveranstaltung, und sie hatten mich zur Teilnahme am Sonntagsausflug zu beliebten Ausflugszielen der Umgebung inklusive Picknick eingeladen.
Der Mensch ist zwischen Polaritäten gefangen: zwischen Erleuchtung und Ignoranz; zwischen Frieden und Krieg; zwischen Gewaltlosigkeit und Gewalt. Das Leben wird durch Krieg und Gewalt verletzt. Die Heilung für diese Verletzungen ist in Ahimsa, der Gewaltlosigkeit, zu finden.
Der achtsame Umgang mit der Zeit macht uns wachsam und gibt uns immer die Möglichkeit Ahimsa zu üben. Die Zeit ist eine sich ständig wandelnde Realität. Sie wartet auf niemanden. Unserer Lebenszeit in diese Welt begann mit unserer Geburt und wir bewegen uns unaufhörlich auf den Zeitpunkt unseres Verlassens dieser Welt zu. Was wir Gutes tun wollen, müssen wir jetzt tun. Wir haben die Freiheit der Wahl. Jeder Moment unseres Lebens ist wertvoll. Unsere Wahl wird die Qualität unserer Zukunft bestimmen. Ahimsa ist der Weg, auf dem sich alle ehrfürchtigen Menschen beim Scheiden aus dieser Welt treffen. Ahimsa ist Praxis. Ahimsa bedeutet Achtsamkeit auf allen Ebenen; der Körper-, der Verstandes- und der Handlungsebene.
Zwei Studentinnen des Deutschkurses, Shobha Chopra aus Bikaner und Mamta Jain aus Bewar nahe Ajmer, luden mich noch während des Sonntagsausflugs ein, sie in ihrem Zimmer im Studentenwohnheim zu besuchen. Nachmittags, im Anschluss an den Kurs, passte es uns allen am besten, und so machten wir drei uns auf den Weg. Das Wohnheim für die Studentinnen liegt direkt neben dem Gebäude, in dem der Fachbereich Erziehung untergebracht ist, und das Gründungsgebäude der Universität war. Universität und College haben mittlerweile Neubauten in einander gegenüberliegenden Gebäuden erhalten.
Wie aktiviert man den Geist und trainiert ihn? Wir wollen versuchen, darauf eine Antwort zu finden. Die einzige Möglichkeit, den Geist zu aktivieren, besteht darin, die Orientierung im Leben zu ändern. Das ist nicht möglich, ohne den Atemprozess zu verändern. Unser Leben hängt vom Atem ab, der uns Prana zuführt. Wir leben, weil wir atmen. Deshalb wollen wir die Lampe des Lebens leuchten lassen. Es gibt Lichter, die über Jahrhunderte leuchten, während andere dies nur für eine begrenzte Zeit tun. Öllampen brennen für einige Stunden, doch wir Menschen haben Lampen, die nie verlöschen.
An dem Deutschkurs nehmen auch 7 Mumukshus (Novizinnen) mit großem Enthusiasmus und Erfolg teil, Kirti, Shikha, Shweta, Nikita, Alpa, Meena, Sheetal. Sie luden mich zum Mittagessen in ihre Institution ein, die den schönen Namen „Parmarthik Shikshan Samstha“ trägt (PSS, sinngemäß: Institution in der gelehrt wird, wie man den Weg der Befreiung geht). Als wir gegen 11:20 ankamen, aß ein großer Teil der Mumukshus schon zu Mittag. Die letzte der 3 Mahlzeiten des Tages wird gegen 16:30 eingenommen, nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang wird auch kein Wasser getrunken. Der Tag meines Besuches war der erste Tag des hinduistischen Navrata Festivals, das 9 Tage dauert. Die Mumukshus begehen dieses überall in Indien als Durga Puja gefeierte Fest auf ihre Weise, indem sie spirituelle Kontemplationen praktizieren, Japas rezitieren und sich kleine Fasten auferlegen, indem sie vor 12:30 keine Mahlzeit zu sich nehmen, was Kirti, Shikha und Nikita gerade praktizierten. In diesem Jahr ist Kirti „Chefin“ der Mumukshus, letztes Jahr war es Nikita.
Am 18. 10. 2007 fand in Ladnun anlässlich des Besuches einer Studiengruppe des Fachbereichs Komparative Religionswissenschaft und Evangelische Theologie der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt/Main ein internationales Workshop zum Thema „Grundlagen des Jainismus“ statt.
Auf einer Konferenz im Februar 2007 im Punjab, an der auch Samanis, Studenten und Dozenten der JVB Universität Ladnun teilgenommen hatten, war man sich begegnet. Professor Weber und Dr. Sikand hatten erwähnt, dass ihre für den Herbst geplante Studienfahrt nach Indien den Jainismus zum Thema hat. Sie wurden herzlich eingeladen, die JVB Universität Ladnun zu besuchen, was somit auch geschah. Die Fachbereiche Jainologie und komparative Religionswissenschaften hatten zusammen mit der Sektion Anekant des Fachbereiches Philosophie den Workshop organisiert.
Wir leben heute in einer interessanten Zeit. Einer Zeit, in der die Informationswissenschaft in kurzer Zeit unser Leben beeinflusst hat und praktisch unser Leben bestimmt. Der Höhlenmensch ist ein Schlossmensch geworden. Fuhrwerke und Kutschen wurden durch Cadillacs und Kabrios ersetzt. Handrührgeräte sind überholt und wurden von modernen elektronischen Küchenmaschinen ersetzt. Das Alte wird durch das Neue in einer unglaublichen Geschwindigkeit ersetzt.
Am 19. Oktober 2007 erhielt ich die Gelegenheit zu einem längeren Gespräch mit der Rektorin der JVB Universität. Dr. Samani Mangal Pragya ist nunmehr seit einem Jahr im Amt. Ich wollte gern wissen, wie sie ihre Tätigkeit bewertet und wo sie ihre Schwerpunkte legt.
Vice-Chancellor Dr. Samani Mangal Pragya freut sich darüber, dass Acharya Mahaprajna ihr die Verantwortung für einen so wichtigen Posten übertragen hat. Sie ist sich darüber im klaren, dass diese Stellung auch mit der Ausübung von Macht verbunden ist. Damit hat sie deshalb kein Problem, denn sie ist der Auffassung, dass an Macht nichts zu tadeln ist, solange sie für die richtige Sache und mit den richtigen Mitteln ausgeübt wird. In erster Linie ist sie nun einmal Nonne, und sie ist in der Ausführung ihrer spirituellen Verantwortung so sorgfältig, wie sie es immer war.
Inzwischen bin ich aus Indien zurück, knapp zwei Monate liegen zwischen meinem Besuch bei Pooja und heute. Der Besuch bei Pooja ist mir nicht zuletzt deshalb so deutlich in Erinnerung, weil es die einzige private Einladung während des Monats in Ladnun war. Meine sozialen Kontakte beschränkten sich auf den Deutschkurs und gelegentliche Gespräche mit dem dafür zuständigen Koordinator Dr. Dhar. Zudem war ich in einem Zimmer der untersten Kategorie im Gästehaus untergebracht, was meinen Wohlfühlfaktor nicht gerade in schwindelnde Höhen trieb.
Ziel jeder spirituellen Praxis ist das Wahrnehmen, Erkennen und Empfinden der Seele. Man muss gewaltige Energien in sich aktivieren, um alle Hindernisse auf dem Weg zur Realisierung des Selbst zu überwinden.
Es gibt zwei machtvolle Instrumente zur Wahrnehmung und Realisierung des Selbst: die Lebensenergie und die Kraft des Geistes. Man braucht zur Entwicklung seiner geistigen Kräfte sehr viel Energie. Um diese Energie bereitstellen zu können, verknüpft man den Geist mit dem Atem. Ohne die Verbindung des Geistes mit dem Atem kann man das Selbst weder wahrnehmen, noch realisieren.
Die geistigen Kräfte können durch kontinuierliches Training und andauernde Praxis entwickelt werden. Dazu muss man genau wissen, was man erreichen möchte. Mit seiner Willenskraft kann man Gutes oder Schlechtes bewirken. Jemand nahm sich einmal vor, eine Lampe nur durch Anwendung seiner Willenskraft auszuschalten, was ihm auch gelang. Spirituell sind derartige Spielchen völlig wertlos.
Ein Bettelmönch betrat einmal ein Haus und bat um Essen, doch die Hausfrau zeigte ihm nur die kalte Schulter. Der Bettelmönch ärgerte sich darüber sehr und verfluchte sie: „Mögest du zu Asche verbrennen!“ Die Hausfrau erwiderte kühl: „Ich bin eine harte Nuss für dich, denn ich bin eine Frau voller Hingabe, und dein Fluch wirkt bei mir nicht. Die geistigen Kräfte einer Frau voller Hingabe sind deinen weit überlegen.“ ........
An meinem letzten Wochenende kamen Shri Sushil Kumar Bafana und Shrimati Supyar Bafana nach Ladnun und holten mich zu einem lange vor meiner Abreise vereinbarten Wochenendtrip ab. Sie wohnen in Kolkata und besuchen einmal jährlich ihren Heimatort Sri Dungargarh und ihre Angehörigen dort. Sri Dungargarh ist eine auf (Wüsten-) Sand gebaute Kleinstand und nur etwa 70 km, aber 2,5 Autostunden (die Straßenverhältnisse!) von Ladnun entfernt. Ich freute mich auf die Abwechslung.